Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.4.2009

Vereinte Nationen: Aktualisierte Bevölkerungsprognose

Anfang März 2009 hat die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen (UN Population Division) turnusgemäß die aktualisierten Bevölkerungsprognosen für die Staaten der Welt veröffentlicht. Die neuen Prognosen weichen nicht substanziell von jenen der Jahre 2006 und 2004 ab (vgl. MuB 3/07, 3/05).

Die jetzt veröffentlichte UN-Prognose zur Weltbevölkerung liegt für das Jahr 2050 bei 9,1 Mrd. Menschen. In den UN-Projektionen von 2002 erwartete man 8,9 Mrd. Menschen für 2050, zwei Jahre später 9,1 Mrd. und 2060 9,2 Mrd. Die veröffentlichte Schätzung zur Weltbevölkerung berechnet sich aus der Summe der Prognosen aller Nationalstaaten (sog. Bottom-up-Prognose).

Hinter der nur wenig veränderten Prognose für die Weltbevölkerung insgesamt verbergen sich zahlreiche Neubewertungen für einzelne Länder. Bei einigen Staaten erfolgte diese Korrektur nach oben (z. B. Senegal, Tansania, Sambia), bei anderen nach unten (z. B. Burundi, Brasilien, Bangladesch). In der Summe neutralisieren sich diese Abweichungen zwischen den Prognosen von 2008 und 2006 zum großen Teil. Für die drei bevölkerungsreichsten Staaten der Welt (China, Indien, USA) wurden die Prognosen nur sehr geringfügig korrigiert. Für Pakistan (heute 181 Mio. Einwohner) weist die neue Prognose für 2050 eine 15 % größere Bevölkerung aus als bisher erwartet, für Bangladesch (heute 162 Mio.) eine 12 % geringere.

Die UN-Bevölkerungsabteilung geht bei ihrer aktuellen Prognose von der Annahme eines Rückgangs der weltweiten Fertilität von heute durchschnittlich 2,56 Kindern je Frau auf 2,02 Kinder im Jahr 2050 aus. Unter dieser Annahme würde sich bereits 2050 im globalen Durchschnitt von heutigen so genannten entwickelten Ländern und Entwicklungsländern eine Elterngeneration nicht mehr durch eine gleich große Kindergeneration ersetzen.

Nur für weniger als 50 Staaten erwartet die Bevölkerungsabteilung für 2050 eine Kinderzahl von 2,1 oder höher – dem so genannten Bestandserhaltungsniveau der Fertilität. Diese Annahme stützt sich teilweise auf eine Analyse und Hochrechnung (Extrapolation) des bisherigen Fertilitätsrückgangs. Für jene Staaten, in denen dieser Rückgang schon heute recht weit fortgeschritten ist und wo gleichzeitig kaum empirische Anhaltspunkte für einen Wiederanstieg auszumachen sind, wie in Deutschland, musste sich die Bevölkerungsabteilung auf eine normative Annahme festlegen. So wurde für Deutschland z. B. als wünschenswert angenommen, dass die Kinderzahl bis 2050 wieder auf 1,69 Kinder je Frau ansteigt.

Auch wenn die neue Prognose für die Weltbevölkerung insgesamt nur geringfügig von früheren abweicht, enthält sie zahlreiche Umbewertungen und neue Erkenntnisse. Sie ist die offizielle Grundlage für verschiedene andere Prognosen und Einschätzungen, die im UNO-System getroffen werden und im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung stehen.

Prof. Ralf E. Ulrich, Direktor des Instituts für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld

Die UN-Bevölkerungsabteilung hat die wichtigsten Ergebnisse auf ihrer Website bereitgestellt:
www.un.org/esa/population/unpop.htm
Auch Ergebnisse für einzelne Länder können online abgefragt werden:
esa.un.org/unpp/index.asp

In den nächsten Monaten werden die vollständigen Ergebnisse veröffentlicht und in Deutschland durch den UNO-Verlag vertrieben. Nachfragen zu den Projektionen beantwortet
Hania Zlotnik
Director, Population Division
United Nations, New York
NY 10017
Tel.: +1-212-963 3179
Fax: +1-212-963 2147