Dossierbild Migration

15.3.2005 | Von:

Die "Illegalen"

Erwerbssituation "illegaler" Zuwanderer

Hilfestellungen für illegale Inlandsaufenthalte bieten vor allem die durch Migration selbst entstandenen Netzwerke, in der Regel gegliedert nach Familien- oder Herkunftsgemein-
schaften. Ohne ihre Hilfe ist ein längerer unentdeckter Inlandsaufenthalt in der Illegalität kaum möglich. Irreguläre oder illegale Arbeitswanderungen führen in die Schattenwirtschaft des stark expandierenden so genannten "informellen Sektors". Er hat Schwerpunkte im Bau- und Baunebengewerbe, in den Reinigungs- und Pflegediensten, in der Landwirtschaft und anderen ortsfesten saisonabhängigen Beschäftigungsbereichen sowie bei weiteren Ersatz- und Zusatzbeschäftigungen der verschiedensten Art.

Abendessen im AsylbewerberheimAbendessen im Asylbewerberheim (© Wolfgang Müller für Körber-Foto-Award 2003)
Am schlechtesten gestellt sind durchweg die ausländischen illegalen Arbeitskräfte: Ihre vereinbarten Löhne sind oft extrem niedrig und werden zuweilen auch nur teilweise oder zeitweise gar nicht ausbezahlt. Ihre Lage ist äußerst prekär - wenn auch nicht so sehr, wie viele "Arbeitgeber" und sie selbst glauben mögen, weil es, was zu wenig bekannt ist, im Rechtsstaat auch für illegale Arbeitnehmer Rechtsansprüche gibt. Das gilt besonders für den Anspruch auf Lohn für tatsächlich geleistete Arbeit, für Ansprüche auf Leistungen des öffentlichen Gesundheitswesens, ja selbst für Ansprüche auf Schulzugang für die Kinder. Strafbar wird z.B. humanitäre Hilfe erst dann, wenn diese Hilfe den illegalen Inlandsaufenthalt selbst ermöglicht, etwa durch die Bereitstellung von Nahrung, Wohnung, medizinischer Versorgung.

Reaktionen

Reaktionen auf die Zunahme illegaler Inlandsaufenthalte und illegaler Zuwanderung sind bislang vorwiegend Grenzsicherung in zunehmend internationaler Kooperation, die Verfolgung von Schlepperorganisationen sowie Razzien in Dienstleistungsbetrieben und besonders auf Baustellen. Sie haben hohen Symbolwert, aber nur geringen Abschreckungswert und erreichen viele andere Bereichen nicht, darunter z.B. auch die zahllosen illegalen Beschäftigungsverhältnisse in Privathaushalten - von der Reinemachefrau über die Haushälterin und die Pflegehilfe bis hin zur Anstreicherkolonne.

Außerdem gehen solche Reaktionen oft an einem Spezifikum der illegalen Migration vorbei, das man als ihren "Antwort-Charakter" umschreiben könnte: Illegale Migration kann - von der im engeren Sinne kriminellen Migration einmal abgesehen - in ihren vielfältigen und wechselnden, teils mobilen, teils auch partiell verfestigten Strukturen nur dann zureichend verstanden werden, wenn sie als soziale bzw. ökonomische "Antwort" auf Kontextbedingungen betrachtet wird; denn illegale Migration trägt ihre Ursache nicht etwa in sich selbst. Sie ist keine sich selbst erzeugende irreguläre Energie. Man ist nicht von Hause aus oder gar von Geburt an illegal. Illegalität ist vielmehr vorwiegend eine Antwort z.B. auf Zuwanderungsbegrenzungen bei starkem Zuwanderungsdruck, vor allem aufgrund von Bedingungen in den Ausgangsräumen. Es gibt sie aber auch als Antwort auf bestimmte, am Arbeitsmarkt illegal erreichbare (mitunter auch erst durch das Vorhandensein illegaler Erwerbsnachfrage entstandene) Erwerbsangebote. Und sie ist paradoxerweise immer auch eine flexible Antwort auf gegen sie selbst gerichtete staatliche Sanktionen.


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