Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

16.9.2013 | Von:
Ulrike Pape

Deutschland: Zahl der Einbürgerungen gestiegen

Mehr als 112.300 Ausländer sind 2012 deutsche Staatsbürger geworden. Damit ist die Zahl der Einbürgerungen im vierten Jahr in Folge gestiegen. Dank Zuwanderung wächst auch die Bevölkerungszahl wieder stärker. Insgesamt leben aktuell 80,5 Millionen Menschen in Deutschland.

2012 gab es 5.400 mehr Einbürgerungen als 2011 (+ 5,1 %) und 10.800 mehr als 2010 (+ 10,6 %). Seit 2008 steigen die Zahlen kontinuierlich an, nachdem sie in Folge der Einführung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 zunächst gesunken waren – von 186.700 Einbürgerungen im Jahr 2000 auf 94.500 im Jahr 2008 (vgl. Ausgabe 6/11).

Die Liste der am häufigsten eingebürgerten Staatsangehörigen führt mit 33.200 Fällen wie in den Vorjahren die Türkei an. Dies entspricht einer Zunahme von 18 % gegenüber 2011. Danach folgen die Region Serbien, Montenegro und Kosovo (6.100 Einbürgerungen) sowie Polen (4.500) und Griechenland (4.200). Der stärkste Anstieg der Einbürgerungsanträge wurde bei griechischen, vietnamesischen und italienischen Staatsangehörigen verzeichnet (siehe Tabelle). Besonders auffällig ist der Anstieg der Einbürgerungen von Italienern und Griechen. Staatsbürger aus den Mitgliedsländern der EU haben traditionell wenig Interesse an einer zweiten Staatsangehörigkeit, da es für sie weniger Nutzen bringt, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben, als dies bei vielen Personen aus Drittstaaten der Fall ist.

Allerdings beantragten nur 2,4 % aller Ausländer, die seit mindestens zehn Jahren in Deutschland leben und alle Voraussetzungen zum Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit erfüllen, in 2012 eine Einbürgerung. Als das Statistische Bundesamt im Jahr 2000 anfing, das so genannte „ausgeschöpfte Einbürgerungspotenzial“ zu berechnen, betrug es noch 4,85 %. Am stärksten schöpften 2012 Bürger aus den Drittstaaten Kamerun (26,5 %), Nigeria (12,5 %) und Irak (12,2 %) ihr Einbürgerungspotenzial aus.

Die Bundesländer, die die meisten Einbürgerungen verzeichneten, waren Baden-Württemberg (16.390 Einbürgerungen, + 15,2 %) und Hessen (14.570, + 12,8 %). Rückläufig waren die Zahlen dagegen in Berlin (6.400, – 8,1 %) und in Brandenburg (460, – 40,8 %).

Bevölkerung wächst

Wie das Statistische Bundesamt ebenfalls Ende August mitteilte, ist die Bevölkerungszahl dank des starken Zuzugs aus dem Ausland 2012 deutlich gestiegen. 2012 kamen rund 370.000 Menschen mehr nach Deutschland als ins Ausland fortzogen. Obwohl es mehr Sterbefälle als Geburten gab (vgl. Ausgabe 6/13), wuchs die Bevölkerung auf 80,5 Millionen Einwohner (+ 0,2 %). Der Zensus 2011 hatte eine Bevölkerungszahl von 80,1 Mio. Einwohnern ermittelt, das waren rund 1,5 Mio. weniger als bis dahin angenommen (vgl. Ausgabe 5/13).

Die Bevölkerungszahl entwickelte sich regional jedoch sehr unterschiedlich. Während sie in den neuen Bundesländern und im Saarland rückläufig war, stieg sie in den anderen Bundesländern an oder blieb gleich. Besonders hoch fiel der Bevölkerungsrückgang in Sachsen-Anhalt (- 17.000) sowie in Thüringen (- 11.000) und Mecklenburg-Vorpommern (- 7.000) aus. Am höchsten war der Anstieg dagegen in Bayern (+ 76.000), Baden-Württemberg (+ 57.000) und Berlin (+ 49.000).

Weitere Informationen

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Eingebürgerte Ausländer 2012 nach den häufigsten bisherigen Staatsangehörigkeiten
Bisherige StaatsangehörigkeitEinbürgerungen 2012 in absoluten Zahlen Veränderung gegenüber 2011 in ProzentAusgeschöpftes Einbürgerungspotenzial in Prozent
Quelle: Statistisches Bundesamt
Türkei33.246+ 18,32,4
Region Serbien, Montenegro, Kosovo6.085– 3,62,3
Polen4.496+ 51,9
Griechenland4.167+ 822,6
Ukraine3.691– 13,41,7
Irak3.510– 26,76,1
Vietnam3.299+ 35,912,2
Russische Föderation3.167+ 6,85,8
Marokko2.852– 5,33,8
Afghanistan2.717+ 0,27,4
Rumänien2.343– 2,36,8
Italien2.202+ 290,5

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