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Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

3.7.2012 | Von:
Noemi Carrel

Staatsbürgerschaft

Die Staatsbürgerschaft wird in der Schweiz an erster Stelle vererbt. Entsprechend erhalten Personen, deren Eltern über das Bürgerrecht verfügen, die Schweizer Staatsangehörigkeit (jus sanguinis). Obwohl es in der Schweiz bereits Bestrebungen zur Einführung des jus soli gab, beispielsweise zu Beginn des 20. Jahrhunderts, kam es bis heute nicht zu einer entsprechenden Gesetzesreform.

Die Geburt auf dem Schweizer Territorium berechtigt daher nicht zum Erwerb der Schweizer Staatsbürgerschaft. Ausländerinnen und Ausländer müssen ein Einbürgerungsverfahren durchlaufen. Es ist in der Schweiz in besonderem Maße durch das föderale System geprägt, denn Schweizer Bürger zu werden, setzt das Bürgerrecht einer Gemeinde, eines Kantons und die Bewilligung durch den Bund voraus.

In den ersten Jahren nach der Gründung des Schweizer Bundesstaats wurden alle Personen als Schweizer Bürger angesehen, die über das Kantonsrecht verfügten. Erst ab 1876 bedurfte die Einbürgerung einer Genehmigung durch den Bund. Seit diesem Zeitpunkt bestimmt der Bund die Mindestvoraussetzungen für eine Einbürgerung, wobei die Kantone weitere Bedingungen festlegen können. Ihre Gesetzgebung definiert darüber hinaus den Spielraum der Gemeinden bei der Vergabe des Gemeindebürgerrechts. Je nach Ausgestaltung der Einbürgerungspolitik der jeweiligen Gemeinde und des Kantons ergeben sich daher unterschiedliche Bedingungen zur Erlangung des Bürgerrechts. Das dreistufige Einbürgerungsverfahren bildet bis heute die Basis der ordentlichen Einbürgerung und führt zu beträchtlichen regionalen Unterschieden.

Das Bürgerrechtsgesetz von 1952 (BüG) führte hohe Mindestvoraussetzungen zur Einbürgerung ein. Dieses Gesetz ist mit verschiedenen Anpassungen noch immer in Kraft und regelt Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts. Das Gesetz unterscheidet dabei zwischen der ordentlichen Einbürgerung, der erleichterten Einbürgerung und der Wiedereinbürgerung. Eine ordentliche Einbürgerung setzt u.a. voraus, dass die Person in die schweizerischen Verhältnisse eingegliedert und mit den schweizerischen Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuchen vertraut ist. Außerdem gilt eine Mindestwohnsitzfrist von 12 Jahren, wobei die Zeit zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr doppelt angerechnet wird. Anders als im 19. Jahrhundert gilt die Einbürgerung nicht mehr als Ausgangspunkt, sondern als krönender Abschluss einer erfolgreichen Integration.[1]

Ein vereinfachtes Verfahren gilt bei der sogenannten erleichterten Einbürgerung oder einer Wiedereinbürgerung. Von der Wiedereinbürgerung machten insbesondere Frauen Gebrauch, die das Schweizer Bürgerrecht durch eine Heirat mit einem ausländischen Mann verloren hatten.[2] Erst seit Inkrafttreten des Bürgerrechtsgesetzes von 1952 können sie dieses im genannten Fall behalten. Von der erleichterten Einbürgerung profitieren seit 1952 Kinder, deren Mütter durch eine Heirat mit einem Ausländer die Schweizer Staatsbürgerschaft verloren haben. Erst die Gesetzesrevision von 1992 führte die erleichterte Einbürgerung für Ehepartner von Schweizerinnen und Schweizern ein. Seither ist außerdem das Doppelbürgerrecht ohne Einschränkungen erlaubt. Bestrebungen zur Einführung einer vereinfachten Einbürgerung für die 2. und 3. Ausländergeneration sind bislang gescheitert.[3]

Im Vergleich zu anderen Staaten verzeichnet die Schweiz allgemein eine geringe Zahl an Einbürgerungen. Im letzten Jahrzehnt stieg diese jedoch an, von 28.700 Einbürgerungen im Jahr 2000 auf einen Höchststand von 46.711 Einbürgerungen 2006. Mit 39.314 Einbürgerungen im Jahr 2010 blieb die Einbürgerungszahl für schweizerische Verhältnisse auf einem hohen Niveau.[4]

Fußnoten

1.
Arlettaz/Burkart (1990), D'Amato (2001), Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen EKM.
2.
Im Falle der Heirat eines Schweizer Mannes mit einer ausländischen Frau wurde diese automatisch eingebürgert. Dies ist mit der Gesetzesrevision von 1992 nicht mehr der Fall.
3.
Achermann et al. (2010), Arlettaz/Burkart (1990), Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen EKM.
4.
Bundesamt für Statistik BFS: Statistisches Lexikon der Schweiz, Bundesamt für Statistik BFS (2010), Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen EKM.

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