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Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.8.2008 | Von:
David Fitzgerald

Emigration

Eines der ungewöhnlichsten Merkmale der mexikanischen Migration ist die Konzentration von 98 % der Auswanderer an einem Zielort – den USA.

Mexikanische Emigranten in den USA als Prozentsatz der mexikanischen Bevölkerung, 1900-2005Mexikanische Emigranten in den USA als Prozentsatz der mexikanischen Bevölkerung, 1900-2005 Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)
Kontakt zum nördlichen Nachbarn besteht in sehr hohem Ausmaß: Ein Viertel der mexikanischen Erwachsenen hat die USA besucht oder dort gelebt, 60 % haben Verwandte, die dort leben. Rund 11 Millionen Mexikaner – etwa 11 % der mexikanischen Bevölkerung – lebten 2005 in den USA. Und jedes Jahr werden es schätzungsweise 400.000 mehr.

Mexikaner stellen die bei weitem größte nationale Gruppe unter den Zuwanderern in den USA. In Mexiko Geborene machten 2002 30 % der im Ausland geborenen US-Bevölkerung aus und sie stellten 21 % der regulär und geschätzte 57 % der irregulär Zugewanderten. [1] Mittlerweile leben einschließlich der in den USA geborenen Nachfahren mexikanischer Zuwanderer insgesamt 25 Millionen Menschen mexikanischer Abstammung in den USA – das entspricht 8,7 % der US-Bevölkerung. [2]

"Mexikaner" in den USA nach Geburtsort, 1900-2000"Mexikaner" in den USA nach Geburtsort, 1900-2000 Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)

Veränderungen im Migrationsmuster in jüngerer Vergangenheit

In den letzten Jahren lässt sich für die Abwanderung von Mexiko in die USA ein differenzierteres Muster verzeichnen, sowohl hinsichtlich der regionalen Herkunft aus Mexiko wie auch der Verbreitung in den USA und der Aufenthaltsdauer.

Diversifizierung innerhalb Mexikos
Das Westliche Hochland in Mexiko ist im vergangenen Jahrhundert Hauptausgangspunkt der Abwanderung gewesen. Noch 2003 stammte ein Drittel der Mexikaner in den USA aus drei aneinandergrenzenden Bundesstaaten: Jalisco, Michoacán und Guanajuato. [3] In prozentualen Anteilen verzeichnen die Staaten Zacatecas, Guanajuato, Michoacán, Nayarit und Durango in derselben Region die stärksten Abwanderungsbewegungen. [4] Seit den 1990er Jahren ist jedoch Mexiko als Ganzes von der Auswanderung betroffen. Wie die Volkszählung aus dem Jahr 2000 ergab, verzeichneten 96 % der 2.443 municipios (Verwaltungsbezirke) des Landes Abwanderung oder den Empfang von Rücküberweisungen von Emigranten. Der Anteil des Südens sowie der Region um Mexico City an den mexikanischen Auswandererzahlen ist von 22 % im Jahr 1990 auf 30 % im Jahr 2005 angestiegen. Erstmals stellt auch der östliche Bundesstaat Veracruz am Golf von Mexiko eine wichtige Herkunftsregion dar. [5]

Verbreitung in den USA
Die mexikanischstämmige Bevölkerung in den Vereinigten Staaten verstreut sich zunehmend über das gesamte Land. Lebten noch 1990 89 % der mexikanischen Zuwanderer in den Bundesstaaten Kalifornien, Texas, Illinois und Arizona, fiel diese Zahl bis 2002 auf 72 %. [6] Wenngleich Kalifornien mit 42,8 % der mexikanischstämmigen Bevölkerung auch weiterhin der wichtigste Zielort bleibt, haben sich der Südosten und New York zu bedeutenden Zielregionen entwickelt. Georgia, Florida und North Carolina gehören nun zu den zehn häufigsten Zielen. [7] Hohe Lebenshaltungskosten in den herkömmlichen Migrationszielen und die Aussicht auf Arbeit in der Geflügel- und Fleischindustrie des Mittleren Westens und des Südostens, in der Leichtindustrie und auf dem Bau treiben die Zerstreuung voran. Wenngleich die Löhne in Kalifornien höher sind als im Südosten und Mittleren Westen, verliert Kalifornien durch hohe Wohnkosten und einen gesättigten Arbeitsmarkt für niedrig qualifizierte Arbeitskräfte an Attraktivität.

Fußnoten

1.
Aufgrund der strafrechtlichen Relevanz ist es nahezu unmöglich, genaue Zahlen über irreguläre Migration zu ermitteln. Demografische Erhebungen haben aber mit Hilfe der "Residualmethode" Schätzungen ermittelt, die die meisten Wissenschaftler für glaubwürdig halten. Hierbei wird die Zahl der bekannten legalen Migranten von der Zahl der gesamten ausländischen Bevölkerung aus Daten von Volkszählungen und Regierungserhebungen abgezogen (wobei Anpassungen für Tod, Emigration und andere Faktoren vorgenommen werden). Das "Residuum" ist die wahrscheinliche irreguläre Bevölkerung.
2.
Zogby und Rubio (2006); IFE (2000); http://www.migrationinformation.org/; http://www.conapo.gob.mx; http://www.census.gov/
3.
http://www.migrationinformation.org/
4.
http://www.conapo.gob.mx/publicaciones/migra4.htm
5.
http://www.conapo.gob.mx
6.
http://www.migrationinformation.org/
7.
http://www.migrationinformation.org/

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