Dossierbild Afrikanische Diaspora

10.8.2004 | Von:
Judy Gummich

Die Weltkonferenz gegen Rassismus 2001

Ihre Bedeutung für Afrika und die afrikanische Diaspora

Resümee aus Schwarzer Perspektive

In vielen Fragen wurden in den verabschiedeten Dokumenten der Weltkonferenz (Erklärung und Aktionsplan) gute Grundlagen für Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene geschaffen. Die zentralen Forderungen konnten jedoch nur zum Teil durchgesetzt werden.

Teilnehmer der Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban, Südafrika 2001.Teilnehmer der Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban, Südafrika 2001. (© Diaspo Afrique Paris)
Der Perspektivenwechsel hin zu den Opfern von Rassismus war ein wesentlicher Schritt. Denn daraus folgt – wie in den Abschlussdokumenten der Weltkonferenz festgehalten – die Aufforderung an die Staaten, die Menschen und gesellschaftlichen Gruppen, gegen die sich Rassismus richtet, in Umsetzungs- und Entscheidungs-
prozesse einzubinden (§191a Aktionsprogramm, §122 Erklärung).
Sklaverei und Sklavenhandel (über den Atlantik, die Sahara und den Indischen Ozean) wurden als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt, leider nicht die Kolonisierung.

Es wurde keine Entschuldigung für vergangene, mit Rassismus legitimierte Verbrechen ausgesprochen und es wurden keine Reparationen für diese Verbrechen und ihre Folgen vereinbart. Lediglich eine moralische Verpflichtung zur verstärkten Partnerschaft mit dem afrikanischen Kontinent wurde im Aktionsplan festgehalten.[5] Mit anderen Worten: Die bestehende Weltordnung wurde nicht angetastet.

Die vielen kleinen und großen mühsam erstrittenen Ergebnisse der Weltkonferenz gegen Rassismus wurden durch die Flugzeugattentate auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September – 3 Tage nach Abschluss der Weltkonferenz gegen Rassismus – allerdings weltweit in den Hintergrund gedrängt. Was in der Folgezeit als so genannte Sicherheitsmaßnahmen in vielen Ländern verabschiedet wurde, widerspricht in eklatanter Weise dem Inhalt der verabschiedeten Dokumente. Diese "Sicherheitsmaßnahmen" sind eine Bedrohung insbesondere für die von Rassismus betroffenen Menschen und stellen zum Teil massive Menschenrechtsverletzungen dar – auch in Deutschland.

Für die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent und in der Diaspora bleibt diese Weltkonferenz dennoch ein Erfolg. Denn noch nie zuvor haben so viele Menschen afrikanischer Herkunft aus allen Teilen der Welt an gemeinsamen Zielen und zu verschiedensten Themen zusammengearbeitet. Dieser Geist bleibt auch über die Weltkonferenz gegen Rassismus hinaus für den Kampf um Gerechtigkeit, Rehabilitation und Gleichberechtigung erhalten.

Durban Follow-up

Als Follow-up des "African and African Descendant Caucus" der Weltkonferenz fand im November 2002 "The first African and African Descendants World Conference against Racism" [6] in Barbados statt. Ein Ziel ist u.a. die Gründung einer globalen panafrikanischen NGO, die Strategien zur Verwirklichung der Gleichberechtigung und Rehabilitation entwickelt und umsetzt. Das Engagement auf der Weltkonferenz in Durban hat auch dazu beigetragen, dass die jahrelange Forderung nach einer Arbeitsgruppe ("Working Group on People of African Descent") beim UNHCHR ("United Nations High Commissioner for Human Rights") im November 2002 verwirklicht wurde.

Auch in Deutschland wächst das "Empowerment" der afrikanischen Diaspora. Dies zeigt sich an der umfangreichen Beteiligung von Menschen afrikanischer Herkunft im Follow-up-Prozess. So sind sie verhältnismäßig stark in der AG Durban-Follow-up [7] engagiert, in der Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen der Zivilgesellschaft gemeinsam an dem Entwurf eines Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus aus NGO-Perspektive arbeiten. Im Juni 2003 wurden zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik zwei Vertreterinnen und Vertreter der afrikanischen Diaspora in einem Bundestagsauschuss gehört. Sie berichteten im "Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe" über den Durban Follow-up-Prozess in Deutschland aus Schwarzer Perspektive.

Bis Ende des Jahres soll Deutschland den Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus dem UNHCHR übermitteln. Dies wird jedoch nach Informationen aus dem Bundesministerium des Innern nicht erfolgen. Wann tatsächlich ein Aktionsplan vorgelegt werden wird, liegt in erster Linie am politischen Willen. Die afrikanische Diaspora in Deutschland wird sich weiterhin für einen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus einsetzen und weiterhin für Gerechtigkeit, Rehabilitation und Gleichberechtigung kämpfen.

Fußnoten

5.
New African Initiative, heute: NEPAD – New Partnership for Africa's Development.
6.
The Bridgetown Protocol, Official Report; Africans and African Descendants World Conference Against Racism, 2-6 October 2002.
7.
Die AG Durban Follow-up wurde Ende 2002 vom Forum gegen Rassismus eingerichtet. Dieses Forum ist eine Gesprächsplattform, die aus dem Nationalen Koordinierungsausschuss zum Europäischen Jahr gegen Rassismus 1997 hervorging.

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