Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.9.2007 | Von:

Zuwanderung und Auswanderung seit 1990

Zuwanderung

Zu Beginn der 1990er Jahre war die Zuwanderung nach Rumänien noch relativ mäßig. Zuwanderer in dieser Zeit waren zumeist Unternehmer, insbesondere aus der Türkei, aus dem Mittleren Osten (Syrien, Jordanien) und aus China. [5] Bis 1996 wurden nur einige hundert Arbeitsgenehmigungen an Ausländer ausgestellt; Ende 2000 war diese Zahl auf 1.580 angestiegen. [6] Seitdem hat die Zahl der Arbeitsgenehmigungen für ausländische Arbeitskräfte deutlich zugenommen, von 3.678 im Jahr 2005 auf 7.993 bis Ende 2006. [7]

Der Zuwachs an ausländischen Arbeitskräften wird dem Erstarken der rumänischen Wirtschaft zugeschrieben, ebenso wie der Öffnung des Arbeitsmarktes im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt. Seit 2004 expandiert der rumänische Arbeitsmarkt und im Jahr 2006 kam es in bestimmten Sektoren sogar zu Arbeitskräftemangel (z. B. in der Bekleidungsindustrie und im Baugewerbe). Unter diesen Umständen haben Unternehmen begonnen, ausländische Arbeitskräfte ins Land zu holen.

Die fünf wichtigsten Herkunftsländer temporärer ausländischer Arbeitskräfte in Rumänien
Jahr
Land20052006
1. Türkei1.4811.721
2. China5291.129
3. Frankreich155310
4. Deutschland55200
Quelle: Ministerul Internelor si reformei Administrative (MIRA) (2007)

Im Jahr 2006 waren die wichtigsten Herkunftsländer ausländischer Arbeitskräfte die Türkei und China. Insgesamt 82 % der ausländischen Arbeitnehmerschaft in Rumänien ist männlich und 63 % in Bukarest und Umgebung registriert. Unter der Voraussetzung, dass der Arbeitsmarkt weiterhin wie erwartet wächst (bei gleichzeitiger Alterung der rumänischen Bevölkerung), wird ein Anstieg der ausländischen Arbeitskräfte auf 200.000 bis 300.000 in den Jahren 2013 bis 2015 erwartet. [8]

Für die Zukunft gehen die rumänischen Behörden somit von einem erheblichen Anstieg der Zuwanderung aus. Zwischen 2007 und 2010 sollen schätzungsweise 15.000 bis 18.000 Menschen jährlich nach Rumänien zuwandern. Diese Vorhersagen basieren auf dem letztjährigen, zwar langsamen, aber stetigen Zuwachs an ausländischen Einwohnern in Rumänien. Allein während der letzten beiden Jahre ist die Gesamtzahl der ausländischen Einwohnern 45.900 im Jahr 2005 auf 48.200 im Jahr 2006 gestiegen. [9]

Zuwanderung aus der Republik Moldau

Zuwanderer gesamt und Zuwanderer aus der Republik Moldau, 1991-2005Zuwanderer gesamt und Zuwanderer aus der Republik Moldau, 1991-2005 Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)
Ausgehend von der zweiten Hälfte der 1990er Jahre nahm die Zuwanderung aus der benachbarten Republik Moldau erheblich zu. Aufgrund der historischen Verbundenheit [10] der beiden Staaten wurde die Freizügigkeit zwischen den beiden Staaten seit 1991 durch das rumänische Staatsbürgerschaftsgesetz deutlich ausgeweitet. In diesem Gesetz wird die Zuwanderung von Moldauern praktisch als Wiedereinbürgerung definiert, so dass Nachfahren ehemaliger rumänischer Staatsangehöriger "die rumänische Staatsbürgerschaft auf Antrag wiedererwerben können, auch wenn sie derzeit eine andere Staatsbürgerschaft innehaben und sich nicht in Rumänien niederlassen". [11] Während der 1990er Jahre haben schätzungsweise mehr als 250.000 Moldauer allein auf Grundlage dieses Gesetzes die rumänische Staatsbürgerschaft erhalten. [12] So gesehen dürften die Zahlen in der Abbildung hinsichtlich der Einwanderung aus der Republik Moldau noch zu gering veranschlagt sein, da viele Menschen bereits als rumänische Staatsbürger einreisten (und somit nicht in den Einwanderungsstatistiken geführt werden).

Die Zuwanderung aus der Republik Moldau dürfte ihr Ende noch nicht erreicht haben; eine Fortsetzung dieser Migrationsbewegung, sogar ihr Anwachsen, kann nicht ausgeschlossen werden. Im Hinblick auf den EU-Beitritt hat Rumänien verbindliche Visa für moldauische Staatsbürger eingeführt, wodurch die Anträge von Moldauern auf die rumänische Staatsbürgerschaft noch einmal erheblich zugenommen haben. Nach jüngsten Berichten haben sich seit Anfang des Jahres 2007 rund 500.000 moldauische Staatsbürger (einschließlich der zugehörigen Kinder sogar rund 800.000 Personen) um die rumänische Staatsbürgerschaft beworben. Bis Ende des Jahres wird ein Anstieg auf 1,8 Millionen prognostiziert. Diese Werte sind außergewöhnlich hoch, zieht man in Betracht, dass die Republik Moldau gerade einmal über eine Gesamteinwohnerzahl von 3,8 Millionen verfügt. [13]

Fußnoten

5.
Siehe Lăzăroiu(2004).
6.
Siehe SOPEMI (2003).
7.
Siehe MMSSF (2007b).
8.
Siehe MIRA (2007).
9.
Siehe MIRA (2007).
10.
Von 1812 bis 1918 galten die Einwohner Moldaus als Staatsbürger des russischen Reiches. Zwischen den beiden Weltkriegen wurden sie zu rumänischen Staatsbürgern. Aufgrund der historischen und sprachlichen Verbindungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen sind viele Rumänen der Meinung, die rumänischsprachigen Moldauer seien als Teil der rumänischen Nation zu betrachten. Dieser Standpunkt wird von den meisten Mitgliedern der moldauischen Elite nicht geteilt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Moldau zu einem unabhängigen Staat. Zeitgleich setzte Rumänien einen Prozess in Gang, der eine Vertiefung der Beziehungen beider Länder zum Ziel hatte (als potenziell erster Schritt auf dem Weg zu einer Wiedervereinigung). Im Zuge dieses Prozesses kam es unter anderem zu einer Erleichterung der Personenfreizügigkeit zwischen beiden Ländern.
11.
Siehe Iordachi (2003): 29.
12.
Siehe Iordachi (2003).
13.
Siehe Ciobanu, C. (2007): "Un milion de moldovenii vor cetatenia româna." Cotidianul, 5. Februar. Bucharest.

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