Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.7.2010

Kirgistan: Hunderttausende auf der Flucht

Blutige Unruhen haben in Kirgistan Mitte Juni zu massiven Fluchtbewegungen geführt. Rund 400.000 Menschen hatten nach Angaben der Vereinten Nationen zeitweise ihre Heimat verlassen. Nach einer Beruhigung der Lage kehrten viele Flüchtlinge in ihre Heimatorte zurück.

Ursache für die Auseinandersetzungen, die in der südkirgisischen Stadt Osch begannen, waren seit langem schwelende Konflikte zwischen Kirgisen und Angehörigen der usbekischstämmigen Minderheit. Mitte Juni kam es zu gewalttätigen Konfrontationen zwischen beiden Volksgruppen. Ein geplantes Referendum zur Einführung einer demokratischen Verfassung war ein Auslöser der Ausschreitungen.

Die Flüchtlinge aus dem Süden Kirgistans, insgesamt 400.000 Angehörige der usbekischen Minderheit, kamen größtenteils in von Hilfsorganisationen neu eingerichteten Auffanglagern an der Grenze zum Nachbarland Usbekistan unter. Nach Regierungsangaben schloss Usbekistan seine Grenze allerdings, nachdem das Land bereits etwa 100.000 Menschen aufgenommen hatte. Die hygienischen Verhältnisse in den Lagern an der Grenze waren schlecht, der Ausbruch von Seuchen drohte. Das Rote Kreuz sprach von einer "humanitären Krise", es fehlten v. a. sauberes Trinkwasser und Nahrungsmittel.

Hilfsleistungen

Angehörige von Hilfsorganisationen berichteten, dass auf kirgisischer Seite noch Zehntausende auf Zuflucht in Usbekistan hoffen. Internationale Hilfsorganisationen haben mit der Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten in die Region begonnen. Russland sagte 120 Tonnen Hilfslieferungen zu. US-Außenministerin Hillary Clinton (Demokraten) garantierte Kirgistan 6,5 Mio. US-Dollar Soforthilfe. Zuvor hatte bereits die EU 5 Mio. Euro für Medikamente, Unterkünfte und Nahrung der Flüchtlinge bereitgestellt. Auch das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) organisierte Hilfsflüge.

Rückkehr

Nach UN-Angaben sind mittlerweile mindestens ein Viertel der Flüchtlinge in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Allerdings sind viele Häuser in Folge der Kämpfe beschädigt und unbewohnbar. Die Vereinten Nationen riefen die kirgisische Übergangsregierung auf, die zurückkehrenden Flüchtlinge zu schützen und für deren Sicherheit zu sorgen. "Es wird eine große Herausforderung für die Übergangsregierung und die Behörden, sichere Bedingungen zu schaffen und den Usbeken zu zeigen, dass sie willkommen sind", sagte der UN-Sondergesandte Miroslav Jenca. Die kirgisische Übergangsregierung geht davon aus, dass auch der Rest der Flüchtlinge nach einer Befriedung zurückkehren wird.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat unterdessen eine internationale Polizeitruppe für den Süden Kirgistans gefordert. Die Präsenz ausländischer Polizisten könnte helfen, für Stabilität zu sorgen und eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, erklärte der OSZE-Sondergesandte Kimmo Kiljunen in Bischkek. Dieses Vertrauen sei eine Voraussetzung für die endgültige Rückkehr aller Flüchtlinge.