Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Philipp Kreisselmeier

Italien

Ohne das Fernsehen geht gar nichts

Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Abonnentenzahlen des bezahlten Sport-Fernsehens gegenläufig zu diesem Trend entwickeln. Murdochs Sender Sky hat Anfang des Jahres mitgeteilt, die angepeilte Zahl von dreieinhalb Millionen Kunden überschritten zu haben, und bei dieser Gelegenheit die Hoffnung geäußert, aus Anlass der WM in Deutschland die Vier-Millionen-Marke zu knacken. Dabei werden alle Spiele mit italienischer Beteiligung und Alles ab dem Viertelfinale auch bei der RAI gezeigt, und ihre private Konkurrenz, der Berlusconi-Konzern Mediaset, hat sich die Übertragungs-Rechte am gesamten Turnier gesichert. Die Gebote für die mondiali in Germania waren ein Politikum; dass das Staatsfensehen RAI sich so vornehm zurückhielt, schrieben manche Kritiker dem Einfluss des Ministerpräsidenten zu, der, wie es hieß, dem kommerziellen Fernsehen den Zuschlag zukommen lassen wollte. Ein Vorwurf, der sich nicht klären ließ – aber so ist das mit Berlusconi und seinem Interessenkonflikt generell. Aparterweise hat das Gesetz, das die Mitte-rechts-Regierung angeblich zur Behebung dieses conflitto d´interessi geschaffen hat, nichts daran geändert, dass der Ministerpräsident gleichzeitig Mitbesitzer des größten Medienimperiums im Lande sein kann; es hatte aber zur Folge, dass er die Präsidentschaft bei Milan niederlegen musste. Denn das Gesetz verbietet nicht das Eigentum an einem Wirtschaftsunternehmen, so dass Berlusconis Einfluss auf die Mediaset unangetastet ist. (Dass er beteuert, sich um dieses Geschäft niemals zu kümmern, nehmen ihm seine Gegner nicht ab.) Nur eine operative Rolle in einem Unternehmen, wie auch der AC eines ist, darf ein Politiker nicht mehr innehaben.

Silvio Berlusconi braucht deshalb aber nicht um den Einfluss auf seinen Klub und auf die Geschicke des Profifußballs zu bangen. Seine Stelle bei Milan vertritt Adriano Galliani, ein Mann seines vollen Vertrauens; und, à propos Interessenkonflikt, Galliani ist auch Chef der Liga...