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Dossierbild Afrikanische Diaspora

10.8.2004 | Von:
Christiane Della

Schwarze Künstlerinnen und Künstler in Zeiten der Globalisierung

Stephen Lawson, Skulptur "Sankofa Collage".Stephen Lawson, Skulptur "Sankofa Collage". (© Stephen Lawson)

Die Foren gestalten

Schwarze Künstler und Theoretiker aus Afrika, Asien, Amerika, Europa, Künstler der Diaspora sind vitaler Bestandteil der Kunstszene. Sie mitbestimmen zunehmend bewusst den Rahmen, in dem sie präsentiert werden. Sie inszenieren selbst die Foren, in denen Kunst rezipiert, Fragestellungen und Perspektiven entwickelt werden.

Die Biennale in Havanna ist mit der Gründung von 1984 das älteste solcher Foren und versteht sich ganz explizit als Ort der Begegnung, des menschlichen Austauschs. Sie hat begonnen als Ausstellung lateinamerikanischer und karibischer Kunst, nahm dann verstärkt afrikanische und asiatische Künstlerinnen und Künstler auf und ist heute ohne nationale oder regionale Einschränkungen konzipiert. Rasheed Araeen hat mit der Ausstellung "The other Story" 1989 schwarze Künstlerinnen und Künstler der Nachkriegsgeneration Großbritanniens versammelt. Er dokumentiert im Katalog vorangegangene Aktionen und Ausstellungen, die bis Anfang der 1990er Jahre "Black Art" in Großbritannien formten.

Okwui Enwezors Arbeit als Kurator hat mit der zweiten Biennale in Johannesburg 1997, der Wanderausstellung "The Short Century" 2001 oder 2002 mit der "documenta IX" in Kassel Zeichen gesetzt. Auch die kleine Ausstellung "Quite as it's kept" erteilt dem Etikett Ethnokunst eine klare Absage. "Quite as it's kept" fand unter dem Kuratorium von David Hammons statt. Er brachte im Sommer 2002, parallel zur Documenta in Wien drei afrikanisch-amerikanische Künstlerinnen und Künstler zusammen. Ed Clark, Stanley Whitney und Denise Thomasos arbeiten abstrakt. In der intellektuellen Auseinandersetzung gewinnen die Werke ihre politische Bedeutung. Sie geben Hinweise auf die Geschichte der Sklaverei.

Die Rolle von Künstlern, Kunst und Kuratoren

Heute kann transatlantische Kunst nicht länger den Anspruch halten, die internationale Kunst zu sein. Dafür sorgt nicht zuletzt besagte Präsenz einer wachsenden Diaspora. Die Rolle schwarzer Künstlerinnen und Künstler wird im Zusammenhang mit der Globalisierungsdebatte von Kommentatoren als ästhetische Überblende von nicht-gelösten Herrschaftsstrukturen bekrittelt [2] oder zaghaft als Möglichkeit der kulturellen Selbstbestimmung in Betracht gezogen.

Theoretiker von Frantz Fanon bis Edward Said sehen dort die Kunst. Auf diese positive Rolle setzten bereits Konzepte um die "Harlem Renaissance" oder die "Négritude" seit den 1930er Jahren. Kunst gibt hier den "l'art pour l'art"- Gedanken der klassischen Moderne auf. Dass Künstler ihre Arbeiten auch oder gerade aus der Analyse der historischen und kulturellen Voraussetzungen verstanden wissen wollen, entspricht nicht länger dem Werkbegriff westlicher moderner Kunst. Schwarze Künstlerinnen und Künstler in ihrer Vielfältigkeit haben keine Scheu, Bezug zu nehmen auf individuelle oder kollektive Erfahrungen, Stellung zu beziehen zu Geschichte oder Gegenwart. Schwarze Künstler und Kuratoren sind keine Garanten für das Ende von kultureller Ausgrenzung und sozialer Marginalisierung auf dem Kunstmarkt. Sie schaffen zunächst eine größere Durchlässigkeit für Künstler als Individuen, die beispielsweise vielfältige Selbstbilder und ein erweitertes kulturelles Gedächtnis erst ermöglichen.

Fußnoten

2.
Siehe Marius Babias: Der Postkolonialismus der Multi-Identitäten.

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