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Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.9.2010 | Von:

Eine zunehmend heterogene Gesellschaft

2006/2007 verzeichneten die Einbürgerungszahlen einen Rekord (136 256), bevor 2007 einige Änderungen am Staatsbürgerschaftsgesetz vorgenommen wurden. Diese Änderungen betrafen die Verlängerung der Mindestaufenthaltsdauer und die Einführung eines Staatsbürgerschaftstests. Letzterer war umstritten, aber im Einführungsjahr bestanden 95% der Teilnehmenden den Test.IntegrationBis in die späten 60er Jahre verfolgte die australische Regierung eine Assimilationspolitik, die vornehmlich darauf zielte, Einwanderern eine angebliche "Mehrheitskultur" nahe zu bringen, die hauptsächlich britisch, christlich und nordeuropäisch geprägt war. Dies begann sich jedoch im Zuge der massiven nicht-britischen Zuwanderung aus Europa in den 1950er Jahren zu ändern, und in den 1970er Jahren machte sich die australische Regierung dann eine multikulturelle Politik zu eigen. Der Galbally-Bericht von 1978 [2] legte die Leitlinien für den australischen Multikulturalismus fest, die größtenteils noch heute gelten, wenn sie auch in unterschiedlichem Maß von den nachfolgenden Regierungen beherzigt wurden [3]:
  • Für alle Mitglieder der australischen Gesellschaft muss Chancengleichheit für die Ausschöpfung persönlicher Potentiale und gleicher Zugang zu allen Programmen und Dienstleistungen gewährleistet sein.
  • Jede Person sollte ihre Kultur ohne Vorurteil und Benachteiligung behalten dürfen und sollte ermutigt werden, anderen Kulturen offen und verständnisvoll zu begegnen.
  • Den Bedürfnissen der Migranten sollte mit Programmen und Diensten Rechnung getragen werden, die der gesamten Gesellschaft offen stehen. Jedoch sind momentan spezielle Programme und Dienste erforderlich, um Zugangs- und Versorgungsgleichheit sicher zu stellen.
  • Dienste und Programme sollten in enger Absprache mit der Zielgruppe entwickelt und durchgeführt, und Hilfe zur Selbsthilfe sollte weitestgehend gefördert werden.
Das Ausmaß, mit dem diese Prinzipien befolgt wurden, war in den letzten drei Jahrzehnten sehr unterschiedlich, und es gab diesbezüglich erhebliche Kontroversen, vornehmlich während der konservativen Regierungszeit zwischen 1996 und 2007. War die Zuwanderung und offizielle multikulturelle Politik auch heftig umstritten, blieb die Kritik doch die Meinung einer Minderheit, denn es gab einen wachsenden öffentlichen Konsens darüber, dass sich Einwanderung letztlich positiv auf Australien auswirke. Während 1993 noch 67% der Australier der Meinung waren, "die Anzahl der Migranten sei bei weitem zu hoch", verringerte sich ihr Anteil bis 2004 um 29,7%, nahm dann allerdings bis 2007 erneut wieder zu. [4] Einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter 6 088 Südaustraliern in städtischen und ländlichen Gebieten zufolge waren 87,7% der Überzeugung, kulturelle Vielfalt wirke sich positiv auf die Gesellschaft aus. [5]

Sowohl die zentrale als auch die einzelstaatlichen Regierungen Australiens verfügen über starke multikulturelle Strategien, Programme, Behörden und Institutionen. Ein von der multikulturellen Politik und Reflektion vernachlässigter Aspekt ist die Rolle der indigenen Völker und Kulturen, die für die nationale Vielfalt von maßgeblicher Bedeutung sind. Diese Gruppe macht etwa 2% der einheimischen Bevölkerung aus. Sie ist nach wie vor benachteiligt und aus einigen Bereichen der Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossen.

Einwanderer haben insgesamt eine geringere Erwerbsquote als im Land Geborene, obwohl einige Einwanderergruppen (z.B. die Qualifizierten) eine höhere Erwerbsquote.

Migrations- und Bevölkerungspolitik

Bevölkerungspolitische Belange waren in der Nachkriegszeit nicht weniger aktuell als heute. Auf nationaler Ebene gab es eine Reihe von Berichten, die dem Land die Perspektiven seiner alternden Bevölkerung aufzeigten. Ohne Zuwanderung werden die Altersgruppen, die innerhalb der nächsten 10 Jahre in den Arbeitsprozess eintreten, kleiner sein als jene, die ihn verlassen. Eine Kinderzulage von $ 3.000 ($ 4.000 ab dem 1. Juli 2006, aktuell $ 5.000) wurde zusammen mit anderen "familienfreundlichen" Initiativen eingeführt. Darüber hinaus ermöglicht eine Vielzahl politischer Maßnahmen der Generation der Baby-Boomer und anderen Gruppen, die bisher dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung gestanden hatten, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Einige Bundesstaaten (Südaustralien, 2004; Victoria, 2004) haben eine umfasssende Bevölkerungspolitik entwickelt. In all diesen Debatten spielten Migrationsangelegenheiten eine herausragende Rolle. Prognosen zufolge gehört Australien höchstwahrscheinlich zu den Ländern, die den Klimawandel zu spüren bekommen werden. Das hat die aktuelle nationale Debatte über ökologische Engpässe (z.B. beim Wasser) für eine wachsende Bevölkerung noch mehr angeheizt. Angesichts einer Zuwanderung, die mittlerweile mehr als die Hälfte des Bevölkerungswachstums ausmacht, wird die "Bevölkerungs-Umweltdebatte" zur Migrations-Umweltdebatte.

Fußnoten

2.
Galbally (1978).
3.
Jupp (2002: 87).
4.
Betts (2008:20).
5.
Government of South Australia (2008).

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