Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

9.5.2006 | Von:
Jochen Voß

Der Fußball erobert das Kino

Der Fußball wird für das Kino attraktiv. Nach dem 'Wunder von Bern' begleitet der Regisseur Sönke Wortmann die deutsche Nationalelf während der WM. Im Trainingsanzug entsteht so ein Film aus nächster Nähe.

Fußball ist nicht nur ein Breiten- sondern auch ein Breitbildsport. Die Hersteller von LCD- und Plasma-Fernsehgeräten hoffen auf regen Abverkauf während der Fußball-Weltmeisterschaft. Auch Sönke Wortmann hofft darauf, dass die deutsche Mannschaft bei dem kommenden Sport- und Medienereignis gut abschneidet. Denn dann wird sein neuester Sport-Film richtig breit zu sehen sein: Nämlich im Kino. Mit dem Einverständnis des DFB begleitet Wortmann, der vor zwei Jahren "Das Wunder von Bern" als Spielfilm auf die Leinwand gebracht hat, das Team um Jürgen Klinsmann auf Schritt und Tritt mit einer Kamera. Als Ergebnis soll ein Dokumentarfilm dabei herauskommen, der den WM-Alltag "unserer Jungs" mit großer Nähe einem breiten Publikum zugänglich macht. Unterstützt wird Wortmann bei seinem Vorhaben von den Verbänden DFB und FIFA.

Nach dem 'Wunder von Bern' das 'Wunder von Berlin'

Große Sorgen wegen eines eventuell negativen Ergebnisses müssen sich die Funktionäre nicht machen. Bereits beim Confederations Cup im vergangenen Jahr hat der Regisseur zu Präsentationszwecken einen ähnlichen Film erstellt, der bei den Entscheidern großen Zuspruch fand. Mit Sönke Wortmann hat man zudem einen Filmemacher im Boot, den man mit Fug und Recht als Fußballfan bezeichnen kann. Nicht nur im "Wunder von Bern" auch in einer neuen Serie "Freunde für immer – das Leben ist rund", die demnächst beim Privatsender Sat.1 laufen wird, widmete sich Wortmann seiner großen Leidenschaft. Da kommt ihm das derzeitige Turnier-Fieber wohl mehr als entgegen.


Denn wie Wortmann in einem Interview erklärte, wurde seine Idee, in Anlehnung an eine niederländische Serie einen fiktionalen Blick auf Kreisklasse-Spieler zu werfen, zunächst abgelehnt. Als Quotengift habe man den Stoff bezeichnet. Jetzt allerdings stellt die Serie anscheinend einen gelungenen Einstieg für Sat.1 dar – auch wenn, oder vielleicht gerade weil, der Sender keine Rechte für die Übertragungen der WM-Begegnungen besitzt. Wortmann selbst begründet die neue Affinität des Fernsehens zu Fußballthemen auch damit, dass die Rezeption des Sports sich verändert habe und der Fußball ein neues Publikum gefunden habe. Zum Lifestyle wäre der Fußball inzwischen avanciert. "Auch die so genannten Intellektuellen finden Fußball mittlerweile gut", sagt er. Doch während Wortmann bei der Produktion dieser Serie nur im Hintergrund als Regisseur dabei war, so ist er bei seinem WM-Film mittendrin. Gefragt nach der Gefahr, dass die Anwesenheit einer Kamera die Authentizität der jeweiligen Situation im WM-Geschehen beeinträchtigen könnte, erklärt der kickende Künstler, dass er nur mit einer kleinen, kaum auffälligen Handkamera arbeite. Zudem trüge er den gleichen Trainingsanzug wie die Betreuer der Mannschaft, und falle so nicht sonderlich auf. "Ich hab immer schon Angst, dass Klinsmann mich reinbringt", schmunzelt er bei den Marler Tagen der Fernsehkultur. Wenn auch nicht auf dem Feld, so doch im Kampf um die Aufmerksamkeit jedenfalls wird Wortmann die Verbände allerdings unterstützen. Schließlich findet die Realisierung in enger Abstimmung mit den Fußballverbänden statt. Dass man ihn zuweilen als Leni Riefenstahl des DFB bezeichnet, stört Wortmann indes wenig.

Internationale Vorbilder

Wie schon die Sat.1-Serie, so hat auch dieses Projekt ein internationales Vorbild. Bereits 1998 dokumentierte Stéphane Meunier in seinem Film "Les Yeux dans les Bleus" (deutsch: "Der Blick auf die Blauen) den Weg der Equipe Tricolore zum Weltmeistertitel. Pepe Danquart und Werner Schweizer brachten 2004 mit "Höllentour" eine Dokumentation über die Helden im Hintergrund der Tour de France ins Kino. Dort soll Wortmann WM-Film auch landen, wenn das deutsche Team nur erfolgreich genug ist. Denn für eine Schmach von München will sicher niemand Geld ausgeben. Das wird übrigens, sofern es der Film erlöst, an die SOS-Kinderdörfer gespendet.