Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.11.2009

Deutschland: Studie zur Auswanderung

Unter Migranten nimmt die Auswanderung aus Deutschland zu, während es bei Deutschen keinen langfristigen Trend zu verstärkter Auswanderung gibt. Hinsichtlich der Charakteristika und Motive der Auswanderer gibt es große Unterschiede zwischen Deutschen und Migranten. Dies zeigt die aktuelle Untersuchung "Deutschland ein Auswanderungsland?", die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) Ende September vorstellte.

Ziel der Studie war herauszufinden, welche Bevölkerungsgruppen Deutschland mit welcher Motivation verlassen. Dafür wurden 288 SOEP-Teilnehmer untersucht, die zwischen 1984 und 2005 ins Ausland gezogen sind. Das SOEP ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung mit über 20.000 Personen aus rund 11.000 Haushalten. Als Auswanderer gilt, wer auf Grund eines Fortzugs ins Ausland aus der SOEP-Stichprobe ausgeschieden ist. Die Dauer des Fortzugs spielte dabei keine Rolle. Die Auswanderungsrate in Deutschland liegt seit mehr als 20 Jahren bei 0,8 % (etwa 650.000 Personen pro Jahr).

Darüber hinaus beantworteten 32 Teilnehmer, die zwischen 2002 und 2006 aus Deutschland auswanderten, Fragebögen im Rahmen des Pilotprojekts "Leben außerhalb Deutschlands". Diese gesonderte Untersuchung analysiert erstmalig, wie es Auswanderern in ihrer neuen Heimat geht.

Neben einem Gesamtmodell mit allen Befragten unterscheidet die Studie zwischen in Deutschland geborenen Deutschen und Migranten, die nicht in Deutschland geboren oder nicht im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit sind. Für diese beiden Gruppen kommt die Studie zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Deutsche Auswanderer

Die Ergebnisse zeigen, dass eher die unter 35-Jährigen auswandern. Außerdem sind es häufiger Frauen, Westdeutsche, Alleinlebende und Akademiker. "Auswanderung ist auch heute noch immer eine riskante Entscheidung", erklärt Marcel Erlinghagen, einer der Autoren der Studie. "Wer ungebunden ist und eine gute Ausbildung hat, tut sich damit leichter als jemand, der seine ganze Familie mit in dieses Abenteuer nehmen muss." In den bevorzugten Auswanderungsländern wie der Schweiz, Österreich und den USA hätten es Akademiker zudem wesentlich leichter, einen neuen Job zu finden, und eine Rückwanderung sei von hier vergleichsweise einfach möglich.

Nichtdeutsche Auswanderer

Auswanderung bei Migranten ist vor allem ein Phänomen in der Altersgruppe der 56- bis 70-Jährigen, wie die Studie zeigt. Deutschland verlassen demnach vor allem diejenigen, die nicht (Arbeitslose) oder nicht mehr in den Arbeitsmarkt integriert sind (Rentner). Letztere wandern mit dem Eintritt in den Ruhestand weiter in ein anderes Land oder kehren in ihr Herkunftsland zurück. Gleichzeitig verringert sich die Wahrscheinlichkeit der Auswanderung, je länger Migranten bereits in Deutschland leben. Liegt die Zuwanderung nach Deutschland allerdings bereits mehr als 20 Jahre zurück, unterscheiden sich Migranten in ihrem Auswanderungsverhalten nicht mehr von Deutschen.

Insgesamt lässt sich für Migranten - anders als für Deutsche - ein zunehmender Auswanderungstrend im untersuchten Zeitraum feststellen.

Gründe

Ungeachtet dieser Unterschiede spielt weder für Deutsche noch für Migranten eine mangelnde Lebenszufriedenheit oder Zuversicht eine wesentliche Rolle für die Auswanderungsentscheidung. Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung im Allgemeinen und die eigene wirtschaftliche Lage im Besonderen hatten entweder keinen oder nur einen schwachen Einfluss auf die Entscheidung. Somit scheint Auswanderung v. a. mit spezifischen Phasen im individuellen Lebensverlauf wie Karriereentwicklung und Ruhestand verbunden und kein Ausdruck einer generellen Unzufriedenheit mit den Lebensbedingungen in Deutschland. Meist sind es mehrere, zusammenhängende private und berufliche Gründe.

Lebenssituation

Die Befragten bewerteten ihre Auswanderungsentscheidung bislang überwiegend als Erfolg. Der Vergleich der Angaben vor und nach der Auswanderung zeigt, dass sich für die meisten die allgemeine Lebenszufriedenheit verbessert, lediglich für etwa ein Sechstel dagegen verschlechtert hat. Die überwiegende Mehrheit der Befragten fühlt sich stark oder sehr stark mit der Region, in der sie nun leben, verbunden und hat nicht die Absicht, nach Deutschland zurückzukehren.

Die Autoren der Studie schränken jedoch ein, dass neben der geringen Probandenzahl zu beachten sei, dass wahrscheinlich eher diejenigen an der gesonderten Befragung teilgenommen haben, deren Auswanderung ohnehin erfolgreich war.