Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

9.5.2006 | Von:
Gunter A. Pilz

Hooligans

Unterschiede des Hooliganismus in den Alten und Neuen Bundesländern

Bezüglich dieser beiden Hooligangruppierungen lassen in den Alten und Neuen Bundesländern unterschiedliche Entwicklungslinien festmachen. In den Alten Bundesländern tendiert die Balance zwischen der beiden Hooligangruppierungen mehr in Richtung "Selbstdurchsetzung", hier stammen die Hooligans mehr aus der mittleren und oberen Mittelschicht, bzw. aus gehobeneren Sozial- und Bildungsniveaus, während sie in den Neuen Bundesländern eindeutig in Richtung "Selbstbehauptung" und untere Sozialschichten und niedrige Sozial- und Bildungsniveaus zeigt, was vor allem mit der wachsenden Perspektivlosigkeit junger Menschen in den Neunen Bundesländern zu tun hat. Darüber hinaus ist in den Alten Bundesländern festzustellen, dass die vor allem im Zeitraum von 1985 bis 1998 sehr aktive Hooliganszene vor allem im nationalen Bereich immer mehr an Bedeutung zu verliert, die Balance zwischen Fußballbegeisterung und Fußballrandale sich in den letzten Jahren deutlich zu Gunsten der Fußballbegeisterung verlagert. Hooligans scheinen in den Alten Bundesländern - auch wenn sich im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2006 Alt-Hools nochmals zu reaktivieren scheinen - ein nationales Auslaufmodell zu sein. Das Nationale Konzept Sport und Sicherheit mit seiner ausgewogenen Balance von Repression und Prävention scheint erste Früchte zu tragen.

In den Neuen Bundesländern hingegen können wir eher ein Aufblühen des Hooliganismus - vor allem des Hooliganismus der Selbstbehauptung -konstatieren. Zum Teil sogar die Entwicklung einer Hooliganallianz, zumindest Hooliganstimmung gegen die die Fußballfans, Hooligans der Alten Bundesländer. Hier wird von den jeweiligen Ultragruppierungen und Hooligans eine Kultur der Feindschaft aufgebaut und gepflegt, die sich bereits in vielen Ausschreitungen die an die Ausschreitungen während der Blüte des Hooliganismus Mitte der 80-er bis Mitte der 90-er Jahre erinnern, zwischen Ultras von Vereinen der neuen und alten Bundesländer der 1., vornehmlich aber 2. Bundesliga und der dritten Ligen bahn brechen.

Hier scheint sich ein neuer "Klassenkampf" zu entwickeln, der sich auch schon in den entsprechenden Fanzines widerspiegelt. In dem von Ultragruppierungen der neuen Bundesländer herausgegebenen Fanzine "Blickfang Ost" werden beispielsweise auf der Titelseite hinter dem Banner "Im Osten geht die Sonne auf" finster dreinblickende, maskierte und drohende Ultras der neuen Bundesländer gezeigt und auf der Rückseite steht dann zu lesen "Im Westen geht sie unter" wobei man hinter Stacheldraht (die alte Zonengrenze markierend) einen West-Ultra am Boden liegen sieht, während hinten (im Osten) die geklauten, eroberten Schals der West-Ultras als Siegestrophäen hängen. Es ist unverkennbar, dass einige Ultragrupppierungen sowohl der neuen als auch der alten Bundesländer gegen einander mobil machen! Ein Szenario das für 2006 sehr genau beobachtet werden muss.