Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Gunda Wienke

Paraguay

Alter schützt vor Torheit nicht

Der bekannteste Spieler Paraguays José Luis Chilavert (40 Jahre) ist nicht mehr dabei. Der Koloss (1,92 m, 94 kg) mit dem explosiven Temperament, gibt inzwischen heftigst und gerne den Kritiker. An Nationaltrainer Aníbal Ruiz gerichtet, nörgelte er: "Seit einem halben Jahr weise ich darauf hin, dass man zu einer WM nicht mit 35-Jährigen fährt." Gemeint sind seine ehemaligen Teamkollegen Carlos Gamarra, Roberto Acuña und José Cardozo. "Ich habe nichts gegen sie, aber das Alter spricht gegen sie".

Bei der vergangenen WM in Japan und Korea (2002) hatte er diese von ihm kritisierte Altersgrenze längst überschritten, und diese Tatsache hinderte ihn genauso wenig daran, sich selbst großspurig als "Prototypen des Torhüters des dritten Jahrtausends" anzupreisen. Wobei man zugute halten muss, dass Chilaverts offensive und risikoreiche Spielweise tatsächlich zukunftweisend war .

2003 entschied sich der uruguayische Coach Aníbal Ruiz, nach einer Niederlage bei einem Freundschaftsspiel in Costa Rica gegen den "alten" Schlussmann, der darauf pikiert das Handtuch warf und seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärte. Hintergrund der beständigen Attacken gegen Ruiz ist neben dieser "Kränkung" auch der offensichtliche Wunsch des "Volkshelden" , Nationaltrainer Paraguays zu werden.

Trainer "Liebling" Aníbal Ruiz

Der Uruguayer Aníbal Ruiz, Spitzname "El Maño", was soviel heißt wie "Liebling", übernahm den Posten vom Italiener Cesare Maldini. Zunächst nur als Zwischenlösung vorgesehen, wurde er im April 2003 im Amt bestätigt und ist einer von nur drei Nationaltrainern, an denen während der Südamerika-Qualifikation vom jeweiligen Verband her durchgehend festgehalten wurde. Im April wurde er von der uruguayischen Zeitschrift "El País" zum besten südamerikanischen Trainer 2005 gewählt. Bevor er das Nationalteam trainierte, kümmerte er sich um die paraguayische Jugendmannschaft und war Trainer bei Vereinen in der Primera División Paraguays.

Guaraníes – eine gute Mischung aus Alt und Jung

Die "Guaraníes" haben den Ruf, einen zu defensiven Stil zu pflegen. In einem Interview mit Albigol, einer Internetseite über den paraguayischen Fußball, relativiert Nationaltrainer Ruiz den Vorwurf des destruktiven Spiels: "Der Lebensstil und die Wesensart jedes Volkes korreliert mit seiner Spielweise. [...] Jeder spielt seinen Möglichkeiten entsprechend. Die Mittel von Griechenland waren legitim, genauso wie es diejenigen von Paraguay sind. Was Fußball angeht, halte ich Ausgeglichenheit für das Wichtigste. Ebenso wie im Leben muss man im Fußball ausgeglichen sein, um dadurch Großes anstreben zu können."

Die wichtigste Aufgabe des umgänglichen und aufgeschlossenen Ruiz bestand zunächst im Umbau der Nationalmannschaft. Er schuf eine gelungene Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Justo Villar hat sich als würdiger Nachfolger des großen José Luis Chilavert im Tor erwiesen. In der Abwehr gibt der erfahrene Kapitän Carlos Gamarra den Ton an. Im Mittelfeld spielen die jungen Silbermedaillengewinner des Olympischen Fußball-Turniers von Athen 2004, Julio Dos Santos und Edgar Barreto. Im Angriff stehen, der unverwüstliche José Cardozo und die beiden Bundesligisten Nelson Valdez und Roque Santa Cruz.

Santa Cruz, der "Chico" (Junge) genannt wird, ist der populärste Fußballer in seiner Heimat. Der Dortmunder Nelson Valdez hingegen ist für viele Paraguayer die große Neuentdeckung. Aníbal Ruiz hatte ihn, als dieser noch in Paraguay kickte, nicht nominiert. Erst durch seine Erfolge mit Werder Bremen spielte er sich in das Team.

Sein Namensvetter Nelson Cuevas ist die Überraschung in den Reihen der paraguayischen Nationalelf. Der Stürmer mit dem Spitznamen "Pipino" sicherte mit seinem Treffer gegen Slowenien bei der WM 2002 seinem Team den Einzug ins Achtelfinale. Ähnlich wie David Odonkor bei den Deutschen ist er sehr sprintstark. "Ich habe mich für Nelson entschieden, da er ein schneller Mann ist, der auf der Außenbahn Löcher reißt und immer eine ausgezeichnete Alternative darstellt. Durch ihn ergeben sich eine Vielzahl nützlicher Spielvarianten", kommentiert der Nationaltrainer seine Entscheidung.