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Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

9.5.2006 | Von:
Gunter A. Pilz

Fan-Projekte

Für eine klare Grenzziehung zwischen Fan- und Fansozialarbeit

Der DFB und die DFL fordern im § 30 der "Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen" von jedem Bundesligaverein die Einsetzung eines Fanbetreuers. Wörtlich heißt es:
  1. Der Verein muss einen Fanbetreuer einsetzen.
  2. Aufgabe des Fan-Betreuers ist es u. a., alle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet und erforderlich sind, die Anhänger des eigenen Vereins von sicherheitsgefährdenden Verhaltensweisen innerhalb und außerhalb der Platzanlagen abzuhalten. Dabei ist besonders anzustreben, dass Gewaltneigungen erkannt und abgebaut sowie bestehende "Feindbilder" beseitigt oder reduziert werden.
Die unter Absatz 2 genannten Ziele sollen vom Fan-Betreuer insbesondere durch folgende Maßnahmen erreicht werden:
  • Besprechungen mit den Anhängern, Weitergabe von Informationen,
  • Veranstaltungen mit den Anhängern, an denen Vereinsmitarbeiter und Spieler beteiligt werden,
  • Aufenthalte bei den Anhängern während der Heim- und Auswärtsspiele und gezieltes Einwirken auf sie in gefährlichen Situationen."


Die hier beschriebenen und geforderten, in den "Empfehlungen für die Vereine und Tochtergesellschaften der Bundesliga und der 2. Bundesliga sowie der Regionalligen" konkretisierten Aufgabenfelder und Qualifikationsanforderungen eines Fanbetreuers gehen meines Erachtens zu weit und bringen nicht nur den Fanbetreuer als Angestellten des Vereins in Konflikte, wenn er einerseits die berechtigten Interessen des Vereins und andererseits in sozialpädagogischer Intention die Interessen der Fans in Einklang zu bringen versucht, sondern sie können auch eine unbelastete und wichtige Kooperation zwischen Fanbetreuern und Fansozialarbeitern gefährden. Auch wenn die Aufgabenfelder des Fan-Betreuers denen der Fanprojekt-Mitarbeiter/-innen ähneln, in manchen Punkten deckungsgleich erscheinen:

Das Fan-Projekt kann und darf nicht die Außenstelle der Fan-Betreuung des Vereins sein und umgekehrt: Fan-Betreuer leisten keine Soziale Arbeit, auch wenn natürlich hier eine sehr enge Zusammenarbeit geboten ist. Im Interesse einer fruchtbaren Zusammenarbeit ist hier eine klare Abgrenzung vorzunehmen zwischen den Aufgabenbereichen der Fanprojekte, deren Unabhängigkeit vom Verein im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit bewusst hervorgehoben und gefordert wird, und denen der Fan-Betreuer, die im Dienst der Vereine stehend für die Fans tätig sind. Im Rahmen ihrer Tätigkeit leisten Fan-Betreuer auch Präventionsarbeit, durchaus wichtige Präventionsarbeit als Dienstleister für die Fans und Vereine und sind somit auch ein wichtiges Bindeglied zwischen Verein und Fan-Projekt. Fanprojektarbeit hingegen steht ausschließlich im Dienste der Prävention (hier überschneiden sich die durchaus Aufgabengebiete, die einer einfühlsamen Abstimmung bedürfen) und Intervention im Sinne einer langfristigen Befriedung der Fan-/Ultra und Hooliganszene. Die Tatsache, dass im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit gefordert wird, ja zwingend vorgeschrieben wird, dass die Fan-Projekte unabhängig vom Verein sein müssen, hat deshalb auch seinen guten Grund.

Es kann und darf deshalb auch nicht sein, dass durch die Einführung eines Fanbetreuers und die Ausweitung dessen Tätigkeitsfeldes um sozialpädagogische Aufgaben diese klare Trennung und Unabhängigkeit der Sozialen Arbeit im Fußballumfeld quasi durch die Hintertür droht wieder aufgehoben zu werden. Die Herausarbeitung eines klaren Profils für Fan-Betreuer und Fan-Pädagogen, eines klar abgegrenzten Aufgabenkataloges für Fan-Betreuer der Vereine und Fan-Projektmitarbeiter/-innen muss vordringliche Aufgabe der Kooperation von Fußballverbänden, Fußballvereinen und Fan-Projekten sein.