Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Marco Bertolaso

Portugal

Vorfreude bei den Portugiesen in Deutschland

Portugals National-Mannschaft, Foto: Francisco Paraíso / FPFPortugals National-Mannschaft, Foto: Francisco Paraíso / FPF
Am 4. Juni bezieht Portugal das WM-Quartier im westfälischen Marienfeld. Nebenan in Gütersloh wird auch öffentlich trainiert. Die Mannschaft setzt stark auf die Unterstützung der rund 150.000 Landsleute in Deutschland. Schon das Vorbereitungsspiel in Düsseldorf war eine Geste. Viele Emigranten werden nach Marienfeld pilgern, und am 10. und 11. Juni geht es in Köln richtig hoch her: Am 11. Juni trifft Portugal dort zum WM-Auftakt auf die ehemalige Kolonie Angola; tags zuvor wollen die Portugiesen am Nationalfeiertag ein Riesenfest in Köln feiern. Zweiter Gegner ist am 17. Juni in Frankfurt am Main der Iran, und am 21. Juni wird man nach dem Spiel auf Schalke gegen Mexiko wissen, ob Portugal zum zweiten Mal bei einer WM die Vorrunde überstanden hat. Unterkunft und Spielorte passen gut zur bei uns wenig beachteten portugiesischen Gemeinschaft. Ihre Zeitung, die "Portugal Post", erscheint in Dortmund, unweit von Marienfeld. Köln bietet nicht nur echte Pastelarias; hier produziert der WDR im Funkhaus Europa "Lusomania", die einzige deutsch-portugiesische Radiosendung. Frankfurt schließlich kann die einzige portugiesische Buchhandlung Deutschlands vorweisen. Für Neugierige gibt es aber auch in vielen anderen Städten portugiesisches Leben zu entdecken - und natürlich in Portugal selbst.

Portugal - multikulturelle Heimat erstklassiger Fußballer

Landeanflug auf Lissabon. Auch wer ungern fliegt, riskiert einen Blick aus dem Fenster. Nördlich der Stadt wachsen Satellitenstädte aus dem Hügelland, Zeichen der Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte. Hier wohnen Menschen, die auf dem Land keine Zukunft mehr sahen. Neben ihnen leben Familien, die nach der Unabhängigkeit der Kolonien aus Afrika zurückgekehrt sind. Hier wohnen aber auch Angolaner, Mosambikaner oder Kapverder, die es aus den Elendsvierteln in die bürgerlichen Vorstädte geschafft haben. Möglich, dass da unten gerade ein paar Jungs gegen den Ball treten, weiße und schwarze, aus denen Nationalspieler werden. Unter den Straßenfußballern sieht man immer öfter Kinder der jüngsten Einwanderungswelle, Ukrainer, Russen und Rumänen. Ihre Väter schuften auf vielen Baustellen. Sie haben auch die modernen Stadien von Benfica und Sporting Lissabon mitgebaut, über die wir Sekunden vor der Landung fliegen. Ob in einem dieser Stadien irgendwann einmal ein junger Mann mit slawischem Namen für Portugal auflaufen wird?

Desporto Rei - der Fußball regiert die Medien

Jubelnde Fans beim Länderspiel Portugal gegen Düsseldorf. Foto: Francisco Paraíso / FPFJubelnde Fans beim Länderspiel Portugal gegen Düsseldorf. Foto: Francisco Paraíso / FPF
Fußball ist wichtig in Portugal, vielleicht zu wichtig. Man nennt ihn Desporto Rei, Königssport. Viele halten ihrem Club lebenslange Treue, vor allem den "Großen Drei", schön geordnet nach Farben und Wappentier: Benfica Lissabon, Farbe rot, genannt die Adler. Lokalrivale Sporting, grün, bietet den Löwen auf. Der F.C. Porto, Farbe blau, identifiziert sich mit dem Drachen. Hart ist die Lokalrivalität der Hauptstadtclubs, manchmal erbittert die Konkurrenz zwischen den Vereinen aus Lissabon und Porto, wo man den leichteren Lebenswandel der Hauptstadt misstrauisch beäugt. Aber solche Formen der Fußballbegeisterung gibt es überall.

In Portugal geht die Sache weiter. Schon am Flughafenkiosk fallen "A Bola", "Record" und "O Jogo" ins Auge, drei Tageszeitungen nur zum Thema Fußball. Gut verkaufen sich auch die vielen Vereinsblätter. Selbst seriöse Zeitungen hieven Fußballthemen problemlos auf die erste Seite. Und erst das Fernsehen: die Nachrichten der staatlichen RTP oder der Privatsender TVI und SIC machen den Fußball oft zum Aufmacher und widmen ihm endlos scheinende Sendezeit. Wer wissen will, was in der Welt passiert, hat Pech.