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16.1.2014 | Von:
Stephan Liebscher, Universität Osnabrück

Spanien: Rücküberweisungen sind auf historischem Hoch

Im dritten Quartal 2013 haben ausgewanderte Arbeitskräfte so viel Geld wie noch nie nach Spanien überwiesen. Damit setzte sich der Trend seit Anfang 2013 fort. Die infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Spanien hat zu einem starken Anstieg der Auswanderung geführt. Das dürfte eine entscheidende Rolle beim Wachstum der Rücküberweisungen gespielt haben.

Rücküberweisungen von ArbeitskräftenRücküberweisungen von Arbeitskräften 2003-2013, Quartalsmittelwert (in Mio. Euro) (© Stephan Liebscher)

Daten der Spanischen Zentralbank zufolge beliefen sich die Überweisungen nach Spanien im dritten Quartal 2013 auf 1,64 Mrd. Euro. Dies ist der höchste Quartalsstand in der bis 1990 zurückreichenden Statistik. Allerdings sind auch die von Spanien ins Ausland transferierten Beträge auf 1,72 Mrd. Euro gestiegen, so dass ein Nettoabfluss von 80 Mio. Euro verzeichnet wurde. Im zweiten Quartal 2013 verzeichnete Spanien erstmals seit 2004 einen Rücküberweisungsüberschuss (+28,4 Mio. Euro), weil die Rücküberweisungen (1,59 Mrd. Euro) die Summe der seit 2007 sinkenden Geldtransfers ins Ausland (1,56 Mrd. Euro) überstiegen. In den Jahren zwischen 2004 und 2013 wurde hingegen in jedem Quartal ein höherer Ab- als Zufluss gemessen. Im Jahr 2007 überstiegen die ins Ausland gerichteten Geldsendungen die Rücküberweisungen nach Spanien um 3,14 Mrd. Euro. Seit der Finanzkrise wuchsen auch die Rücküberweisungen aus dem Ausland nach Spanien wieder deutlich an (2009-2012: +17 %), während die Überweisungen aus Spanien ins Ausland in nahezu gleichem Ausmaß zurückgingen (2008-2012: -17,2 %). Ursachen für diese Entwicklung sind einerseits in der deutlich gestiegenen spanischen Auswanderung und andererseits in der Rückkehrmigration von Nicht-Spaniern in ihre Herkunftsländer aufgrund der Wirtschaftskrise zu suchen.

Nach Angaben des nationalen Statistikinstituts (INE) verzeichnete Spanien am Vorabend der Finanzkrise 2008 noch ein stark positives Wanderungssaldo von +243.468 Personen im erwerbsfähigen Alter. Dies kehrte sich infolge der Krise um und lag zum Jahresende 2012 bei -113.434 Personen. Die Gesamtzahl der Auswanderer im Erwerbsalter stieg seither um 54,3 %. Der Anteil spanischer Staatsbürger unter den Auswanderern stieg im selben Zeitraum von 7,8 % auf 11,2 % (s. Tabelle). Unter ihnen dürften sich auch einige spanisch-lateinamerikanische Doppelstaatsbürger befinden, die in ihre jeweiligen Herkunftsländer abwanderten (vgl. Ausgabe 10/13). Die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit in Spanien von 26 % (Stand Oktober 2013) sowie erste Schätzungen zu den Auswanderungszahlen für das erste Halbjahr 2013 lassen auf weiterhin steigende Rücküberweisungen schließen.

Die Rücküberweisungen nach Spanien summierten sich 2012 auf insgesamt 5,92 Mrd. Euro. Ihr Anteil am spanischen Bruttoinlandsprodukt (2012: 1.029 Mrd. Euro) betrug laut Weltbank 0,7 %. Damit machen Rücküberweisungen spanischer Emigranten im europäischen Vergleich einen geringeren Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung als etwa in Bulgarien (2,8 % des BIP), Rumänien (1,9 %) und Portugal (1,8 %) aus. Spanien liegt hier im EU-Vergleich auf Platz 16, aber immer noch über dem EU-Durchschnitt von 0,6 % des BIP.

Berechnungen von Eurostat belegen, dass Spanien trotz des mehrjährigen und stetigen Rückgangs der Überweisungen von Spanien ins Ausland (2008: 7,95 Mrd. Euro; 2012: 6,58 Mrd. Euro), von denen ein erheblicher Teil Familien ausgewanderter Arbeitskräfte zugute kommen dürfte, immer noch zu einem der wichtigsten EU-Staaten für Geldsendungen ins Ausland gehört. Demnach wurde 2012 EU-weit nur aus Frankreich (8,77 Mrd. Euro) und Italien (6,83 Mrd. Euro) mehr Geld ins Ausland überwiesen. Insgesamt beliefen sich die Überweisungen aus EU-Mitgliedstaaten 2012 auf 38,78 Mrd. Euro, wovon etwas mehr als ein Viertel innerhalb der EU verblieben sind.

 
Auswanderung Erwerbsfähiger (15-65 Jahre), 2008-2013
 
Jahr200820092010201120121. HJ 2013
Nettomigration243.468-9.493-52.610-48,289-135.952 -113.434
Auswanderung243.399321.115339.422344.332375.673218.113
Veränderung zum Vorjahr131,9 %105,7 %101,4 %109,1 %58,1 %
davon spanische Staatsbürger, absolut24.16424.98828.97141.47542.01629.394
anteilig9.9 %7,8 %8,5 %12 %11,2 %13,5 %
Veränderung zum Vorjahr103,4 %115,9 %143,2 %101,3 %70,0 %
Quelle: spanisches Statistikinsitut (INE 2014)

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