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Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Gunda Wienke

Paraguay

Über das Achtelfinale hinaus

Die Paraguayer haben sich für 2006 vorgenommen, das Viertelfinale zu erreichen. 1986, 1998 und 2002 schieden sie jeweils im Achtelfinale aus. In Mexiko gegen England waren sie mit 0:3 noch klar unterlegen, aber in Frankreich und Japan/Korea unterlagen sie den späteren Turnierfinalisten im Achtelfinale nur jeweils knapp. 1998 sicherte erst das Golden Goal Laurent Blancs in der 113. Minute Frankreich den Sieg. Im Spiel gegen Deutschland bei der WM vor vier Jahren gelang Oliver Neuville in der 88. Minute der entscheidende Treffer. Welttorhüter Oliver Kahn wollte damals seinen Kollegen Chilavert trösten. Doch der hatte den Trost nicht nötig, er sei über die Niederlage schon hinweg. Später gab er seinen Berufskollegen mit auf den Weg: "Im Fußball gibt es keinen Druck. Druck haben nur die Armen, die nichts zu essen haben. Man sollte das Ambiente des Fußball nicht sinnlos dramatisieren."

Fußball in Paraguay ist exportorientiert

Das dünnbesiedelte südamerikanische Land umfasst mit ca. 400.000 km² die Fläche der alten Bundesrepublik, aber mit rund sechs Millionen weniger Einwohnern, als der Deutsche-Fußball-Bund Mitglieder zählt. Das Agrarland ist zweisprachig. Spanisch und Guaraní sind die Landessprachen. Guaraní ist die Sprache der Ureinwohner, und obwohl der Anteil der Indigenen im Vergleich zu Ländern wie Bolivien, Peru oder Ecuador gering ausfällt, ist deren Kultur stark verwurzelt. Das Nationalteam hat nicht nur seinen Namen Guaraní von den Ureinwohnern, sondern nutzt auf dem Platz auch deren Sprache, um sich untereinander zu verständigen und dem Gegner zumindest in der Kommunikation keine Vorlage zu liefern. Nur vier Spieler des aktuellen Nationalteams (davon zwei Ersatztorhüter) spielen in der ersten paraguayischen Liga. Von zehn Klubs kommen sechs aus der Hauptstadt Asunción. Auf die ewigen Rivalen Cerro Porteño und Olimpia Asunción entfallen mehr als Zweidrittel aller Titel.

Die Gehälter, die in der Liga gezahlt werden, sind bescheiden. Lediglich in den großen Klubs verdienen die besten Spieler monatlich zwischen 2.500 und 3.000 US-Dollar. Bescheiden ist auch der Zuschauerzuspruch, es gibt kaum zahlende Gäste auf den Rängen. Der Schnitt bewegt sich zwischen 500 und 1.500 Besuchern – bei Eintrittspreisen von zwei bis fünf US-Dollars. Spitzenklubs wie Cerro Porteño verfügen gerade mal über ein Budget von 2,2 Millionen US-Dollar pro Jahr. Die Einnahmen aus Ticketverkäufen, Sponsorenbeiträgen und Übertragungsrechten belaufen sich aber nur auf rund 800.000 US-Dollar. Um zu überleben, sind die Klubs auf Transfers mit hohen Ablösesummen angewiesen. Im Durchschnitt muss ein Verein zwei bis drei Akteure pro Jahr ins Ausland verkaufen. (Bayern-Manager Uli Hoeneß, der kürzlich auf Einkaufstour in Paraguay war und Julio dos Santos "erwarb", stöhnte: "Die Leute dort haben zum Teil derart unrealistische Vorstellungen, dass man fast die Lust an diesen Verhandlungen verliert").

Auch in Paraguay sind die Vereine mitunter "Spielzeug" finanzstarker Präsidenten. Als der Sponsor und Vereinpräsident Osvaldo Dominguez Dibb den Traditionsklub Olimpia, international erfolgreich als mehrmaliger Gewinner der Copa Libertadores (Südamerikas Pendant zur Champions League), 2004 verließ, fand sich dieser kurz darauf am Tabellenende der nationalen Liga wieder.

Fußballschulen mit großem Zulauf

Laut Expertenmeinung werden gut 30 Millionen US-Dollar im paraguayischen Fußball bewegt. Darin enthalten sind die Umsätze der zahlreichen Fußballschulen - in und um Asunción rund 80 Stück - in denen 50.000 bis 70.000 Nachwuchstalente zwischen 6 und 14 Jahren gefördert werden. Diese "Ausbildungsmaßnahmen" scheinen Erfolg zu haben, denn Spieler aus Paraguay erfreuen sich zunehmender "Nachfrage". Die Teilnahme der "Albirroja" an der WM ist daher auch unter finanziellen Aspekten attraktiv: Präsentiert sich das Team gut, steigt die Aussicht auf Einnahmen aus künftigen Transfers. Die direkten Nachbarn Argentinien und Brasilien bleiben bevorzugte Abnehmer, aber zunehmend werden auch Vereine der großen europäischen Ligen auf die paraguayischen Spieler aufmerksam.