Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Daniel Theweleit

Ghana

Ehemaliger Torwart mit Faible für tropisches Klima

Denn Dujkovic hat schon so viele Merkwürdigkeiten in der Fußballwelt erlebt, dass er sich von der Unsicherheit eines solchen Jobs nicht mehr erschrecken lässt. Wenngleich es mittlerweile eine schwere Niederlage wäre, wenn er "die Krönung der Trainerkarriere", wie er die Weltmeisterschaft nennt, nicht als Verantwortlicher erleben dürfte.

Der ehemalige Torhüter von Roter Stern Belgrad war zuvor in Venezuela und Ruanda Trainer, "das liegt alles auf dem selben Gürtel, ich mag das tropische Klima", sagt er. Doch das ist eher ein Scherz als eine echte Vorliebe, denn eigentlich träumt auch Dujkovic wie seine Spieler von einer lukrativen Anstellung in Europa. "Ich hoffe, nach der WM habe ich einen guten Ruf", meint der 59-Jährige, der seinen Durchbruch erst erstaunlich spät schaffte, als er nämlich 2004 das kleine Ruanda zu deren ersten Teilnahme an einem Afrika-Cup überhaupt führte.

Der Erfolg bei der WM hänge nun vor allen Dingen vom ersten Spiel in der schweren Gruppe mit Tschechien, den USA und Italien ab, glaubt Dujkovic. Das sind alles Mannschaften aus den Top Ten der Fifa-Weltrangliste, und die Auftaktpartie gegen Italien sei entscheidend für den Verlauf der WM. "Ich habe Angst vor dem psychologischen Druck auf die Spieler. Es ist das erste Mal für diese Jungs, dass sie so ein wichtiges Turnier spielen. Es ist das größte Turnier der Welt, da hilft es auch nicht, dass die meisten Spieler in Europa spielen. WM ist WM, und wir spielen gegen den dreifachen Weltmeister. Unsere Jungs wissen nicht, was dort auf sie zukommt." Dujkovic selber weiß das indes auch nicht wirklich. Tschechien hält der Trainer allerdings für noch stärker als die Italiener – Zuversicht hört sich irgendwie anders an.

Doch wie die Elfenbeinküste verwenden die Ghanaer den Auftritt Senegals bei der WM 2002 als Quelle der Hoffnung. Die Senegalesen schlugen damals in der ersten Partie den Weltmeister Frankreich und erreichten das Viertelfinale. "So eine Dynamik kann sich bei uns auch entwickeln", meint der Trainer. Und die Italiener haben durchaus ihrerseits Furcht vor dieser ersten Partie. "Das wird eine ganz unangenehme Angelegenheit", meint Trainer Marcello Lippi. "Erstens, weil sie uns überraschen wollen und zweitens, weil sie großartige Spieler haben."

Marcel Desailly, der französische Weltmeister von 1998, dessen Eltern Ghanaer sind, glaubt das auch. "Die Europäer sind sich der wahren Stärken der Afrikaner nicht bewusst und spielen gegen diese Mannschaften immer etwas unkonzentriert. Und genau das ist ihre Chance." Desailly glaubt daran, dass auch diesmal ein afrikanisches Team bis ins Viertelfinale vorstoßen wird.

Ghana – die positive Ausnahme in Westafrikas Krisenterritorien

Doch selbst wenn die "Black Stars" die WM-Gruppe nicht überstehen, will der ghanaische Fußball künftig regelmäßig dabei sein, wenn es um den Weltmeistertitel geht. Gelingt es, den Verband weiter zu professionalisieren, stehen die Chancen dafür tatsächlich sehr gut, denn die Voraussetzungen im Land sind hervorragend.

Beim Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland heißt es, "Deutschland sieht in Ghana ein für den afrikanischen Kontinent vorbildliches Land, gemessen an demokratischen Grundsätzen, Rechtsstaatlichkeit einschließlich Wahrung der Menschenrechte und innerer Stabilität". Ghana betreibt erfolgreich eine Politik guter Nachbarschaft und subregionaler Integration. Es lebt mit allen seinen Nachbarn in Frieden. Ein gutes Verhältnis besteht auch zu dem ebenfalls anglophonen Staat Nigeria, der Ghana zu relativ günstigen Preisen Erdöl liefert. Für Reisende, die Westafrika kennen lernen wollen, ist Ghana ein wunderbarer Einstieg, es ist tropisch heiß, es gibt schöne Strände und in keinem Nachbarstaat ist die Sicherheitslage besser.

Zudem findet der kommende Afrika-Cup 2008 in Ghana statt, bevor dann 2010 erstmals eine Weltmeisterschaft in Afrika ausgetragen wird. Die Stars von heute sind auch dann noch im besten Fußballeralter – vielleicht kann diese Fußballnation in den kommenden Jahren tatsächlich nachholen, was sie in den Jahrzehnten zuvor leichtfertig verschenkt hat. Dujkovic jedenfalls ist davon überzeugt. "Ich glaube, dass Ghana die stärkste afrikanische Fußballnation werden wird, denn wir bekommen jetzt erstmals größere Summen von Sponsoren, und die WM-Teilnahme bringt uns viel Geld von der Fifa. Das wird uns ermöglichen, Sportanlagen zu bauen und künftig deutlich bessere Arbeit zu leisten."