Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.10.2010

Deutschland: Sprachkompetenz von Migranten stark verbessert

Ethnische Enklaven schwächen die Sprachkompetenz, mehr Bildung stärkt sie. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Mitte September in Nürnberg vorgestellt wurde. Demnach werden die Deutschkenntnisse von Migranten immer besser.

"Wir beobachten seit 25 Jahren einen kontinuierlichen Anstieg der Sprachkompetenz", sagte Herbert Brücker, Migrationsexperte am IAB, bei der Vorstellung der Studie "Ethnic concentration and language fluency of immigrants – quasi-experimental evidence from the guest-worker placement in Germany". Bei der Befragung von Einwandererhaushalten habe die durchschnittliche Sprachkompetenz 1984 bei einem Wert von 2,3 gelegen. Bis 2008 sei sie auf 3,1 gestiegen – dabei gelte die Sprachkompetenz von 4,0 als "sehr gut" und sei vergleichbar mit der eines deutschen Muttersprachlers.

Für die Studie schätzten 1.018 im Ausland Geborene ihr Schreib- und Sprechvermögen im Deutschen selbst ein. Die Befragung fand in den alten Bundesländern und Berlin statt. Die Herkunftsländer der Befragten waren die ehemaligen Anwerbestaaten Türkei, Italien, Griechenland, Spanien, Kroatien und Serbien-Montenegro. Grundlage für die Analyse der ethnischen Konzentration waren der Mikrozensus aus dem Jahr 2000 und das Sozioökonomische Panel (SOEP) aus dem Jahr 2001.

Die Untersuchung zur Sprachkompetenz und zum Arbeitsmarkt bezieht sich auf das SOEP aus dem Jahr 2008. Die Studie untersucht, wie die Herausbildung von ethnischen Enklaven die Sprachfähigkeiten von Migranten beeinflusst und welche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sich daraus ergeben. Die räumliche Konzentration von Migrantengruppen wirkt sich danach weniger stark auf das Erlernen der deutschen Sprache aus als gemeinhin angenommen. Die Sprachkompetenz von Migranten sei nicht v.a. deshalb gering, weil sie in ethnischen Enklaven leben. Vielmehr leben Migranten in Enklaven, weil ihre Sprachkompetenz gering ist, konstatieren die Forscher.

Stärkeren Einfluss auf den Spracherwerb habe der Faktor Bildung, heißt es in der Studie. So würde beispielsweise eine um ein Jahr verlängerte Bildungs- oder Ausbildungsphase den Anteil der Einwanderer mit guten Deutschkenntnissen um mehr als 6 Prozentpunkte erhöhen, sagten die Forscher: "Früh ansetzende Bildungsanstrengungen könnten zudem der Entstehung von Enklaven entgegenwirken." Die Wissenschaftler warnten vor einer zu hohen Ballung von Migranten in bestimmten Regionen oder Stadtteilen. In ethnischen Enklaven sinke die Häufigkeit des Kontakts zu Muttersprachlern und damit gleichzeitig der Anreiz, die Landessprache zu lernen.

Eine selektive Einwanderungspolitik zur gezielten Anwerbung von gut gebildeten Migranten würde auch die Sprachlernkapazität der Einwanderer erheblich erhöhen, heißt es in der Studie. Mit der allgemeinen Bildungsunterstützung bereits hier lebender Einwanderer könnten sowohl deren Sprachkompetenz als auch ihre Arbeitsmarktchancen verbessert werden. So kann zum Beispiel ein Einwanderer, der sehr gut Deutsch spricht, einen um bis zu 9 % höheren Lohn erzielen, als einer, der keine Deutschkenntnisse hat.

Außerdem empfehlen die Forscher einen frühen Spracherwerb. Maßnahmen, die erst nach dem Bildungsabschluss der Immigranten ansetzen, haben geringere Erfolgsaussichten.