Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Daniel Theweleit

Ghana

Zwei Stars in einem starken Kollektiv

"Ghana hatte schon Mannschaften, die mit besseren Einzelspielern besetzt waren", sagt Dujkovic, doch erstmals sind die Stars Charaktere, die ihre eigenen Interessen dem Kollektiv unterordnen. Kapitän Appiah gilt als hoch professioneller Spieler, ohne Allüren, "alle respektieren ihn als unangefochtenen Chef", sagt Hans Sarpei vom VfL Wolfsburg.

Wen man auch auf Appiah anspricht, alle geraten ins Schwärmen. "Stephen hat eine natürliche Autorität. Er ist sehr offen und ein großer Vermittler zwischen den Spielern, die in Ghana spielen, und denen, die in Europa leben. Er ist ein absoluter Führungsspieler", sagt Ralf Zumdick, der Co-Trainer des HSV, der zuvor einige Zeit im ghanaischen Klubfußball tätig war. Oder Deniz Baris, in Deutschland geborener Mitspieler des Mittelfeldakteurs bei Fenerbahce Istanbul: "Das ist ein Riesentyp, der lacht immer, ist immer gut gelaunt und ein wirklich außergewöhnlicher Fußballer."

Für acht Millionen Euro, so heißt es in der Presse, verpflichteten die Türken den 25 Jahre alten Appiah im Sommer 2005 von Juventus Turin. "Er ist ein Spieler, der uns mit seinen gleich starken Qualitäten in der Offensive und der Defensive noch gefehlt hat", sagt sein Klubtrainer Christoph Daum. Wenn der mehrere Millionen Euro für einen Spieler ausgibt, dann kann das durchaus als verlässliches Qualitätsmerkmal gelten.

Bereits mit 16 Jahren debütierte der wuchtige Spieler, der 80 Kilogramm auf 1,78 Meter verteilt, in der Nationalmannschaft. Damals war er noch Stürmer und wagte im gleichen Jahr direkt den Sprung nach Europa. Sein Weg führte den früh gereiften Appiah in Italien über Udine, Parma und Brescia zu Juventus Turin. Wegen der Verpflichtung des französischen Weltmeisters Patrick Vieira von Arsenal London zog es Appiah dann im Sommer 2005 Richtung Türkei. Bei Fenerbahce ist er unumstrittener Stammspieler. So mancher hätte den Kapitän eher in einer der großen europäischen Ligen gesehen, doch Appiah sieht seinen Wechsel in die SüperLig nicht als Rückschritt an. "Fenerbahce hat große Ziele. Ich will mithelfen, sie zu erreichen. Es wird mir ein Vergnügen sein, hier zu spielen", sagte er bei seiner Ankunft am Bosporus. Mit seinem Durchsetzungsvermögen im Zweikampf, seiner Torgefährlichkeit und seiner herausragenden Technik ist Stephen Appiah in Istanbul schnell zu einem Sympathieträger geworden.

Noch mehr Beachtung findet international aber im Augenblick der zweite Mann aus der ghanaischen Mittelfeldzentrale. Michael Essien ist im Sommer 2005 für 38 Millionen Euro vom Olympique Lyon zum FC Chelsea gewechselt und hat damit seinen Klubkollegen Didier Drogba als teuersten afrikanischen Spieler aller Zeiten abgelöst (2004 für 35 Millionen von Marseille ebenfalls zu Chelsea).

Der erst 23-jährige Essien, der von seinen Mitspielern anerkennend "der Büffel" genannt wird, spielte in seiner Kindheit in Accra noch mit dem zwei Tage älteren Anthony Obodai zusammen, einem Freund der heute im defensiven Mittelfeld von Sparte Rotterdam die Fäden zieht. Gemeinsam haben die beiden die Welt des Fußballs entdeckt, auch wenn Essien mittlerweile etwas erfolgreicher ist. "Wir haben uns die Spiele im Fernsehen angesehen und dann versucht, die gleichen Tricks auf unserem Lieblingsaschenplatz nachzuspielen", erzählt Essien. "Unsere Gegenspieler waren die Bäume, die wir umdribbelt haben. Da gab es so manchen Zusammenstoß. Und dann haben meine Freunde immer gesagt: 'Hör' auf zu heulen und steh' auf!' Das hat meinen heutigen Charakter geprägt." Essiens Zuverlässigkeit im Zweikampf gilt ebenso wie sein Durchsetzungsvermögen als große Stärke des schweigsamen Spielers.

"Von der Physis her, aber auch vom Einfluss auf das Spiel, ist er der beeindruckendste Spieler, mit dem ich je zusammen gespielt habe", hat sein Mannschaftskamerad Sidney Govou von Olympique Lyon einmal gesagt, und Claude Le Roy, Nationaltrainer der Demokratischen Republik Kongo und in der Qualifikation Gegner von Ghana, geht bei der Beurteilung des Strategen sogar noch einen Schritt weiter: "Er ist aktuell sicherlich der beste Spieler auf seiner Position überhaupt."