Dossierbild Afrikanische Diaspora

26.7.2004 | Von:
Anita Berger

Coloured Children

Ein Rap-Tanztheaterstück

Rapper und "Reisfresser"

"Neger", "Farbige", "Mischlinge", "Mulatten", "Bimbos" sind Bezeichnungen, die zum Leben von Schwarzen Deutschen in der Bundesrepublik dazugehören. Sie sind Ausdruck für den Rassismus, den Schwarze hierzulande täglich erleben. Bezeichnungen, mit denen sich die jugendlichen Rapper aber nicht identifizieren wollen:
    Überflieg das Übel meiner Kindheit
    Gebe preis was es heißt ein Andersfarbiger zu sein
    Ey, steckt ihr in meiner Haut und fahrt ihr auch auf dem Gleis? Nein, eure tauben Ohren müssen nicht von klein auf ertragen was das häutende Folgende meint
    "wat frisste soviel Reis, dadurch wirste auch nicht weiß!" (Prince Kalathikattil)


Die jugendlichen Projektteilnehmer bringen bereits viel Bewusstsein mit. Es ist überraschend, wie wenig während der Proben über die Inhalte ihrer Texte diskutiert wird. Als gäbe es ein unsichtbares Band, das sie miteinander verbindet. Alle sind sich einig, was gesagt werden muss. Sie wollen nicht die Welt verbessern oder über ihre Lebenssituation lamentieren. Sie wollen ihr Selbstverständnis als Selbstverständlichkeit auf die Bühne bringen, ohne dabei ihre eigenen Sorgen und Unsicherheiten außen vor zu lassen.

Ihr Selbstverständnis drücken sie mit zwei Worten aus. Sie nennen sich Schwarze Deutsche oder Afro-Deutsche. Ein Ausdruck ihrer multikulturellen Herkunft, ihres Deutschseins sowie ihrer afrikanischen Wurzeln.

Afro-Deutsche sind in Deutschland geboren oder haben einen wesentlichen Teil ihres Lebens in Deutschland verbracht. Sie verstehen sich als Teil einer afrikanischen Diaspora, von der die deutsche Öffentlichkeit in der Regel nicht viel weiß, obwohl über 500.000 Afro-Deutsche in Deutschland leben. In Schul- und Geschichtsbüchern ist wenig über die mehr als einhundertjährige Geschichte von Schwarzen in Deutschland zu lesen. Im Schulunterricht findet sie äußerst selten statt.

Isolation und Identität

Das Wissen um eine Schwarze Deutsche Geschichte und der Kontakt zu anderen Afro-Deutschen ist vor allem für Jugendliche von großer Bedeutung. Oft ist es für sie die einzige Chance mehr über ihre Wurzeln zu erfahren. Im Alltag einer weißen Gesellschaft gibt es dazu nur wenig Möglichkeiten. Viele Schwarze Jugendliche fühlen sich isoliert. Denn was die Bildung einer Identität, eines Schwarzen Selbstbewusstseins in Deutschland erschwert, ist nicht nur das Anderssein, sondern auch die Isolation, die zu einer Ohnmacht und Sprachlosigkeit, oft bis zur Selbstzerstörung führt. Ängste, die auch die jugendlichen Rapper kennen:
    Unauffällig, Durchschnitt, Normalsein, das ist mein Verlangen
    konnte dies nicht erlangen,
    die Lust aufs Leben ist vergangen.
    Wer gibt mir die Seife, die mich weiß wäscht?
    Seitdem weiß ich Schwarzsein ist ein Handicap
    das ich überall mit mir schlepp
    Ich möchte meine Haut abstreifen
    es geht nicht ich möchte es nicht begreifen! (Amaka Iyizoba)


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