Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Zdravko Lipovac

Kroatien

Die Umbrüche der 90er Jahre

Schon bei den Vorbereitungen der jugoslawischen Mannschaft für das Turnier 1990 wurde deutlich, dass die Kroaten weder ein Teil des jugoslawischen Staates sein wollten noch dessen Staatssymbole als ihre eigenen ansahen. Kurz vor der Weltmeisterschaft wurde das Freundschaftsspiel zwischen Jugoslawien und Niederlande ausgetragen. Als die jugoslawische Hymne angestimmt wurde, hat das ganze Stadion in Zagreb den Spielern den Rücken gekehrt und laut gepfiffen, während die Hymne der Gastmannschaft mit Respekt gehört wurde. Vor dem Ausbruch des Krieges in Kroatien hat das kroatische Team mit der speziellen Erlaubnis des jugoslawischen Fußballverbands das internationale Spiel gegen die USA austragen dürfen. Das Stadion Maksimir war ausverkauft, die Tribünen waren gefärbt durch kroatische rot-weiß-karierte Flaggen mit dem Staatssymbol . Das Stadion war ein Wunschsymbol für die kroatische Unabhängigkeit, die im Juni 1992 erkämpft wurde und die ihre internationale Anerkennung im Januar 1993 erhielt.

Die Kroaten waren schon immer sehr fußballbegeistert und hatten Weltklassespieler in ihren Mannschaften. In den 1950er-Jahren spielten in der damals sehr starken jugoslawischen Nationalmannschaft Torwart Vladimir Beara und die berühmten Stürmer Branko Zebec, Zlatko Cajkovski, Ivica Horvat und Bernard Vukas. Die Mehrheit von ihnen wurde von den Machthabern des kommunistischen Regimes aus Belgrad nach Partizan transferiert. Zlatko Cajkovski und Branko Zebec haben auch in der deutschen Bundesliga Spuren hinterlassen - als Trainer von Bayern München, Hamburger SV und 1.FC Köln. Außerdem hat Bayern-Spieler Franz Beckenbauermehrmals hervorgehoben, dass Cajkovski und Zebec zu seinen besten Trainern gehörten. In der Bundesliga haben in den 1970er- und 1980er-Jahren die Kroaten Ivan Buljan (HSV) und Dragen Holzer (Stuttgart) mit der Kapitänsbinde sehr erfolgreich gespielt. Heute leben beide in Split, wo sie einst ihre Karriere begonnen hatten

Erste Schritte

Den ersten bedeutsamen Schritt auf der internationalen Ebene hat Kroatien 1996 bei der Europameisterschaft in England gemacht. Damals schied es im Viertelfinale gegen Deutschland aus, dem späteren Europameister mit Jürgen Klinsmann und Matthias Sammer. Aber schon bald hatten sich die Kroaten gegenüber der deutschen Elf revanchiert. Bei der WM in Frankreich haben Boban, Suker, Prosinecki und viele weitere Spieler gegen das Team von Berti Vogts im Viertelfinale gewonnen. Im Halbfinale führten sie dann vergeblich zweimal gegen den späteren Weltmeister Frankreich. Im Kampf um den dritten Platz waren sie anschließend besser als die starke niederländische Mannschaft und gewannen sogar Bronzen. In Kroatien wurden sie wie nationale Helden empfangen, ähnlich wie das bei den Deutschen 1954 beim Wunder von Bern der Fall gewesen war, als Kapitän Fritz Walter mit seinen Spielern gegen die favorisierte ungarische Mannschaft gewonnen hatten und zum ersten Mal als Weltmeister nach Deutschland zurückkehrten.

Im Jahre 2002 hatte sich Kroatien wieder für die WM-Teilnahme qualifiziert - mit Kapitän Boris Zivkovis, damals Bayer Leverkusen. Trotz eines Sieges gegen Italien scheiterten die Kroaten schon in der Vorrunde an den Mannschaften aus Mexiko und Ecuuador. Nach dieser Enttäuschung rechnen sich die Spieler eine gute Platzierung bei der WM 2006 in Deutschland aus. Für die kroatische Nationalmannschaft werden viele Spieler auflaufen, die als Legionäre in der deutschen Bundesliga spielen. Darüber hinaus kann sie der Unterstützung von 300.000 Kroaten, die in Deutschland leben, sicher sein. Aus Kroatien werden zusätzlich Tausende von Fans anreisen. Die Eintrittskarten gegen Brasilien (Berlin am 13. Juni), Japan ( Nürnberg am 18. Juni) und Australien (Stuttgart am 22. Juni) sind pures Gold wert. Der Optimismus der Kroaten beruht darauf, dass sie wie ein Wirbelsturm durch die Qualifikation fegten, obwohl zu ihren Gegnern die starken schwedischen und bulgarischen Mannschaften zählten. Zudem gehörten zur Gruppe: Ungarn, Island und die Outsider aus Malta. Die Mannschaft von Zlatko Kranjcar erreichte insgesamt 24 Punkte - mit sieben Siegen, drei Unentschieden und ohne Niederlage. Der Held dabei war Dario Srna, der jeweils die entscheidenden Tore im Duell gegen den Gruppenzweiten Schweden erzielte.