Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Philipp Kreisselmeier

Italien

Der Erfolg der frühen Jahre

Dem fulminanten Start der azzurri auf dem internationalen Parkett in den 30er Jahren folgte eine lange Durststrecke für den Calcio – auch über den Zweiten Weltkrieg hinaus. Ein Tiefpunkt dieser Entwicklung wurde im England des Jahres 1966 erreicht. An diese WM, die für die Deutschen wegen des "Tors von Wembley" unvergessen ist, denkt das Belpaese sehr ungern zurück: Italien scheiterte schon in der Vorrunde, und zwar schändlicherweise an den kommunistischen Nobodies aus Nordkorea. – Die Ursachenforschung nach dem Schock ergab: Zu viele Ausländer in der Profiliga (wo man schon Geld verdienen konnte, lange ehe in Westdeutschland die Bundesliga erfunden wurde, ja schon vor dem Krieg!) Und der Verband beschloss einen Anwerbestopp für "Legionäre"- übrigens ein Fachausdruck, der von der italienischen Sportpresse geprägt worden ist. Und nicht nur der antike Kämpfer-Begriff legionari wurde umgemünzt auf die zahlreichen Gastkicker - in einem besonders erfolgreichen Fall bekamen sie auch einen kollektiven Spitznamen:

Die ersten Legionäre kamen aus Schweden

Der schier unbezwingbare Sturm des AC Mailand bestand in den 50er Jahren aus den Schweden Gren, Nordahl und Liedholm – für italienische Ohren war die Kurzform "GreNoLi" um einiges eingängiger. Sehr viel später wollte der Zufall, dass der Name Völler, italienisch ausgesprochen, ans Fliegen denken ließ (volare). Denn auch deutsche Kicker sind natürlich aus jüngerer und älterer Vergangenheit erinnerlich (da das Legionärsverbot in den 70er Jahren wieder aufgehoben wurde): Haller, Schnellinger, Rummenigge, Briegel, Bierhoff, der "fliegende" Hanauer...; und was die Gastarbeiter auf dem Rasen angeht eine Klasse für sich: der Argentinier Maradona, der den SSC Napoli in den späten 80er Jahren von einem Erfolg zum nächsten schoss und heute Mitgastgeber einer populären Fernsehshow der RAI ist.

Dass die italienische Profiliga sich so weidlich aus dem Ausland verstärken konnte, lag unter anderem an dem vielen Geld, das früher als anderswo in den beliebtesten Sport des Landes gesteckt wurde. Zu den ersten, die sich auf diesem Geschäftsfeld betätigten, gehörte in Turin der FIAT-Clan der Agnellis - schon in den 1920er Jahren. Und längst nicht der letzte Unternehmer, der als Präsident eines Fußballklubs nationale Aufmerksamkeit erlangte, war in den 80ern beim AC Mailand Silvio Berlusconi. Im Sportteil der Zeitungen legte er den Grundstein zu seiner politischen Karriere; seinen späteren Wählern bekannt geworden ist der abgewählte Ministerpräsident als Milan-Boss. Die Entscheidungen, die er in dieser Funktion traf, waren auch weniger anfechtbar als sein heutiges Handeln: etwa die Verpflichtung von Coach Arrigo Sacchi im Jahr 1987, der mit seinem für Italien modernen, offensiven Stil schon im Jahr darauf den Meistertitel nach Mailand holte und danach mit seinem Team zweimal hintereinander UEFA-Champion wurde.