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7.5.2012

USA: Rückgang der Zuwanderung aus Mexiko

Die mexikanische Zuwanderung in die Vereinigten Staaten ist in den letzten fünf Jahren stark zurückgegangen. Dies geht aus einer Ende April veröffentlichten Studie des Pew Hispanic Center hervor. Unterdessen ist der Umgang mit Zuwanderern weiterhin ein wichtiges Thema im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Zum ersten Mal seit vier Jahrzehnten wandern mehr Mexikaner in ihr Herkunftsland zurück als Neuzuwanderer aus Mexiko in die USA einreisen. Zwischen 2005 und 2010 kamen 1,37 Mio. Mexikaner in die Vereinigten Staaten – mit und ohne legalen Aufenthaltsstatus. Im Vergleichszeitraum 1995 bis 2000 waren es noch mehr als doppelt so viele (3 Mio.). Gleichzeitig stieg die Zahl der Rückkehrer um mehr als das Doppelte auf 1,39 Mio. Mexikaner (1995-2000: 670.000). Somit war zwischen 2005 und 2010 insgesamt ein Stillstand bei der Einwanderung aus Mexiko zu verzeichnen.

Zudem sank die Zahl derjenigen Zuwanderer in den USA, die in Mexiko geboren sind, vom 2007 erreichten Höchststand (12,7 Mio.) auf knapp 12 Mio. Personen (2011). Die Studie des Pew Hispanic Center basiert auf Daten der mexikanischen und US-amerikanischen Regierungsbehörden.

Ursachen

Die Autoren der Studie sehen mehrere Gründe für diese Entwicklung. Zum einen führen sie an, dass die Grenzkontrollen kontinuierlich verschärft wurden (vgl. MuB 6/10, 5/06, 9/05) und zudem die Obama-Administration mehr Migranten als je zuvor abgeschoben hat (vgl. MuB 9/11, 3/10). Gleichzeitig sanken die Anreize für eine Einwanderung in die Vereinigten Staaten. Infolge der Immobilienkrise von 2007 und der darauf folgenden Wirtschaftskrise sind in vielen Branchen Arbeitsplätze weggefallen, vor allem in der Baubranche, in der viele Migranten Arbeit gefunden hatten (vgl. MuB 9/10). In Mexiko hingegen ist der Lebensstandard angesichts anhaltenden Wirtschaftswachstums gestiegen. Auch habe die sinkende Geburtenrate in Mexiko dazu beigetragen, dass der Druck auf dem mexikanischen Arbeitsmarkt nachgelassen hat. 2009 betrug die Geburtenrate pro Frau im gebärfähigen Alter 2,4 Kinder (1960: 7,3; 1980: 4,7; 2000: 2,6 Kinder).

Debatte

Die Veröffentlichung der Pew-Studie erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem erneut der Umgang mit undokumentierten Zuwanderern öffentlich diskutiert wurde. Ende April nahm der Oberste Gerichtshof der USA (Supreme Court) die Verhandlung über das umstrittene Landesgesetz S.B. 1070 aus Arizona auf (vgl. MuB 7/10, 6/10, 5/10, 4/10). Das Anti-Einwanderungs-Gesetz spielt, wie auch ähnliche Gesetze anderer Bundesstaaten, eine wichtige Rolle im Wahlkampf zu den im November stattfindenden Präsidentschaftswahlen (vgl. MuB 6/11, 3/11). Sowohl Republikaner als auch Demokraten versuchen, möglichst viele Stimmen aus der hispanoamerikanischen Bevölkerung (rund 16 % der Gesamtbevölkerung) zu gewinnen, setzen dabei jedoch unterschiedliche Akzente (vgl. MuB 1/12).

Kandidaten

Präsident Barack Obama (Demokraten) kündigte Mitte April an, dass er im Falle seiner Wiederwahl bereits im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit die seit Langem versprochene umfassende Einwanderungsreform vorantreiben würde (vgl. MuB 6/10, 4/09). Er gab jedoch zu bedenken, dass er dafür auch Unterstützung im derzeit von den Republikanern dominierten Kongress benötige. Bei den Wahlen am 6. November wird auch die Zusammensetzung des Repräsentantenhauses und des Senats neu bestimmt. Zudem bezeichnete Obama seinen voraussichtlichen Herausforderer, den Republikaner Mitt Romney, als "Extremisten" in der Migrationspolitik. Romney und die Republikaner propagieren einerseits eine Politik der "harten Hand" gegenüber undokumentierten Migranten, um traditionelle Wählergruppen und Anhänger der rechtskonservativen Tea-Party-Bewegung einzubinden. Andererseits versuchen sie eine Annäherung an die Hispanoamerikaner, da diese ein wachsendes Wählerpotenzial darstellen (vgl. MuB 1/12, 6/04). Vor diesem Hintergrund präsentierte der republikanische Gouverneur von Florida Marco Rubio, Sohn kubanischer Einwanderer, Mitte April einen Vorschlag für eine Einwanderungsreform. Er schlägt, ebenso wie die Demokraten, eine Teilamnestie für undokumentierte Zuwanderer vor (vgl. MuB 6/10, 10/09). Im Gegensatz zu den Plänen der Demokraten ist jedoch keine Möglichkeit für einen späteren Erhalt der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft vorgesehen. Rubio gilt als potenzieller Vizepräsidentschaftskandidat der Republikaner.

Reaktionen

Sowohl Befürworter einer (Teil-)Legalisierung irregulärer Migranten als auch Verfechter einer restriktiven Linie sehen die Ergebnisse der Pew-Studie als Bestätigung ihrer Positionen. Erstere behaupten, dass sich das Thema der undokumentierten Migration von allein lösen werde. Zudem sei in bestimmten Bereichen des US-amerikanischen Arbeitsmarktes gar mit einem Mangel an Arbeitskräften zu rechnen. Die Gegenseite argumentiert, dass die Verschärfung der Grenzkontrollen sowie restriktivere Gesetze im Landesinneren Wirkung gezeigt hätten. Die Autoren der Studie warnten jedoch vor voreiligen Schlüssen. Die Ursachen für den Rückgang lägen vor allem in Mexiko. "Der massive Boom der mexikanischen Einwanderung ist vorbei, und ich glaube nicht, dass wir je zu den Zahlen zurückkehren werden, die es in den neunziger Jahren und nach dem Jahr 2000 gegeben hat", kommentierte der Migrationsforscher Douglas Massey die Ergebnisse der Studie.

Weitere Informationen

www.pewhispanic.org