Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.1.2010

Italien: Gewaltsame Auseinandersetzungen

Nach einem Angriff auf mehrere afrikanische Erntearbeiter ist es im süditalienischen Rosarno zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Vereinten Nationen verurteilten daraufhin die Zustände, in denen die illegal Arbeitenden leben und kritisierten die italienische Politik für den mangelhaften Schutz vor rassistisch motivierter Gewalt.

Auslöser für die gewaltsamen Ausschreitungen war ein Vorfall in Rosarno Anfang Januar, bei dem Unbekannte aus einem Auto auf eine Gruppe von Afrikanern schossen, die von der Arbeit heimkehrten. Zwei der Afrikaner wurden dabei leicht verletzt. Unter dem Motto "Mehr Schutz vor ständiger rassistischer Gewalt", zogen am Tag nach den Schüssen etwa 2.000 Saisonarbeiter auf den Marktplatz des kalabrischen Ortes. Die Demonstranten steckten Autos in Brand, schlugen Schaufenster ein, blockierten die Zufahrtsstraßen im Norden und Süden der Stadt und lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dabei wurden mindestens 67 Menschen verletzt.

Nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen werden jedes Jahr mindestens 5.000 afrikanische Einwanderer illegal in Rosarno (16.000 Einwohner) v. a. bei der Ernte eingesetzt. Die meisten der jungen Männer stammen aus dem Sudan, Ghana, Nigeria oder Togo. Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen werden vom UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) als "unmenschlich" kritisiert.

Die Behörden gehen davon aus, dass es sich bei den Schützen, die die Afrikaner verletzten, um Mitglieder der kalabrischen Mafia ‘Ndrangheta handelte. Wahrscheinlich wollten sie Tagelöhner "bestrafen", die kein Schutzgeld bezahlt hatten.

Die Vereinten Nationen übten nach den Ausschreitungen scharfe Kritik an den italienischen Behörden. Die Politik solle sich an "internationalen Normen" für Menschenrechte orientieren. Die UN-Sonderberichterstatter für die Rechte von Migranten und gegen Rassismus, Jorge Bustamante und Githu Muigai erklärten, die italienischen Behörden müssten "alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um die wachsenden fremdenfeindlichen Haltungen gegenüber eingewanderten Arbeitern zu bekämpfen". Es sei nötiger denn je, dass die Behörden "rassistische und gewalttätige Aktionen Einzelner" verfolgten. Gleichzeitig forderten sie Italien auf, die "beklagenswerten Lebens- und Arbeitsbedingungen" der Einwanderer zu verbessern. Zudem müsse eine Einwanderungspolitik betrieben werden, die den "internationalen Normen in Bezug auf die Menschenrechte" entspreche.

Bereits 2009 war es wegen eines ähnlichen Vorfalls zu Ausschreitungen in der Region gekommen. Doch an den Lebensbedingungen der Wanderarbeiter hat sich nichts geändert. In Orten wie Rosarno sei das Problem allerdings komplexer, sagte auch Innenminister Roberto Maroni (Lega Nord, rechtskonservativ): "In all diesen Jahren ist illegale Migration toleriert worden, die von der organisierten Kriminalität ausgenutzt worden ist." Hintergrund sind die Verflechtungen zwischen lokalen Landwirten und Mafia-Angehörigen.