Dossierbild Afrikanische Diaspora

10.8.2004 | Von:
Oliver George Seifert

Das Jugendprojekt "Blite"

Eine Quartalszeitschrift von Schwarzen Jugendlichen

Edition No. 3/2002 © BliteAusgabe 3/2002 (© Blite)

Redaktionsarbeit

Angeleitet von erfahrenen erwachsenen Projektleitern, beschäftigen sich die jugendlichen Redakteure sowohl mit alltäglichen Zuständen der Gesellschaft als auch mit politisch brisanten Themen. Über ihre Begegnungen in der Gesellschaft mit Rassismus, Freude und Traurigkeit äußern sie ihre Meinung – für ein gesamtgesellschaftliches jugendliches Publikum. Sie schaffen ein Forum für die Veröffentlichung von Texten zu Themen, die in der Öffentlichkeit wenig thematisiert werden.

Die Jugendlichen setzen sich mit der Schwarzen Geschichte in Deutschland und Europa auseinander, mit der deutschen Kultur und mit den Spezifika anderer Kulturen sowie mit der Globalisierung der modernen Kultur. Die Rubriken der Zeitung geben den Rahmen für eine "neue Sicht auf die Dinge", die entsteht, wenn Jugendliche die Überwindung ihrer Ausgrenzung selbst in die Hand nehmen.

Zu den Rubriken gehören u.a. Politik und Geschichte
  • Über die Begegnung mit Menschen und Orten in Alltag und Politik; über die Zustände und das Leben in Flüchtlingsheimen; über den Stand der Gesetze zu Rassismus und Diskriminierung – hier kann den Politikern auf den Zahn gefühlt werden, wie sie Wahlkampf und Realität in Verbindung bringen.
  • Die unerschöpfliche Schwarze Geschichte in Deutschland und Europa, die weit über vierhundert Jahre hinaus reicht.
  • Kulturelle und historische Hintergründe von Menschen aus nichtdeutschen Kulturkreisen.
  • Sowie Fun und Events:
    • Wo ist wann und mit wem was los?
    • Welcher Film läuft wo? / Filmkritiken
    • Welche Mode ist gerade angesagt?
    • Eingesandte literarische Texte von Jugendlichen
Ein typisches Phänomen von Jugendlichen ist es, Bedürfnisse, Träume, Wünsche und Ängste durch prosaische oder lyrische Texte mitzuteilen, freier und inniger, als sie es dann im Erwachsenenalter tun werden. Hier sollen sie ein Forum erhalten, um sich "freizuschreiben".
Die Einsendungen werden von der Redaktion vorher sorgfältig besprochen und ausgewählt.

News aus dem Literaturbetrieb:
  • Welches Buch lohnt sich – nach Meinung des Rezensenten – zu lesen?
  • Welche Publikationen informieren über Schwarze Themen?
  • Infos von den Buchmessen
  • Autoreninterviews, Berichte von Veranstaltungen, Reportagen über Büchereien, Literaturvereine, Schreibwerkstätten.

Die Themen von "Blite"

Die Themen der bisherigen Ausgabe wurden von den Jugendlichen selbst gewählt und auf ihre Machbarkeit geprüft. In der nachfolgenden Auswahl wird deutlich, mit welchen ernsten Themen die Jugendlichen sich beschäftigt haben. In den vergangenen Ausgaben sind folgende Artikel erschienen:
  • Detlev Soost mit dem Artikel: "Der Traumtänzer – Mein Beruf ist mein Hobby"
  • May Ayim mit dem Artikel: "grenzenlos und unverschämt – ein Gedicht gegen die deutsche Sch-einheit"
  • Stephen Lawson mit dem Artikel: "Die Möglichkeit Menschen zu berühren!"
Im Thema Gesellschaft, Politik hatten wir Artikel wie zum Beispiel:
  • "I´m Black and I'm proud" – Die erste deutsche Misswahl für Schwarze Frauen
  • "Für das Gut zum Schein – Gutschein" – Die Grundleistungen des Asylbewerber-"leistungs"-gesetzes
  • "Die Gegenwart der Vergangenheit" – Koloniale Spuren in Berlin
Edition No. 4/2002 © BliteAusgabe 4/2002 (© Blite)
Über das Artikulieren hinaus werden die Jugendlichen mit dem Medium Zeitung bekannt gemacht. Innerhalb der Redaktion gibt es verschiedene Tätigkeitsgebiete, welche die Jugendlichen übernehmen müssen. Sie lernen Recherchen vorzubereiten und durchzuführen, Interviews zu führen und auszuwerten, den Umgang mit Computern und mit den damit zusammenhängenden technischen Erfordernissen wie Satz, grafische Bearbeitung und Druckvorstufe. Sie lernen journalistische Texte zu schreiben, diese zu redigieren, zu diskutieren. Zu allen Themen finden neben der redaktionellen Arbeit Wochenendworkshops statt, in denen die Jugendlichen tiefer in die Materie der journalistischen Arbeit geführt werden.

Die Verteilung der Zeitschrift wurde bisher über Bibliotheken und Schulen organisiert. Durch die Finanzierung aus dem öffentlichen Haushalt war es möglich, die Zeitung kostenlos abzugeben und an Orten auszulegen, an denen sich Jugendliche bevorzugt aufhalten.
Die Reaktion der jugendlichen Rezipienten war sehr positiv. Die Projektidee der Zeitungsform hat sich als positiv herausgestellt – was die Annahme bestätigte, dass Jugendliche sehr wohl Interesse an Printmedien haben und auch bereit sind, längere Texte zu lesen. Nicht nur in der regionalen Presse gab es Resonanz auf die Einmaligkeit des Projekts "Blite". Vorgestellt wurde die Arbeit der Jugendlichen im "African Courier" und in "JUMA", der Zeitschrift für junge Deutschlerner im Ausland, erstellt mit Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland.

Neben der gedruckten Zeitung haben wir uns dazu entschlossen, alle Artikel auch im Internet zu veröffentlichen. Zum einen, um Recherchen in älteren Ausgaben zu ermöglichen und zum anderen wegen Anfragen außerhalb unseres Verteilerbereiches. Uns war es leider unmöglich, Orte außerhalb von Berlin und Brandenburg mit der Zeitung zu beliefern. Darüber hinaus war es mir auch wichtig, über das Internet die Möglichkeit zu nutzen, das Projekt und die Zeitung "Blite" stärker bekannt zu machen.


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