Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

9.5.2006 | Von:
Jochen Voß

Was gibt´s Neues?

Premiere verliert die Fernsehrechte für die Fußball-Bundesliga, neue Printmagazine drängen auf den Markt und im Internet bewegt sich alles noch viel schneller. Welche neuen Anbieter setzen sich durch?

Wem gehört eigentlich der Fußball? Den Fans offensichtlicht derzeit nicht. Denn die sollen ihn laut Arena erst in der nächsten Saison zurückbekommen. Neben dem eigentumsbezogenen Slogan "Wir geben den Fans den Fußball zurück" wirbt der neue Rechteinhaber auch damit, alles "aus Liebe zum Spiel" zu tun.


Da eine neue Liebe ja bekanntlich wie ein neues Leben ist, freuen sich die Fans, die sich von ihrem Premiere-Abo trennen, dann auch sicher auf so manche Neuigkeit in der Umsetzung. Zu früh gefreut. "Den Fußball neu zu erfinden ist nicht möglich", sagt Albrecht Schmitt-Fleckenstein bei den Marler Tagen der Medienkultur. Schmitt-Fleckenstein muss es wissen, denn er verantwortet als Redaktionsleiter bei Arena die inhaltliche Umsetzung des Live-Sports. Das hat er schließlich bei Sat.1 schon 1993 gemacht. Nachdem der Sender damals die Free-TV-Rechte der Bundesliga von der ARD übernommen hatte, war Schmitt-Fleckenstein am Aufbau der Fußballabteilung maßgeblich mit beteiligt. Von da an wurde der Fußball im Fernsehen zum ersten Mal bunt und show-mäßig inszeniert. Die Spielberichte blieben zwar qualitativ auf hohem Niveau, doch das Drumherum der Sendung mit Studiopublikum, Gewinnspielen und Showacts kam dem in den neunziger Jahren einsetzenden Trend zur Eventisierung nach. Auch in der filmischen Aufbereitung setzte sich Ran von seinem Vorgänger, der ARD Sportschau, ab: Mehr Kameras waren im Einsatz, neue Perspektiven wurden eingeführt.

Im Fernsehen nicht Neues

Auch was die Live-Übertragung im Bezahl-Fernsehen angeht, sieht Arena keinen allzu großen Bedarf nach Veränderungen. "Premiere hat einen astreinen Job gemacht", konstatiert Schmitt-Fleckenstein. Einzig das Expertentum will der neue Sender demnächst zurückfahren. Ja, das mit den Experten, das habe man in den vergangenen Jahren inflationär betrieben, da sind sich die Vertreter der Redaktionen über die Sendergrenzen hinweg einig. Überhaupt herrscht in der Diskussionsrunde der Chefs der Sportredaktion von DSF über WDR bis hin zu ZDF und Premiere große Einmütigkeit. Das nimmt wenig Wunder, schaut man sich die Biografien der Diskutanten an. Die Branche ist klein. Man kennt sich. Es ist in diesem Jahr schließlich nicht das erste Mal, das Redakteure, Reporter und Moderatoren gemeinsam mit den Bundesliga-Rechten den Sender wechseln. So haben fast alle in der Runde schon mal irgendwo, irgendwie miteinander gearbeitet, voneinander gelernt und sich die Bälle zugespielt. Dementsprechend freundschaftlich ist der Umgangston derer, bei denen man zunächst große Rivalität erwartet hätte. Selbst vor den Leistungen der öffentlich-rechtlichen Sender zieht Privatfernseh-Mann Schmitt-Fleckenstein seinen Hut – obwohl er dort nie gearbeitet hat. So sind wohl vom Fernsehen nicht allzu viele Veränderungen zu erwarten – außer vielleicht, dass die Pay-TV Zuschauer unter Umständen wählen können, bei wem sie die Live-Übertragung gucken. Benno Neumüller von Premiere glaubt nämlich noch fest daran, dass sein Sender in der kommenden Saison Bundesliga-Fußball anbietet. Wie das aussehen soll, das steht derzeit noch auf einem anderen Blatt. Technisch hat die Deutsche Fußball Liga in diesem Jahr – nicht ganz freiwillig, sondern auf Druck der Europäischen Union – zum ersten Mal eine Konkurrenzsituation der Live-Berichterstattung geschafften. Die Telekom nämlich hat den Zuschlag für das Live-Streaming im Internet bekommen. Und diese Daten ließen sich, vorausgesetzt der Nutzer verfüge über die entsprechende Technik, auch auf den Fernseher bringen, wie Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL erklärt. Derzeit wird allenthalben gemutmaßt, ob dass vielleicht die Hintertür ist, die Premiere noch nutzen will, um Wort zu halten.