Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.4.2010

Mittelmeeranrainerstaaten: Asylantragszahlen stark rückläufig

Insgesamt stagniert die Zahl der Asylanträge in den Industriestaaten, regional bestehen große Unterschiede. Während in Südeuropa die Asylanträge 2009 erheblich zurückgingen, stiegen die Asylantragszahlen in Skandinavien deutlich an. Afghanistan hat den Irak im vergangenen Jahr als wichtigstes Herkunftsland der Antragsteller abgelöst.

In den Industriestaaten hat sich die Zahl der Asylanträge im vergangenen Jahr nur marginal erhöht. Zu dem Ergebnis kommt das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) in einem Ende März in Genf vorgestellten Bericht. Für den jährlichen Report über die Entwicklung der Asylantragszahlen in den Industriestaaten wertete das UNHCR statistische Daten aus 44 Staaten aus. Dazu zählen die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Albanien, Bosnien-Herzegowina, Island, Kroatien, Liechtenstein, Mazedonien, Montenegro, Norwegen, Schweiz, Serbien und die Türkei. Daneben berücksichtigt der Bericht auch Australien, Japan, Kanada, Neuseeland, Südkorea und die USA.

Im Jahr 2009 wurden in diesen Staaten 377.160 Asylanträge gestellt (2008: 377.130). Da einige Länder in ihren Statistiken nicht zwischen alten und neuen Asylanträgen unterscheiden und das UNHCR Fälle von Mehrfachanträgen in seinem Bericht nicht ausschließen kann, liegt die tatsächliche Zahl der Asylanträge wahrscheinlich sogar unter dem angegebenen Wert.

Regionale Unterschiede:

In den europäischen Staaten wurden im vergangenen Jahr 286.680 Asylanträge gestellt (2008: 283.690, +1 %). Dabei gab es deutliche regionale Unterschiede. In den acht südeuropäischen Staaten (Albanien, Griechenland, Italien, Malta, Portugal, Spanien, Türkei, Zypern) sind 2009 ein Drittel weniger Asylanträge gestellt worden als im Vorjahr (2009: 50.090, 2008: 74.400; -33 %). Besonders stark war der Rückgang in Italien (-42 %), der Türkei (-40 %) und Griechenland (-20 %).

In Nordeuropa (Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden) sind die Asylantragszahlen hingegen deutlich gestiegen (2009: 51.120, 2008: 45.240; +13 %). Zwar verzeichneten die Behörden im wichtigsten nordeuropäischen Aufnahmeland Schweden nahezu keine Veränderungen, in Dänemark (+59 %), Finnland (+47 %) und Norwegen (+19 %) stiegen die Zahlen jedoch sprunghaft an. 2007 war Schweden noch das zweitwichtigste Asylaufnahmeland aller Industriestaaten. Eine Gesetzesänderung bei der Behandlung irakischer Anträge im Februar 2007 habe dazu geführt, dass zunächst die Anerkennungsquote sank und irakische Asylantragsteller seitdem ihre Asylgesuche in den Nachbarländern Norwegen (seit 2007: +264 %) und Finnland (+413 %) stellen, so das UNHCR.

In Nordamerika ging 2009 die Zahl der Asylanträge im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück (2009: 82.270, 2008: 86.460; -5 %), was insbesondere auf deutlich gesunkene Antragszahlen in Kanada zurückzuführen ist (-10 %). In den USA wurden etwa gleich viele Asylanträge wie 2008 gestellt. In Australien stiegen die Asylantragszahlen im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Drittel an (2009: 6.510, 2008: 5.020; +30 %). Dies ist insbesondere auf den sprunghaften Anstieg der Anträge afghanischer Staatsbürger um fast das Zwanzigfache im Jahr 2009 zurückzuführen. In Japan und Südkorea nahmen die Zahlen leicht ab (2009: 1.700, 2008: 1.960; -13 %; siehe Tabelle). In beiden Ländern beantragten insbesondere Menschen aus der Region (Myanmar, Sri Lanka und Bangladesch) sowie in Südkorea auch aus Pakistan Asyl.

Asylanträge in ausgewählten RegionenAsylanträge in ausgewählten Regionen

Empfängerstaaten

Insgesamt 48 % aller Asylanträge wurden 2009 in den fünf wichtigsten Aufnahmeländern gestellt. Zu diesen gehörten 2009 die USA (49.020) gefolgt von Frankreich (41.980), Kanada (33.250), dem Vereinigten Königreich (29.840) und Deutschland (27.650). Aufgeschlüsselt nach Asylanträgen pro 1.000 Einwohner sind Zypern (30,1), Malta (21,6), Schweden (13,7), Liechtenstein (12,5) und Norwegen (10,2) in den vergangenen fünf Jahren die wichtigsten Asylantragsstaaten gewesen. Deutschland liegt hier an 21. Stelle.

Herkunft

Personen aus fast 190 Staaten haben 2009 in den 44 Industriestaaten einen Asylantrag gestellt. Nahezu die Hälfte dieser Asylantragsteller kam aus einem asiatischen Staat (45,3 %), etwa ein Drittel aus Afrika (28,7 %), ein Sechstel aus einem europäischen Land (15,5 %) sowie 8,8 % aus Mittel- und Südamerika. Bei 1,6 % der Antragsteller ist die Herkunft unbekannt. Die wichtigsten Herkunftsstaaten sind, wie schon 2008, Afghanistan und der Irak. Nach neun Jahren ist Afghanistan erstmals wieder das wichtigste Herkunftsland der Asylantragsteller. 26.803 Afghanen (+45 %) stellten 2009 einen Asylantrag in den Industriestaaten und 24.341 Iraker (-40 %). Weitere wichtige Herkunftsstaaten waren Somalia (22.558; +3 %), Russland (20.367; ±0 %), China (20.100; +16 %) und Serbien (18.597; +25 %).

UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres betonte bei der Präsentation des Berichts, dass es keine "Flut von Asylbewerbern" in die Industriestaaten gebe, wie Populisten oft behaupteten. Wie der aktuelle Flüchtlingsbericht des UNHCR belegt, fliehen die meisten Menschen weltweit innerhalb ihrer Herkunftsstaaten. Der größte Anteil der grenzüberschreitenden Flüchtlinge lebt nahe den Konfliktgebieten im asiatischen und afrikanischen Raum sowie im Mittleren Osten.