Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.7.2010

UNHCR: Zahl der Flüchtlinge weltweit stark gestiegen

Mehr als 43 Mio. Menschen sind laut dem Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) derzeit auf der Flucht. Dabei gibt es einen Trend zu längeren Aufenthalten im Exil. Der überwiegende Teil der Flüchtlinge wird nach wie vor von Entwicklungsländern aufgenommen.

Im Rahmen des Berliner Symposiums für Flüchtlingsschutz, das Mitte Juni stattfand, rief der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen António Guterres die Industriestaaten zu verstärkten Anstrengungen beim Flüchtlingsschutz auf. Dabei verwies er auf den zeitgleich erschienenen UNHCR-Jahresbericht 2009. Demzufolge stieg die Zahl der Flüchtlinge auf den höchsten Stand seit Mitte der 1990er Jahre und lag 2009 bei rund 43,3 Mio. Personen (2008: 34,4 Mio., +26 %).

15,2 Mio. sind Flüchtlinge im engeren Sinne, d. h. Personen, die Schutz außerhalb ihres Herkunftslandes suchen und unter die Genfer Flüchtlingskonvention fallen (vgl. MuB 5/01). Etwa zwei Drittel von ihnen stehen unter dem Mandat des UNHCR, ein weiteres Drittel unter dem Mandat des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA).

Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge sind angesichts der anhaltenden Konflikte wie auch im Vorjahr Afghanistan (2,9 Mio.) und der Irak (1,8 Mio.). Aber auch Somalia und die Demokratische Republik Kongo sind wichtige Herkunftsländer.

Zu den 15,2 Mio. Flüchtlingen im engeren Sinne kommen rund 983.000 Asylsuchende (2008: 827.000, +19%). Die Zahl der Binnenvertriebenen – also Personen, die innerhalb ihres Herkunftslandes auf der Flucht sind – hat sich von rund 26 Mio. (2008) auf 27,1 Mio. (2009) leicht erhöht. Dieser Anstieg lässt sich auf die andauernden gewalttätigen Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo, Pakistan und Somalia zurückführen.

Kinder und Jugendliche sind laut UNHCR besonders von Flucht und Vertreibung betroffen. 2009 waren 41 % aller Flüchtlinge und Asylbewerber unter 18 Jahre alt (vgl. MuB 5/10).

Fluchtursachen

Guterres gab an, dass globale Trends wie Rohstoffmangel, Urbanisierung, Nahrungs- und Wasserknappheit bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum sowie der Klimawandel in zunehmendem Maße miteinander verwoben seien. Diese Probleme "verschärfen Konfliktsituationen und verbinden sich auf eine Weise, die Menschen zwingt, ihre angestammte Heimat zu verlassen", sagte Guterres.

Aufnahmeländer

80 % aller Flüchtlinge weltweit leben in Entwicklungsländern. Im Fall der Binnenvertriebenen stellt der afrikanische Kontinent mit 40 % den größten Anteil. Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen nehmen Länder wie Pakistan, Simbabwe und der Kongo besonders viele Flüchtlinge auf. Dies sei "ein gewaltiger Kraftakt für die betroffenen Länder", sagte Guterres. Die Arbeit des UNHCR sowie anderer Hilfsorganisationen ist in einigen dieser Regionen zusätzlich eingeschränkt, da angesichts der andauernden Konflikte die Lieferung von Hilfsgütern an die notleidende Zivilbevölkerung zunehmend erschwert wird.

Rückkehrer

Die Zahl der freiwillig in ihr Herkunftsland zurückkehrenden Personen ist 2009 weiter gesunken. Während im Durchschnitt der letzten zehn Jahre etwa 1 Mio. Flüchtlinge pro Jahr zurückkehrten, waren es 2009 nur rund 251.000 Personen (2008: 604.000). Dies entspricht dem tiefsten Stand seit 20 Jahren.

Angesichts der lang andauernden Konflikte in zahlreichen Weltregionen sieht das Flüchtlingshilfswerk eine Tendenz zu längeren Aufenthalten im Exil. "Ein Großteil der Flüchtlinge, rund 5,5 Mio., ist seit fünf oder mehr Jahren auf der Flucht. Ihre Zahl wird unvermeidlich steigen, da weniger Menschen nach Hause zurückkehren", sagte Guterres in seiner Grundsatzrede.

Guterres kritisierte insbesondere in Europa die "Erosion des Asylraumes". Aufgrund der starken Kontrollen an den europäischen Außengrenzen werde zunehmend Hilfsbedürftigen der Grenzübertritt verwehrt. Der Aufbau eines harmonisierten und stabilen europäischen Asylsystems sei daher "die größte Herausforderung der kommenden zehn Jahre", sagte der Flüchtlingshochkommissar.

An die Industriestaaten richtete der Hochkommissar den dringenden Appell, die Beteiligung an den Resettlement-Programmen zu erhöhen, d. h. Programmen zur Neuansiedlung von Flüchtlingen in Drittländern. Im Laufe des Jahres 2009 konnten 112.400 Flüchtlinge dauerhaft in Drittstaaten angesiedelt werden, allen voran in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien. Deutschland beteiligte sich erstmals am Programm für die Neuansiedlung von Flüchtlingen und nahm 2.500 Iraker auf.