Dossierbild Migration

15.3.2005 | Von:

Die Deutschen in Polen

Entwicklung bis 1989

Als Folge des Warschauer Vertrags von 1970 über die Grundlagen der Normalisierung der Beziehungen zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland wurde erneut eine Vereinbarung über die Möglichkeit der Familienzusammenführung von Deutschen aus Polen getroffen. Die Volksrepublik Polen erkannte damit indirekt die Existenz von Deutschen im Lande an. Während Polen von einigen Zehntausend Ausreisewilligen ausging, lagen dem Deutschen Roten Kreuz 1970 etwa 250.000 Anträge vor. Die ausgesprochen zurückhaltende Genehmigungspraxis der polnischen Behörden veranlasste Bundeskanzler Helmut Schmidt bei Gesprächen mit Polens Staatschef Edward Gierek am Rande der KSZE-Konferenz in Helsinki 1975, erneut die Frage der Familienzusammenführung aufzugreifen. Es kam zur Unterzeichnung eines Ausreiseprotokolls von 1975, wonach innerhalb von vier Jahren bis zu 125.000 Personen die Ausreisegenehmigung erhalten sollten. Eine Offenhalteklausel besagte, dass auch später noch Anträge auf Aussiedlung gestellt werden durften.

Gründe für die Aussiedlung

Sucht man nach Gründen für diese Aussiedlungsbereitschaft, so spielt das bereits geschilderte Schicksal der Deutschen nach 1945 im polnischen Machtbereich sicherlich eine große Rolle. Zunächst stellt sich die Frage, warum die Betreffenden nicht bereits bei Kriegsende ihre Heimat verlassen oder zumindest schon früher eine Aussiedlung angestrebt hatten. Ein Grund dafür war die nach 1945 bei den Deutschen in den Gebieten östlich von Oder und Neiße noch lange verbreitete Hoffnung auf eine Wiedervereinigung ihrer Heimat mit dem übrigen Deutschland, die mit entsprechenden Befürchtungen der polnischen Zuwanderer einherging. Bei den Oberschlesiern kam der Rückhalt durch ein relativ geschlossenes Gebiet mit altansässiger Bevölkerung hinzu, in anderen Gebieten wie Masuren der zumindest teilweise Erhalt der alten Dorfgemeinschaft, was den Entschluss zu bleiben erleichterte.

Die Aussiedlungen der fünfziger und sechziger Jahre betrafen noch weitgehend die Deutschen außerhalb Masurens und Oberschlesiens und vorwiegend Angehörige der Mittel- und Oberschicht. Bei der verbleibenden Landbevölkerung überwog zunächst die Neigung, in der engeren Heimat zu bleiben. Je mehr mit den Jahren die Hoffnungen auf eine gewisse kulturelle Eigenständigkeit innerhalb des polnischen Staates schwanden, desto größer wurde der Wunsch zur Aussiedlung auch bei den bisher noch Unentschlossenen.

Der staatliche Polonisierungsdruck, der mit einer im Laufe der Zeit voranschreitenden sprachlichen und bewusstseinsmäßigen Assimilierung der Kinder einherging, verstärkte bei der älteren Generation die Neigung zur Aussiedlung, um die nationale Identität zu bewahren. Die jüngere Generation, vor allem die nach 1945 Geborenen, hatte dagegen kaum Probleme wegen ihrer Abstammung. Sie sprach in der Regel fließend polnisch und solidarisierte sich in der gemeinsamen Ablehnung des kommunistischen Systems mit ihren polnischen Altersgenossen. Hier war es nicht zuletzt die Erwartung beruflicher und wirtschaftlicher Vorteile, welche die Aussiedlungsbereitschaft verstärkte. Zumeist kamen aber beim Wunsch der Ausreise nach Deutschland mehrere Faktoren zusammen, wobei die Verweigerung von Minderheitenrechten vor allem im kulturellen Bereich wohl bei den meisten eine wichtige Rolle spielte.


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