Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.8.2008 | Von:
David Fitzgerald

Hintergrundinformationen

Mexiko ist sowohl von Zuwanderung und Transmigration – vor allem von Mittelamerika ausgehend in die USA – betroffen, als auch von Abwanderung, zumeist in die USA. Während des vergangenen Jahrhunderts war die Abwanderung am stärksten, dennoch haben alle drei Migrationsformen Spuren hinterlassen.

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Historische Entwicklung

Zuwanderung

Während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat Mexiko, wie zahlreiche andere Länder in der westlichen Hemisphäre auch, um Einwanderer aus Europa geworben. Aufgrund der politischen Instabilität Mexikos und attraktiveren Alternativen in den USA, in Argentinien und Kanada kamen jedoch nur wenige Zuwanderer von jenseits des Ozeans. Gerade einmal ein halbes Prozent der europäischen Auswanderer im späten 19. Jahrhundert siedelte sich in Mexiko an.

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Info

Mexiko

Hauptstadt: Mexiko-Stadt
Sprachen: Spanisch
Fläche: 1.972.550 km2
Bevölkerung (2007): 108,7 Mio. (CIA Factbook)
Bevölkerungsdichte (2005): 54,5 Einwohner pro km2
Bevölkerungswachstum (2006): 0,89% (OECD)
Erwerbsbevölkerung (2007): 42% (CIA Factbook)
Anteil der ausländischen Bevölkerung (2000): 0,5% (INEGI)
Arbeitslosenquote (2007): 3,7% (CIA Factbook)
Religionen (2000): Römisch-katholisch 76,5%, protestantisch 6,3%, keine Angabe 13,8%, andere/keine 3,4% (INEGI)
Nach den Misserfolgen im Werben um Europäer bemühte sich das Land im späten 19. Jahrhundert um chinesische Zuwanderer. Als die USA jedoch in den 1920er Jahren die Grenzen für nicht-europäische Zuwanderer schlossen, folgte Mexiko diesem Beispiel und beschränkte die Einreisemöglichkeit auf Zuwanderer aus Asien, aus dem Mittleren Osten und aus Osteuropa. Dies geschah im Zuge einer rassistischen Gegenbewegung gegen die postrevolutionäre Vision von Mexiko als Mestizennation, hervorgegangen aus Spaniern und indigener Bevölkerung. Der Anteil der im Ausland geborenen mexikanischen Bevölkerung wuchs von 0,4 % im Jahr 1900 auf 1 % im Jahr 1930, ist seitdem aber kontinuierlich auf 0,5 % im Jahr 2000 gefallen.

Abwanderung

Eroberung im 19. Jahrhundert
Die Wanderungsbewegungen von Mexiko in die USA stellen "gegenwärtig den größten andauernden Strom von Arbeitsmigranten der Welt" dar. [1] Mexiko teilt mit den USA eine 3.200 km lange Grenze. Eine derartig lange Grenze lässt sich kaum durchgehend kontrollieren und bietet somit zahlreiche Schlupflöcher, die eine massive mexikanische Migration begünstigen. Nur wenige Migranten stammen jedoch aus der Grenzregion; die meisten kommen aus Staaten, die Hunderte Kilometer entfernt im Süden liegen. So erstrecken sich rund 2.300 Kilometer Autobahn zwischen der Stadt Tijuana an der nordwestlichen Grenze zu Kalifornien und Guadalajara im Herzen der Hauptauswanderungsregion im Westlichen Hochland Mexikos.

Militärische und wirtschaftliche Interventionen sowie direkte Anwerbungen von Seiten der USA, aber auch Unruhen in Mexiko waren in der Vergangenheit auslösende Faktoren für die Abwanderung in die USA.

Durch die Abspaltung von Texas 1836 und den Vertrag von Guadalupe Hildago von 1848, durch den ein zwei Jahre währender Krieg zwischen den USA und Mexiko beendet wurde, verlor Mexiko mehr als die Hälfte seines Territoriums. Rund 80.000 Mexikaner lebten zu jener Zeit in den nördlichen Gebieten. Wie es die damaligen Zuwanderer treffend ausdrückten, überquerten nicht sie die Grenze, sondern die Grenze überquerte sie.

Die meisten Mexikaner in den USA sind jedoch erst während des 20. Jahrhunderts eingewandert bzw. stammen von Zugewanderten aus diesem Zeitraum ab. Demografische Untersuchungen gehen davon aus, dass die mexikanischstämmige Bevölkerung in den USA ohne die Zuwanderung aus Mexiko während des 20. Jahrhunderts nur etwa 14 % ihrer jetzigen Größe betragen würde. [2]

Fußnoten

1.
Massey u. a. (1998): 73.
2.
Bean und Stevens (2003): 53.

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