Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.9.2007 | Von:
István Horváth

Zuwanderung und Auswanderung seit 1990

Direkt nach dem Fall des kommunistischen Regimes wurden die Ausgabe von Reisepässen und internationale Reisen zunächst deutlich liberalisiert. Dennoch ergriff man auch in den 1990er Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends einige Maßnahmen, um bestimmte Reisevorhaben zu unterbinden (etwa die Auswanderung "auf gut Glück" mit begrenzten finanziellen Mitteln).

Institutionelle und rechtliche Entwicklungen

So wurden Gebühren für Grenzübertritte erhoben und Ausreisende mussten nachweisen, dass sie über bestimmte Geldbeträge verfügten. Keine dieser Maßnahmen hat jedoch die Reisefreiheit der rumänischen Bürger erheblich eingeschränkt.

Gegen Ende der 1990er Jahre begann Rumänien wie andere Staaten auch, eine Reihe von Maßnahmen zur Regulierung der internationalen Mobilität von Arbeitskräften zu ergreifen (sowohl für zuwandernde als auch auswandernde). Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war die Schaffung einer entsprechenden Aufsichtsbehörde im Jahr 2002 (Amt für Arbeitsmigration). Diese Behörde ist verantwortlich sowohl für die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte als auch für die Bereitstellung von Informationen bzw. für die Beratung von Rumänen, die im Ausland arbeiten möchten. Sie ist außerdem aktiv im Bereich der Anwerbung und der Stellenvermittlung. Zu diesem Zweck hat Rumänien bilaterale Abkommen über die Migration von Arbeitskräften geschlossen (in einigen Fällen wurden auch Verträge mit privaten Jobagenturen geschlossen). Auch wenn einige private Firmen eine aktive Anwerbung von Arbeitskräften und Stellenvermittlung betreiben, organisiert das Amt für Arbeitsmigration den Großteil der Stellenvermittlung ins Ausland. 2006 konnte 53.029 rumänischen Arbeitskräften eine Stelle im Ausland vermittelt werden (das entspricht einer Steigerung von 137 % gegenüber 2002), hauptsächlich Saisonarbeit in Deutschland (dem Hauptziel für diese Form der Migration) sowie Spanien und Ungarn. Demgegenüber vermittelten private Agenturen nur 14.742 Stellen, viele davon an Studierende als Sommerjobs in den USA. [1]

Im Jahr 2004 entwickelten die rumänischen Behörden mit dem Nationalen Migrationsplan einen neuen Ansatz für die Einwanderung. Vorrangiges Ziel dieser Initiative ist es, einen in sich schlüssigen Rahmen für Arbeitsmigration, Asylanträge und Einbürgerungsverfahren herzustellen. Darüber hinaus soll der Nationale Migrationsplan Institutionen, die für Zuwanderung, Asylverfahren und Integration zuständig sind, besser miteinander vernetzen. Dadurch soll unter anderem die Zuwanderung kontrolliert und gelenkt werden, irreguläre Zuwanderung bekämpft und verhindert, der Schutz für gefährdete Migranten und Migrantinnen verbessert und die gesellschaftliche Integration von Zugewanderten erleichtert werden. Wie effektiv dieser Rahmen ist, wird sich letztlich erst zeigen, wenn (bzw. falls) – wie von den Behörden erwartet – die Zuwanderung nach Rumänien zunimmt.

Auswanderung

In den ersten drei Jahren nach dem Fall des Kommunismus sind 170.000 Menschen legal aus Rumänien ausgewandert. 1990 hatte diese Abwanderung mit 96.929 Menschen ihren Höhepunkt. Sie resultierte aus der neuen Reisefreiheit und den turbulenten wirtschaftlichen und politischen Zuständen im Land.

Wiederum waren ethnische Minderheiten (insbesondere Deutsche und Ungarn) bei den Auswanderern überrepräsentiert. Unter den knapp 97.000 Auswanderern im Jahr 1990 befanden sich allein 60.000 Deutsche. In diesem Fall war die Ausreise durch die Aussiedlerpolitik der Bundesrepublik Deutschland gegenüber ethnischen Deutschen gefördert worden. Dennoch war die Emigration in dieser Zeit hauptsächlich wirtschaftlich motiviert. Zu Beginn der 1990er Jahre waren es vor allem hochqualifizierte junge Leute, die in verschiedenen europäischen Staaten sowie in den USA und Kanada langfristigen, legalen Aufenthaltsstatus erhielten. Danach bemühten sich zunehmend ungelernte oder nur schlecht ausgebildete Arbeitskräfte aus den ländlichen Gegenden um (zumeist vorübergehende) Ausreise.

Während der Umstellung und Neustrukturierung der rumänischen Wirtschaft (die ungefähr von 1990 bis 2002 andauerte), nahm die erwerbstätige Bevölkerung um 44 % ab. Mehr als 3,5 Millionen Stellen wurden abgebaut, vor allem in der Industrie, wo die Zahl der Stellen um die Hälfte abnahm. Dadurch sah sich eine beträchtliche Zahl von Rumänen gezwungen, ins Ausland zu gehen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. In den vergangenen 17 Jahren haben sich die Zielländer für Arbeitsmigration aus Rumänien erheblich geändert, es können jedoch drei unterschiedliche Phasen festgestellt werden. [2] In der ersten Phase (zwischen 1990 und 1995), als der Zugang zu verschiedenen westeuropäischen Staaten noch äußerst beschränkt war, gingen die rumänischen Arbeitskräfte hauptsächlich nach Israel, in die Türkei, nach Ungarn (zumeist Ungarischstämmige) und Deutschland. Während der zweiten Phase (1996-2002) zog es die Auswanderer eher nach Westen, vor allem nach Italien, zunehmend auch nach Spanien. Die dritte Phase der Arbeitsmigration wurde am 1. Januar 2002 symbolisch eingeläutet, als durch den Beitritt Rumäniens zum Abkommen von Schengen für rumänische Staatsbürger die Visapflicht in den Mitgliedstaaten entfiel. Ziele sind seitdem vor allem Italien, Spanien, Portugal und Großbritannien. Es bleibt abzuwarten, inwiefern Rumäniens Beitritt zur Europäischen Union (am 1. Januar 2007) auf die Zahlen der Abwanderungen oder die Bestimmungsländer der Arbeitsmigration Auswirkungen haben wird. Wichtig ist hierbei, dass nur zehn EU-Mitgliedstaaten [3] rumänischen Arbeitskräften uneingeschränkten Zugang zu ihren jeweiligen Arbeitsmärkten geschaffen haben. Alle anderen haben Übergangsvereinbarungen getroffen, durch die rumänische Arbeitskräfte (für zwei bis sieben Jahre) von den jeweiligen Arbeitsmärkten ferngehalten werden. Dennoch geht man davon aus, dass Mitte 2007 rund 3,4 Millionen Rumänen im Ausland beschäftigt waren, davon nur 1,2 Millionen legal. [4]

Fußnoten

1.
Siehe MMSSF (2007a).
2.
Siehe Lazaroiu (2004) und Sandu (2006).
3.
Diese sind: Bulgarien, Tschechien, Zypern, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien und Schweden.
4.
Tudorica, I. und Lucian, D. (2007): "Trei milioane de romani muncesc in strainatate." Cotidianul, 18. Juni.

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