Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Philipp Kreisselmeier

Italien

Marcello Lippi

Doch während der italienische Ministerpräsident sich wohl durchaus noch um die Belange seines alten Vereins kümmert - was die Nationalmannschaft angeht, ist er nicht schlimmer als die anderen 57 Millionen Trainer. Denn es ergeht dem Coach der squadra azzurra nicht anders als Jürgen Klinsmann in Deutschland: Was immer er entscheidet, der Rest des Landes weiß es besser. Marcello Lippi, im Amt seit Juli 2004 und mithin fast sofort ins kalte Wasser der WM-Qualifikation geworfen, ist da noch vergleichsweise gut dran.

Unter seiner Leitung schaffte die Italien-Elf, was ihr zuvor nur 1982 vor dem Titelgewinn in Spanien gelungen war: den Gruppensieg, der die Teilnahme an der WM 2006 ohne weitere Relegations-Spiele ermöglicht hat. Die anfängliche Kritik an Lippi, der in seinen Medien-Statements viel weniger unterhaltsam ist als sein Vorgänger Trapattoni (auch in seiner Muttersprache, in der er z.B. das Geflügelte Wort geprägt hat: "Sage nicht 'Katze', ehe du sie nicht im Sack hast"), ist dadurch verstummt.

Glanzlose Qualifikation

So richtrig rosig war der Weg nach Deutschland allerdings nicht: Der 1:0-Pflichtsieg gegen die Gäste aus Slowenien beispielsweise wurde von den Fachleuten als "schmucklos" eingestuft, wobei das Auswärts-Hinspiel sogar verlorengegangen war. Gegen Norwegen, das beim Qualifikations-Auftakt in Palermo wenigstens mit 2:1 bezwungen wurde, gab es im Rückspiel in 90 langweiligen Minuten nur einen einzigen italienischen Schuss aufs gegnerische Tor und nur ein 0:0; und auch die ebenfalls wenig attraktiven Partie in Schottland endete unentschieden, 1:1. Immerhin: Lippi nutzte in den Qualifikationsspielen die Gelegenheit, viele junge Neue auszuprobieren; und er hatte damit so viel Erfolg, dass die Auswahl, die er aus seinem Aufgebot für Deutschland tatsächlich treffen wird, einige Neuheiten und Überraschungen bringen könnte.

Gleichzeitig kann Lippi auf bewährte Recken bauen: das exzellente Verteidiger-Gespann Nesta und Cannavaro etwa, das ebenso wie die Stürmer Totti und Del Piero schon einige internationale Turniere auf dem Buckel hat. Hinzu kommt der gegenwärtige Spitzen-Torjäger der Serie A, Luca Toni, der zwar noch nicht an Europa- oder Weltmeisterschaften teilgenommen hat, nach seinen Leistungen in der Qualifikation für 2006 aber wohl mit einem Stammplatz in Lippis Nazionale rechnen kann.

Gute Chancen im Turnier

Mit dieser Mischung aus gelassenen Routiniers und erfolgshungrigen Jungstars kann es das italienische Team im Juni und Juli in Deutschland weit bringen. Seine Fans sind notorisch optimistisch und glauben, zumal nach dem 3:1 im letzten Freundschaftsspiel im November gegen die Niederlande, dass die Suadra Azzurra auch traditionelle Angstgegner nicht zu fürchten braucht (zu denen an vorderster Stelle Gastgeber Deutschland gehört). Nach einigen vergeigten Europameisterschaften, nach dem Ausscheiden im Achtelfinale bei der WM 2002 in Asien (unter anderem wegen der unvergessen miserablen Leistung des Schiedsrichters Moreno in der Partie gegen Mitgastgeber Südkorea), und 24 Jahre nach dem letzten globalen Titelgewinn findet Fußball-Italien es mal wieder an der Zeit, Weltmeister zu werden.