Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

1.4.2009

Asien: Umgang mit Arbeitsmigranten in der Wirtschaftskrise

Dass Arbeitsmigranten besonders stark von der globalen Wirtschaftskrise betroffen sind, zeichnet sich immer deutlicher ab, vor allem in Asien. Während die Regierungen der Zielländer versuchen, die Zuwanderung zu beschränken, um ihre eigenen Bevölkerungen vor Arbeitslosigkeit zu schützen, bemühen sich die Herkunftsstaaten um Unterstützung für ihre Arbeitskräfte im Ausland.

Die globale Rezession wird weltweit Millionen von Arbeitslosen hervorbringen. Dies ist das Ergebnis neuer Prognosen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Mitte Februar veröffentlicht wurden. Im pessimistischen Szenario könnten allein in Asien bis Jahresende weitere 22 Mio. Menschen arbeitslos werden. Insgesamt gäbe es dann 113 Mio. Arbeitslose auf dem Kontinent. Arbeitsmigranten sind vielerorts am schnellsten und am härtesten betroffen.

Singapur

In dem Insel- und Stadtstaat demonstrierten im Februar mehrfach entlassene Arbeiter aus Bangladesch vor dem Arbeitsministerium. Sie forderten die Bezahlung ausstehender Löhne und eine Wiederbeschäftigung. Viele der Arbeiter hatten einen Kredit aufgenommen, um die Vermittlungsgebühr der Arbeitsagenturen bezahlen zu können. Im Gegenzug wurden ihnen mehrjährige Arbeitsverträge zugesichert, etwa im Schiffbau, auf den Baustellen oder in der Industrie. Ihre Verträge wurden nun vorzeitig aufgelöst. Gleichzeitig können sie kein Geld mehr an ihre Familien in ihrem Herkunftsland schicken.

Russland

Um ihre eigenen Bevölkerungen vor Arbeitslosigkeit zu schützen, beschränken immer mehr Regierungen von Empfängerländern die Arbeitsmöglichkeiten für Ausländer. Anfang März senkte die an China und Nordkorea grenzende russische Region Primorsky die Quote für ausländische Arbeitskräfte für 2009 zum zweiten Mal auf nun 39.000; ursprünglich sollten mehr als 50.000 kommen.

Nicht nur Staaten in Asien, sondern auch das traditionelle Einwanderungsland Australien senkte Mitte März seine Einwanderungsquote für dauerhafte Zuwanderer um 14 % für das Finanzjahr 2008/09. Statt der ursprünglich geplanten 133.500, sollen nur noch 115.000 qualifizierte Einwanderer nach Australien kommen dürfen. Zugleich wurden Berufe wie Maurer, Schreiner und Klempner vorerst von einer dauerhaften Einwanderung ausgeschlossen.

Malaysia

Besonders drastisch geht die Regierung Malaysias vor. Anfang März bestätigte der Minister für Humanressourcen Datuk S. Subramaniam (Barisan Nasional), die Regierung wolle jeden Monat 15.000 Arbeitsmigranten durch malaysische Arbeitskräfte ersetzen. "Das Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass lokale Arbeiter, die entlassen wurden, mit Priorität eingestellt werden. Bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern muss es ein Umdenken geben", sagte der Minister. Insgesamt wolle man in den nächsten Monaten und Jahren bis zu 60 % der ausländischen Arbeitskräfte zum Verlassen des Landes bewegen. In Malaysia arbeiten derzeit mehr als 2 Mio. Arbeitsmigranten. Die meisten kommen aus Indien, Indonesien, Bangladesh, Nepal und Pakistan. Über 1 Mio. Migranten müssen sich nun auf das Verlassen Malaysias einstellen. Bereits im Januar hatte die Regierung das Einstellen neuer ausländischer Arbeitskräfte in der Industrie und im Dienstleistungssektor verboten, nachdem Berichte über zehntausende bevorstehende Entlassungen bekannt geworden waren.

Nun kündigte die Regierung an, auslaufende Arbeitsverträge in bestimmten Sektoren nicht mehr zu verlängern. Die Regierung beschloss zudem Steuererleichterungen für Arbeitgeber, die entlassene einheimische Arbeiter anstellen. Ferner wurden 55.000 bereits im vergangenen Jahr ausgestellte Visa für Arbeiter aus Bangladesch annulliert. Dafür hatte sich auch der Gewerkschaftsbund Malaysias eingesetzt.

Zusätzlich sollen Einwanderer ohne regulären Status das Land verlassen. Gewerkschaftsangaben zufolge wollten tausende Arbeiter ohne Papiere das Land verlassen, befürchten aber eine Strafe, sollten sie von den Behörden kontrolliert werden. Die Gewerkschaften forderten daher die Regierung auf, dass Einwanderer ohne Papiere das Land straffrei verlassen können. Die Gewerkschaften hoffen, dass dann einheimische Arbeiter, die Jobs der irregulären Migranten übernehmen könnten. Schätzungen zufolge leben bis zu 1 Mio. Menschen illegal in Malaysia.

Indien

Die indische Regierung gab Ende Februar bekannt, offiziell seien infolge der Krise bereits 20.000 Inder in ihr Heimatland zurückgekehrt. Zugleich startete die Regierung eine Gesetzesinitiative, um indische Arbeitsmigranten im Ausland bei künftigen Wirtschaftskrisen besser schützen und effektiver unterstützen zu können. In den nächsten Monaten sollen mehrere bilaterale Abkommen über Arbeitsmigranten mit europäischen Staaten unterzeichnet werden. Daher sei es nötig, zuvor die Pflichten und Verantwortlichkeiten von Vermittlungsagenturen und Arbeitgebern in den Zielländern genauer zu regeln, sagte Shri K. Mohandas Sekretär im Ministerium für Indische Überseeangelegenheiten (MOIA) Ende Februar. Die Finanzkrise ändere nichts daran, dass Indien in Zukunft zu einem immer wichtigeren Entsendestaat für qualifizierte Arbeiter werde, sagte Mohandas. Die Regierung plant in Zukunft auch Delegationen in Aufnahmeländer von Migranten zu entsenden um diese vor Ort zu unterstützen.

Philippinen

Die Philippinen, wo jeder zehnte Erwachsene - insgesamt 8 Mio. - im Ausland arbeitet, entsandte bereits eine Delegation von Beamten nach Südkorea. Sie sollen philippinische Arbeitnehmer, die von Entlassung bedroht sind, bei der Jobsuche vor Ort helfen oder sie über Weiterbildungsmaßnahmen bzw. die Möglichkeit der Selbständigkeit bei einer Rückkehr in ihre Heimat informieren.

Auf einer Pressekonferenz Mitte Februar in Manila warnten Vertreter der ILO erneut davor, Staaten würden ihre Grenzen für Arbeitsmigranten schließen. In den Entsendestaaten würden sich die sozialen Probleme durch ausbleibende Rücküberweisungen weiter zuspitzen. Die Aufnahmestaaten seien auf die Arbeiter aus dem Ausland angewiesen, wenn die wirtschaftliche Lage sich wieder verbessert.