Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

21.10.2013 | Von:
Stefan Alscher

Welt: Migrationsrichtung entscheidet über subjektives Wohlbefinden

Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen hat neue Zahlen zu den weltweiten Migrationsbewegungen veröffentlicht. Demnach gibt es derzeit mehr Migranten als je zuvor. Einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration zufolge ist nicht verallgemeinerbar, dass Migration zu mehr Wohlstand und Wohlbefinden führt. Oft schätzen Zuwanderer ihre Lebenssituation schlechter als vor ihrer Ortsveränderung ein. Den größten Zuwachs an persönlichem Wohlbefinden erleben dabei Zuwanderer in Zielländern im globalen Norden.

Die Bevölkerungsabteilung des UN-Büros für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten (UN DESA) veröffentlichte Mitte September aktuelle Zahlen zu globalen Wanderungsbewegungen. Der Migrantenanteil an der Weltbevölkerung ist seit 1990 (2,9 %) nur gering angestiegen (3,2 %). Da im gleichen Zeitraum aber auch die Weltbevölkerung von 5,3 Mrd. auf 7,1 Mrd. wuchs, stieg aber die absolute Zahl der internationalen Migranten ebenfalls deutlich und seit 2000 kontinuierlich - in diesem Jahr auf den neuen historischen Höchststand von weltweit 232 Mio. Personen (2000: 175 Mio.). Davon leben 136 Mio. in Ländern des Nordens (58,6 %) und 96 Mio. in Ländern des Südens (41,4 %). Im globalen Norden beträgt der Anteil von Migranten an der Bevölkerung 10,8 %, im globalen Süden hingegen nur 1,6 %. Die Karte auf Seite 7 bildet auf der Basis der UN-Daten die zehn zahlenmäßig wichtigsten Wanderungsbewegungen im Norden (rot) und Süden (grau) ab. Dabei unterscheidet die UN zwischen vier globalen Migrationsrichtungen: der Süd-Süd-Migration (36 % bzw. 82,3 Mio.), der Wanderung vom Süden in den Norden (35 % bzw. 81,9 Mio.), der Migration innerhalb des Nordens (23 % bzw. 53,7 Mio.) und der Nord-Süd-Migration (6 % bzw. 13,7 Mio.).

Weltmigrationsbericht

Auch der Mitte September veröffentlichte "World Migration Report 2013. Migrant well-being and Development" der Internationalen Organisation für Migration (IOM) unterscheidet zwischen vier Richtungen weltweiter Migrationsbewegungen (Nord-Nord, Süd-Nord, Süd-Süd und Nord-Süd) und macht deutlich, dass jede der vier Migrationsbewegungen spezifische Auswirkungen hat. Die Zahlen der IOM unterscheiden sich leicht von denen der UN, weil die Zuordnung einzelner Staaten zur Nord- und Südhalbkugel unterschiedlich gehandhabt wurde.

Für die IOM-Studie wurden in über 150 Ländern mehr als 25.000 Migranten befragt (vgl. Ausgaben 10/11, 10/10). Das Meinungsforschungsinstitut Gallup hatte diese Befragung in den Jahren 2009 bis 2011 durchgeführt. Im Zentrum der Analyse standen das subjektive Wohlbefinden, der finanzielle Wohlstand, die Karrierechancen, das gesundheitliche Empfinden, das Gemeinschaftsgefühl sowie die soziale Teilhabe der Migranten im Zielland. Gefragt wurde, inwiefern die Wanderung zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse und des individuellen bzw. familiären Wohlbefindens geführt hat. Dazu wurden die Antworten der Migranten mit denen der Bevölkerung in den Ziel- und Herkunftsländern verglichen.
Top Ten Wanderungsbewegungen* (in Mio.) und globale Wanderungsrichtung, 2013Top Ten Wanderungsbewegungen* (in Mio.) und globale Wanderungsrichtung, 2013 (© Burak Korkmaz, www.bkorkmaz.com)

Nord-Nord

Den zwischen den Industriestaaten auf der Nordhalbkugel wandernden Migranten geht es gefühlt genauso gut wie der Bevölkerung im Zielland, in vielen Fällen erreichen sie sogar einen höheren Lebensstandard. Die Nord-Nord-Migration wird mit 22 % aller globalen Migrationsprozesse beziffert.

Süd-Nord

Süd-Nord-Migranten geht es zwar meist besser als der Bevölkerung in ihren Herkunftsländern, gleichzeitig haben sie aber Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche in der Aufnahmegesellschaft und erzielen geringere Einkommen als die einheimische Bevölkerung. Hinsichtlich ihrer Gesundheit und der Gesundheitsversorgung erzielen sie ähnliche Werte wie die Bevölkerung der Zielländer. Süd-Nord-Migranten machen laut IOM 40 % aller Wandernden aus. Damit ist die Süd-Nord-Wanderung die bedeutendste der globalen Migrationsbewegungen (vgl. Ausgabe 3/12).

Nord-Süd

Richtungen weltweiter MigrationsbewegungenRichtungen weltweiter Migrationsbewegungen (© Burak Korkmaz, www.bkorkmaz.com)
Wer aus den Staaten des Nordens in den globalen Süden zieht, erfährt angesichts guter Arbeitsmarktintegration und des zumeist niedrigeren Preisniveaus einen Zuwachs der persönlichen Kaufkraft. Andererseits berichten Nord-Süd-Migranten von Unzufriedenheit in den Bereichen der Sicherheit, der Gesundheitsversorgung sowie der sozialen Teilhabe. Sie stellen lediglich 5 % der weltweiten Migranten.

Süd-Süd

Von großer Bedeutung sind hingegen die Wanderungsbewegungen zwischen den Ländern des globalen Südens. Sie machen laut IOM 33 % aller Wanderungen aus. Für die Süd-Süd-Migration werden die geringsten persönlichen Gewinne und die größten Probleme verzeichnet. So antworteten nur etwa 53 % der im Süden wandernden Migranten positiv auf die Frage zur subjektiven Zufriedenheit (gegenüber 72 % der einheimischen Bevölkerung im Süden) und ein Viertel gab an, die Versorgung mit Lebensmitteln und Unterkunft nicht sichergestellt zu haben.

Fazit

In vielen Lebensbereichen führt internationale Migration zu einer Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens. Im Vergleich zur Situation der Aufnahmegesellschaft schätzen viele Migranten ihre persönliche Situation jedoch tendenziell als schlechter ein. Bei Zuwanderern in den südlichen Zielländern hat sich die Lebenssituation nach der Migration auch im Vergleich zur Bevölkerung im Herkunftsland nicht verbessert, sondern teilweise hat sie sich sogar verschlechtert. Bei Zuwanderern in den nördlichen Zielländern wurden die größten subjektiven positiven Veränderungen der persönlichen Lebenssituation verzeichnet.

Weitere Informationen

http://esa.un.org
www.iom.int/cms/wmr2013
www.youtube.de

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Stefan Alscher für bpb.de

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