Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.1.2010

Kurzmeldungen – Deutschland

In Deutschland ist der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung erneut gestiegen, einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge sehen 53 % aller Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland mit Hoffnung in die eigene Zukunft und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge will ein Modellprojekt starten, bei dem Imame fortgebildet werden sollen.

Einwohner mit Migrationshintergrund

Der Anteil der in Deutschland lebenden Personen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung ist erneut gestiegen (vgl. MuB 10/08, 5/07, 5/06). Ende Januar teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit, dass im Jahr 2008 15,6 Mio. der insgesamt 82,1 Mio. Einwohner Deutschlands einen Migrationshintergrund hatten. 19 % der Bevölkerung sind somit seit 1950 nach Deutschland zugewandert oder Nachkommen von Zugewanderten (2007: 18,7 %, 2005: 18,3 %). Der prozentuale Anstieg geht zum einen darauf zurück, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund gegenüber 2007 durch Zuzug und Geburten um 155.000 angewachsen ist. Zugleich ist die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund um 277.000 auf 66,6 Mio. geschrumpft. Von der Bevölkerung mit Migrationshintergrund waren 2008 rund 7,3 Mio. Ausländer und 8,3 Mio. Deutsche.
www.destatis.de

Optimistischer Blick in die Zukunft

Laut einer repräsentativen Studie der Bertelsmann Stiftung, die Anfang Januar in Gütersloh vorgestellt wurde, sehen 53 % aller Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland mit Hoffnung in die eigene Zukunft. 36 % hatten Befürchtungen oder waren skeptisch, 11% waren unentschieden. Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion waren optimistischer als z. B. türkischstämmige Migranten. Nur 45 % der befragten Zuwanderer waren der Meinung, Migranten würden in den nächsten 10 Jahren mehr wichtige Positionen in Politik und Wirtschaft einnehmen. Hier waren Türkischstämmige deutlich hoffnungsvoller als andere Migrantengruppen. Dies führen die Autoren darauf zurück, dass es bereits einige Vorbilder gibt ("Cem-Özdemir-Effekt").
www.bertelsmann-stiftung.de

SPD: Öffnung gegenüber Migranten

Der neu gewählte SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bezeichnete es in einem Zeitungsinterview Mitte Dezember 2009 als Fehler, dass beim Bundesparteitag der SPD Mitte November 2009 keine Person mit Migrationshintergrund in die fast 50 leitenden Funktionen der Partei gewählt worden ist. Er betonte, dass die Partei sich gegenüber Migranten öffnen wolle. Gabriel wollte dies konkret im Arbeitsprogramm 2010, das am 18. Januar beschlossen wurde, umgesetzt sehen. Dort wird die Beteiligung von Migranten allerdings nicht konkret erwähnt. Es wurde lediglich ein Arbeitskreis Migranten unter der Leitung von Kenan Kolat, dem Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, gegründet.
www.spd.de

Deutsche zieht es in Nachbarländer

Laut einem Bericht, den das Statistische Bundesamt Mitte Dezember veröffentlicht hat, lebten 2008 über eine halbe Million Deutsche in den direkt angrenzenden Nachbarländern. Allein in der Schweiz lebten 203.000 Deutsche (+17 % im Vergleich zu 2007) und 120.000 in Österreich (+10 %). 2005 lebten in Frankreich 91.000 Deutsche, 2008 in Polen 12.000. Auch in anderen europäischen Ländern gibt es bedeutende deutsche Exilgemeinden. So lebten 2008 in Spanien rund 182.000 Deutsche, in Großbritannien im Jahr 2005 rund 100.000 Deutsche. Die Zahl der Deutschen hat sich in allen EU-Ländern, für die Daten vorliegen, in den letzten fünf Jahren erhöht. Ausnahme ist Rumänien, wo ihre Zahl geringfügig sank.
www.destatis.de

Fortbildung für Imame gestartet

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das Goethe-Institut und die Türkisch-Islamische Union (Ditib) wollen mit einem bundesweiten Modellprojekt zur Fortbildung von Imamen die Integration von Muslimen in Deutschland vorantreiben. Das auf Empfehlung der Deutschen Islam-Konferenz entwickelte Programm startete am 10. Dezember 2009 mit 15 Imamen in Nürnberg. Hier und an acht weiteren Standorten sollen in den nächsten 5 Jahren rund 130 Imame fortgebildet werden, damit diese Integrationsprobleme von Muslimen besser erkennen und Hilfe anbieten können. Auf dem Lehrplan der berufsbegleitenden Kurse stehen 500 Stunden Deutschunterricht sowie zwölf Tage interkultureller und landeskundlicher Unterricht. Einen engen Bezug zu den Städten, in denen die Kurse angeboten werden, soll es durch Besuche und Hospitanzen in städtischen und kirchlichen Einrichtungen geben. Finanziert wird das Programm vom BAMF, Ditib und vom Goethe-Institut.
www.bamf.de

Urteil: 5.000 Euro wegen Diskriminierung

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln hat am 20. Januar der Klage eines Paares stattgegeben, das bei der Wohnungssuche aufgrund seiner afrikanischen Herkunft benachteiligt wurde (Az. OLG Köln 24 U 51/09). Im Laufe der Verhandlung hatte die Hausverwaltung die Benachteiligung eingeräumt und muss nun eine Entschädigung von rund 5.000 Euro zahlen. Die Stiftung "Leben ohne Rassismus" und das Gleichbehandlungsbüro (GBB) Aachen hatten die Klage unterstützt.
www.olg-koeln.nrw.de/presse/l_presse/index.php