Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Daniel Theweleit

Ghana

Starke Defensive, Probleme im Sturm

Die taktische und körperliche Stärke der Mittelfeldspieler des ghanaischen Nationalteams kann wohl als Schlüssel zur beeindruckenden Defensivstärke der Mannschaft während der Qualifikation gelten. Nur vier Tore kassierten die Ghanaer in zehn Spielen. In Afrika war keiner besser.

Dafür hat die Mannschaft eine andere Schwäche, die entscheidend sein kann. "Wir haben das Problem, das alle Teams dieser Welt haben: das Toreschießen", sagt Dujkovic augenzwinkernd. Doch seine Mannschaft leidet deutlich stärker unter diesem Problem als die meisten anderen WM-Teilnehmer. "Wir brauchen Stürmer", sagt der Trainer, im Moment sei Matthew Amoah von Borussia Dortmund der beste Torschütze. Dem schmächtigen Spieler gelangen die entscheidenden Treffer in der Qualifikation, doch Amoah wird vorgeworfen, über die 90 Minuten einer Partie viel zu wenig präsent zu sein. Ein Offensivakteur von internationalem Format ist er definitiv noch nicht. Deshalb hat auch Isaac Boakye von Arminia Bielefeld, der keine Einladung für den Afrika-Cup im Januar erhalten hatte, noch gute Chancen, bei der WM im Sommer zu spielen.

Dujkovic hat sogar eine schlüssige Erklärung für die Abschlussschwäche seiner Schützlinge. "Die Spieler aus Afrika spielen in ihrer gesamten Entwicklung immer auf kleine Tore ohne Pfosten, und deshalb fehlen ihnen oft das Auge und der Instinkt für die großen Räume eines richtigen Tores", sagt der Serbe.

Gegen Südafrika, den Favoriten in der Qualifikationsgruppe haben sie trotzdem insgesamt fünf Mal getroffen, und die beiden Siege gelten als Schlüssel zur die WM-Teilnahme. "Besonders das 2:0 in Johannesburg war ein Durchbruch für uns, danach wussten wir, dass wir es wirklich schaffen können", sagt Dujkovic, schon das Hinspiel hatten die "Black Stars", wie das Team genannt wird, mit 3:0 für sich entschieden. Am Ende kam diesmal aber auch jenes Glück hinzu, das in der WM-Qualifikation der vergangenen Jahrzehnte oftmals fehlte.

Denn die Gruppe war vergleichsweise leicht. Uganda und Kap Verde sind Fußball-Winzlinge, und die Südafrikaner entpuppten sich als erschreckend schwach, fünf Jahre vor der WM im eigenen Land. Außerdem traf Ghana auf Gegner wie die Demokratische Republik Kongo oder Burkina Faso, die schlicht auf weniger erfahrene Spieler zurückgreifen können und selbst für afrikanische Verhältnisse unter haarsträubend schlechten Arbeitsbedingungen leiden.

Eine neue Professionalität führte zum Umdenken der Funktionäre

Und genau auf diesem Gebiet hat sich in Ghana zuletzt einiges entwickelt. Lange litt der Fußball auch hier unter schlimmen Defiziten im Verband, man war nicht in der Lage, vernünftige Trainingslager zu organisieren, Funktionäre verdienten sich als Spielervermittler Geld dazu, und überhaupt verschwanden die Einnahmen zu beträchtlichen Teilen in irgendwelchen dunklen Kanälen. Und das, obwohl die Verhältnisse in Ghana schon längst weitaus günstiger sind als in den meisten anderen afrikanischen Ländern. Die Armut ist nicht ganz so dramatisch, es herrscht seit langem Frieden, und die wirtschaftliche Ausgangslage ist vergleichsweise gut.

Dujkovic erzählt, der Verband in Ghana sei gerade dabei, sich kontinuierlich zu verbessern. "Die Funktionäre haben verstanden, dass das wichtig ist, sie gehen jetzt auf Seminare nach Europa, um zu lernen, wie man Strukturen schafft, die am Ende auch der Nationalmannschaft zu Gute kommen", sagt er. Man bemüht sich mittlerweile um die Ausbildung der Talente, baut einige Sportanlagen, will eine Nachwuchsliga einführen.

Geduld gehört allerdings immer noch nicht zu den Primärtugenden der ghanaischen Fußball-Funktionäre. Nach dem Vorrunden-Ausscheiden beim Afrika-Cup im Januar 2006 kursierten monatelang Gerüchte über eine mögliche Ablösung Dujkovics. Dass das Team bei dem Turnier auf die Schlüsselspieler Essien und Sulley Muntari (Udinese Calcio) hatte verzichten müssen, und am Ende auch noch Appiah verletzt war, ließ man nicht als Entschuldigung gelten. "Der Ruhm vergangener Erfolge zählt in Ghana nicht", sagt Hans Sarpei angesichts dieser bizarren Diskussion.

Dujkovic wundert das keineswegs. "Bevor ich ankam, gab es fünf Trainer in zwei Jahren", erzählt er, die WM-Qualifikation lief da schon, und auch während dieses Wettbewerbs hatte man schon den zweiten Coach gefeuert. Der Serbe habe gefragt, wie denn so etwas passieren könne, doch "die haben mir über jeden Trainer ein andere Geschichte erzählt", meint er kopfschüttelnd. Dennoch nahm er den Job an.