Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Klaus Ehringfeld

Costa Rica

Das Spiel des Lebens

Große Nachfrage nach "Fútbol por la vida"

Mehr als zwei Jahre nachdem die Schule ihre Tore geöffnet hat, steigt die Nachfrage täglich. Vertreter aus Armenvierteln San Josés, in denen "Fútbol por la vida" nicht präsent ist, bitten darum, einbezogen zu werden. Auch aus anderen Städten des Landes kommen Anfragen. Doch das Geld reicht nicht aus. "Wir versuchen, niemanden abzuweisen, aber wir stoßen an unsere Grenzen", sagt Melvin Jiménez. Das Projekt besitzt keine eigenen Plätze, für die Trainingsstunden werden Anlagen von den Gemeinden, von Schulen oder Firmen angemietet; die sechs Trainer sind schon sechs Tage die Woche im Einsatz, um in drei verschiedenen Stadtteilen Kinder trainieren zu können.

Das Projekt hat so großen Erfolg, weil Fußball in Costa Rica die absolut wichtigste Sportart ist.Während sich in anderen Ländern Zentralamerikas der starke Einfluss der USA auch dadurch bemerkbar macht, dass mehr Baseball gespielt wird,huldigen die "Ticos", wie sich die Costa Ricaner selbst nennen, dem Fußball. Wenn die Nationalmannschaft spielt, kommen die Geschäfte im Land zum Erliegen und die Menschen versammeln sich vor dem Fernseher. Für die Fußballweltmeisterschaft werden in vielen Städten und Dörfern des Landes große Leinwände montiert, damit alle das Eröffnungsspiel gegen Deutschland am 9. Juni und die anderen Spiele der Nationalmannschaft verfolgen können. Für die Costa Ricaner ist es eine besondere Ehre, dass ihre Mannschaft die Weltmeisterschaft eröffnen wird.Beim Anstoß wird es in San José es elf Uhr vormittags sein.Nach dem Spiel wird in ganz Costa Rica nur noch gefeiert oder getrauert werden, je nachdem. Fest steht, dass an diesem Tag Schule und Arbeit Nebensache sein werden.

Johnny Sandino wird sich das Eröffnungsspiel natürlich auch anschauen, wo, das weiß er noch nicht. Er träumt davon, später selbst einmal im Mittelfeld der Nationalmannschaft zu stehen."Wenn das nicht klappt, werde ich Ingenieur", sagt er. In naher Zukunft zählt etwas anderes: "Wir werden Deutschland schlagen."

Der Text erschien zuerst im Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung Fluter 03/06 'Spiel der Welt - Das Fußballheft'.