Dossierbild Afrikanische Diaspora

10.8.2004 | Von:
Ekpenyong Ani

Die Frau, die Mut zeigt

Der Verein ADEFRA e.V. – Schwarze Frauen in Deutschland

Engagement

Das Engagement ADEFRAs innerhalb der wachsenden Schwarzen Community in Deutschland ist eine dritte Ebene der Vereinsarbeit. Die bei ADEFRA aktiven Frauen sahen sich schon immer als ein Teil der größeren Community und hatten beispielsweise von Anfang an ihren Platz auf den jährlich stattfindenden Bundestreffen Schwarzer Menschen in Deutschland oder auch auf dem Black History Month in Berlin, der über einen Zeitraum von zehn Jahren regelmäßig veranstaltet wurde. Heute ist ADEFRA eine treibende Kraft beim "Black Community Congress" und trägt maßgeblich zum Entstehen eines bundesweiten Netzwerks Schwarzer Aktivistinnen und Aktivisten in Deutschland bei.

Schließlich ist bei ADEFRA der Blick über den bundesdeutschen Tellerrand schon früh von zentraler Bedeutung gewesen. Während Mitte der 1980er Jahre noch afro-amerikanische Feministinnen und Schriftstellerinnen prägend waren, rückten später die europäischen Nachbarländer stärker in den Fokus des Interesses für einen Austausch mit anderen Schwarzen Frauen. Nach dem Fall der Mauer waren es dann die Schwarzen Schwestern aus den neuen Bundesländern, mit denen es sich erst einmal auszutauschen und zusammenzufinden galt. ADEFRA ist heute mit Schwarzen Frauengruppen überall auf der Welt vernetzt und begreift sich auch hier wieder als Teil der größeren internationalen Community Schwarzer Frauen/Menschen.

Organisationsstrukturen

In den Anfangsjahren war ADEFRA zunächst informell organisiert. Noch lange vor der Gründung des bundesweiten Vereins hatte es jedoch eine Gruppe von Frauen in München geschafft, ein von der Stadt gefördertes ADEFRA-Büro einzurichten. Dieses Büro fungierte über zehn Jahre lang als "Zentrale". Hier fanden kleine Treffen statt, von hier aus wurden die meisten Frauenbundestreffen organisiert, Kontakte geknüpft und Informationen versandt. ADEFRA-Frauen schrieben regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften "Afrekete", und "afro-look" und gaben selbst Rundbriefe heraus, zuletzt die "ADEFRA-News". In diesen Jahren wurde auch der Grundstein für ein ADEFRA-Archiv gelegt, das aus eigenen Publikationen sowie einer extensiven Sammlung von Büchern, Zeitungsausschnitten und Videos besteht. Ende der 1990er Jahre musste das Büro leider geschlossen werden, da sich der harte Kern der ADEFRA-Aktivistinnen in München aufzulösen begann.

ADEFRA als Vorbild

Parallel zu der Gruppe in München gab es in anderen Städten ADEFRA-Gruppen, die sich über die Jahre gebildet hatten, beispielsweise in Hamburg und Erfurt. ADEFRA war 1994 ausdrücklich als bundesweiter Verein gegründet worden, um die Möglichkeit zu haben, viele regionale Schwarze Frauengruppen unter einem Namen zusammenzufassen. Die regionalen ADEFRA-Gruppen waren miteinander vernetzt und arbeiteten punktuell zusammen.

Inzwischen gibt es in Berlin die größte ADEFRA-Community in Deutschland, so dass sich die Vereinsarbeit seit Ende der 1990er Jahre auf die Hauptstadt konzentriert. Im Jahr 2004 soll hier erneut ein Büro eröffnet werden, um eine Basis für die konkretere Arbeit zu schaffen. Diese soll in den nächsten Jahren folgende Schwerpunkte haben:
  • Bildungsarbeit für Schwarze Frauen und Mädchen
  • Flucht und Migration
  • Reparationen für Schwarze Frauen
  • Schwarze Frauen in psychischen Krisensituationen
  • 20 Jahre ADEFRA


17 Jahre später ...

17 Jahre nachdem Schwarze Frauen in Deutschland erstmals als ADEFRA zusammenkamen, hat sich gleichzeitig viel und wenig verändert. Die deutsche Gesellschaft krankt noch immer an institutionalisiertem Rassismus, rassistischen und sexistischen Stereotypen und einer geringen Bereitschaft, Schwarze Menschen als einen integralen Teil dieser Gesellschaft anzusehen. Doch Schwarze Menschen, Schwarze Frauen haben sich ihre eigenen Räume geschaffen und damit zumindest füreinander Sichtbarkeit erlangt. Wir haben Rassismus, Sexismus und Homophobie heute mehr entgegenzusetzen, vor allem das Wissen darum, viele zu sein.


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