Koffer

4.12.2012 | Von:
Bettina Gransow

Einleitung

Seit den 1980er Jahren hat mit dem wirtschaftlichen Aufschwung die Migration innerhalb Chinas erheblich zugenommen.[1] Ihr Umfang entspricht gegenwärtig einem Drittel der weltweiten Binnenmigration bzw. der Gesamtheit internationaler Migration.[2]
Marktstand mit VermietungsanzeigenMarktstand mit Vermietungsanzeigen (© Bettina Gransow )

Ausländische Direktinvestitionen und die Exportorientierung der chinesischen Wirtschaft, ein Bauboom und die Belebung des Dienstleistungssektors, all dies waren Faktoren, die eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze in den urbanen Ballungsgebieten an der chinesischen Ostküste entstehen ließen. Diese wurden zu bevorzugten Zielorten ländlicher Arbeitsmigrant/innen, die angesichts magerer Einkünfte aus der Landwirtschaft nach alternativen Einkommensquellen suchten.

Das Kurzdossier gibt eine Übersicht über zentrale Aspekte der Land-Stadt-Migration in China. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und inwiefern sie eine Chance für die ärmere Landbevölkerung Chinas bietet. Hierzu werden nach einer kurzen Einführung in den Begriff der chinesischen Binnenmigration zunächst die verschiedenen Funktionen des Meldesystems (hukou-System) diskutiert, das die institutionelle Grundlage chinesischer Land-Stadt-Migration bildet. In einem weiteren Schritt werden Charakteristika der chinesischen Binnenmigration wie spezifische Migrationsmuster, Beschäftigungsfelder, regionale und geschlechtsspezifische Besonderheiten sowie die Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen von Migranten und Migrantinnen vorgestellt. Auf dieser Grundlage wird untersucht, wie sich die chinesische Migrations- und Urbanisierungspolitik seit Beginn der chinesischen Reformpolitik in Abhängigkeit von wirtschaftspolitischen Prioritäten verändert hat und welche Auswirkungen diese Politik auf die Arbeits- und Lebensbedingungen ländlicher Arbeitsmigranten in den Städten hat. In einem Ausblick wird argumentiert, dass es zwar Strategien der Zentralregierung für eine migrationsbasierte Urbanisierung mit Chancen der Entwicklung einer breiten Mittelschicht gibt, dass aber die ökonomisch motivierten Interessen der Städte auf lokaler Ebene und die erheblichen Kosten, die sie als Folge vermehrter Zuwanderung erwarten, einer solchen Entwicklung zahlreiche Hindernisse in den Weg legen.

Dieser Text ist Teil des Kurzdossiers "Binnenmigration in China - Chance oder Falle?".

Fußnoten

1.
Von 15,2 Millionen Migrant/innen 1987 (die 1,5% der chinesischen Gesamtbevölkerung ausmachten) stieg ihre Zahl auf 221 Millionen (oder 16,5% der chinesischen Bevölkerung) im Jahre 2010 an (Major Figures 2011).
2.
Weltweit nahm die Anzahl internationaler Migrant/innen von 99,8 Millionen im Jahre 1980 auf (geschätzte) 200 Millionen im Jahre 2005 und auf 214 Millionen im Jahre 2010 zu (Koser 2007, S.5; IOM 2010, S. 29).
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