Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

10.12.2012 | Von:
Vera Hanewinkel

Deutschland: Zuwanderung steigt weiter an

Nach der gesunkenen Einwanderung in den Jahren 2008 und 2009 zieht Deutschland seit 2010 wieder deutlich mehr Zuwanderer aus dem Ausland an. Dieser Trend setzt sich auch in diesem Jahr fort. Die Einwanderer bringen immer häufiger einen akademischen Abschluss mit.

Einwanderung

Der Anstieg der Einwanderung nach Deutschland hält weiter an. Bereits 2011 waren deutlich mehr Personen aus dem Ausland zugezogen als noch in den Vorjahren. Es wurde ein Wanderungssaldo von 279.000 Personen erzielt – der höchste Wert seit 1996 (vgl. Ausgabe 3/12, 1/12). Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes stieg die Zuwanderung auch im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um 15 %. Damit kamen 66.000 Personen mehr ins Land als im ersten Halbjahr 2011. Insgesamt zogen in der ersten Jahreshälfte 501.000 Personen nach Deutschland, darunter 54.000 deutsche Staatsangehörige (11 %). Im selben Zeitraum verließen 318.000 Personen die Bundesrepublik. Das waren 6 % mehr als im Vorjahreshalbjahr. Der Wanderungssaldo lag insgesamt bei 182.000 Personen (+35 %). Die Mehrzahl der Zuwanderer stammte aus EU-Ländern (306.000 Personen). Polen war mit 89.000 Einwanderern das wichtigste Herkunftsland.

Deutliche Zuwächse gab es auch bei der Zuwanderung aus den von der Finanz- und Schuldenkrise besonders stark betroffenen südeuropäischen Staaten. So stieg die Zuwanderung aus Griechenland gegenüber dem ersten Halbjahr 2011 um 78 % (+6.900 Personen). Aus Spanien (+3.900 Personen) und Portugal (+2.000 Personen) kamen jeweils 53 % mehr Zuwanderer. Die Zuwanderung aus Italien stieg um 36 % (+4.900 Personen). Allerdings sind die absoluten Zuzugszahlen aus diesen Ländern weiterhin eher gering. So zogen im ersten Halbjahr 15.700 Griechen, 13.900 Italiener, 11.000 Spanier und 3.900 Portugiesen nach Deutschland.

Die Zuwanderung aus den 2004 und 2007 der EU beigetretenen Ländern hat demgegenüber ein deutlich höheres Ausmaß. Allein aus Bulgarien und Rumänien wurden im ersten Halbjahr 2012 88.000 Zuzüge nach Deutschland registriert (+24 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum).

Auch die Zuwanderung aus anderen Weltregionen stieg gegenüber dem Vorjahr an: +5 % aus europäischen Nicht-EU-Staaten, +10 % aus Afrika, +7 % aus Asien, +2 % aus Nord- und Südamerika. Insgesamt wanderten 195.000 Menschen aus Nicht-EU-Staaten zu.

Mehr Akademiker

Nicht nur quantitativ hat die Zuwanderung nach Deutschland in den letzten Jahren zugenommen. Auch das Bildungsniveau der Zuwanderer hat sich verändert. Laut einer im November veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommen seit 2004 zunehmend mehr Akademiker nach Deutschland. Daten des Mikrozensus zeigen, dass im Jahr 2009 44 % der Neuzuwanderer einen akademischen Abschluss besaßen, gegenüber 30 % im Jahr 2005.

Gleichzeitig sank im selben Zeitraum die Zahl der Neuzuwanderer ohne abgeschlossene Berufsausbildung von 33 % auf 26 %. Die Neuzuwanderer sind damit besser qualifiziert als der Durchschnitt der bereits in Deutschland lebenden Personen mit Migrationshintergrund. Diese Ergebnisse werden auch von einer Anfang Dezember veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt (siehe Online-Ausgabe).

Der gestiegene Anteil an Akademikern unter den Zuwanderern kann auch auf die veränderte Zuwanderungspolitik Deutschlands zurückgeführt werden, die sich seit einigen Jahren verstärkt an den Bedarfen des Arbeitsmarktes ausrichtet und auf die Anwerbung von Fachkräften abzielt. Beispiele für diese Entwicklung sind die Green-Card-Regelung aus dem Jahr 2000, explizite Richtlinien zum Hochqualifiziertenzuzug im Zuwanderungsgesetz (seit 2005 in Kraft) und das im April 2012 in Kraft getretene Gesetz zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen. So können seit August Zuwanderer mit einem Hochschulabschluss, die einen Arbeitsvertrag mit einem Bruttojahresgehalt von mindestens 44.800 Euro – bzw. 34.944 Euro in sogenannten Mangelberufen – vorweisen können, eine Blue Card beantragen (vgl. Ausgabe 5/12, 4/12, 9/11).

Blue Card

In den ersten beiden Monaten nach ihrer Einführung erhielten lediglich 139 ausländische Fachkräfte eine Blue Card, 112 von ihnen lebten bereits davor in Deutschland. In vielen Zeitungsberichten wurde die Blue Card daher bereits als Flop bezeichnet. Dies erscheint nach nur zweimonatiger Laufzeit jedoch verfrüht. Von der Beantragung einer Blue Card bis hin zu ihrer Ausstellung und anschließenden Erfassung in der Statistik können mehrere Wochen vergehen.

Zudem muss im Ausland erst einmal bekannt werden, dass das deutsche Zuwanderungsrecht liberaler geworden ist. Laut Migrationsexperten wie der Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration Gunilla Fincke hänge Deutschland nach wie vor der Ruf an, Zuwanderer nicht willkommen zu heißen.

Um das Image Deutschlands zu verbessern, wurde bereits im Juni 2012 das Internetportal "Make it in Germany“ eingerichtet, das sich explizit an internationale Fachkräfte wendet und Informationen zum Leben und Arbeiten in Deutschland bereitstellt. Es ist Teil der Fachkräfteoffensive des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie der Bundesagentur für Arbeit.

Weitere Informationen:

www.destatis.de
www.make-it-in-germany.com
www.iab.de
www.fachkräfte-offensive.de
www.bluecard-eu.de

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