Südafrikanische Fans mit Vuvuzelas in Durban (16.06.2010) kurz vor dem Spiel Südafrika gegen Uruguay

8.6.2010 | Von:
Helga Dickow

ANC forever? Innenpolitische Entwicklungen und Parteien in Südafrika

Übrige Parteien


Die IFP, deren Hochburg in KwaZulu Natal liegt und die damit als Zulu-Partei gilt, hat seit dem Ende der Apartheid immer weiter an Bedeutung verloren.[17] Ursprünglich mit dem Einverständnis des Exil-ANC gegründet, um im Apartheid-Staat die Möglichkeiten und Grenzen einer politischen Partei, welche die Führung im damaligen Homeland KwaZulu Natal stellte, auszuloten, stand ihr Führer Mangosuthu Buthelezi seit 1994 im Schatten Mandelas. Kämpfe zwischen Zulu-Wanderarbeitern und anderen Bewohnern der Townships in Gauteng, aber auch politische Gewalt zwischen ANC- und IFP-Anhängern erregten mehr Aufsehen als die Politik der IFP. Mit dem Zulu Zuma als Präsidentschaftskandidaten verlor die IFP auch ihren politischen Einfluss und fiel in die Bedeutungslosigkeit einer regionalen Partei zurück.

Die ehemalige Partei der Apartheid, die NP, überlebte den Niedergang ihrer Politik nicht lange. Nach dem politischen Rückzug ihres Vorsitzenden Frederik Willem de Klerk, der die Abkehr von der Rassentrennung und die Aufhebung des Verbots der schwarzen Befreiungsorganisationen verkündet hatte, versuchte die Partei ihrem Apartheid-Image zu entkommen und nannte sich um in New National Party. Kurzfristig schloss sie sich im Jahr 2000 mit der Democratic Party zur Democratic Alliance zusammen, um als Oppositionsallianz gegen den ANC mehr Gewicht zu haben. 2001 führte der neue Vorsitzende Marthinus van Schalkwyk seine Partei in ein Bündnis mit dem ANC. Durch diese Nähe zum ANC stellte die NNP keine politische Option mehr für die weiße und die "coloured" Bevölkerung dar. Als den Abgeordneten 2002 mit dem Gesetz des "Floor Crossing" dann auch noch die Möglichkeit eröffnet wurde, die Partei unter Mitnahme ihres Mandats zu wechseln, liefen viele Abgeordnete der NNP zum ANC über. Der Stimmenrückgang von 20 Prozent bei der Wahl 1994 auf 7 Prozent 1999 und 2 Prozent 2004 kann als Resultat dieses Schlingerkurses der Partei gesehen werden. Konsequenterweise löste sie sich 2005 auf.

Als weiße Vertretung einer kleinen Hardlinergruppe ist nur noch die Freedom Front, inzwischen nennt sie sich Freedom Front Plus (FF+), übrig. Sie wurde kurz vor der Wahl 1994 von dem ehemaligen General Constand Viljoen gegründet und vertritt die Interessen der Buren. Ihr erklärtes Ziel ist die Absicherung der Selbstbestimmung der Buren oder Afrikaaner, wie sie sich selbst nennen. Pieter Mulder, früher Führer der NP, ist heute prominentestes Mitglied der FF+ und stellvertretender Landwirtschaftsminister im Kabinett Zuma.

Zwei kleinere Parteien verdienen noch Erwähnung, der PAC und die African Christian Democratic Party (ACDP). Der PAC hatte seit seiner Abspaltung vom ANC 1959 bewusst einen militanten Weg gegen die Politik der Apartheid gewählt. Berüchtigt war sein Slogan "One settler, one bullet" ("Ein Siedler, eine Kugel"). Im neuen Südafrika geht es ihm in erster Linie um Umverteilung des Landes an die schwarze Bevölkerung. Seit dem Ausscheiden seiner Vorsitzenden Patricia de Lille im Jahr 2003, die nun Vorsitzende der PAC-Abspaltung Independent Democrats (ID) ist, verliert der PAC zunehmend an Bedeutung. Die ACDP wurde 1993 von dem evangelikalen Geistlichen Kenneth Meshoe gegründet. Wiewohl auch sie nur noch drei Abgeordnete im südafrikanischen Parlament hat, sollte ihr Einfluss nicht unterschätzt werden. Sie vertritt die wachsende Gruppe evangelikaler-charismatischer Christen, die sich für ein Rechtssystem basierend auf fundamentalen christlichen Werten einsetzen und zum Beispiel gegen die gleichgeschlechtliche Ehe oder Abtreibung sind.


Fußnoten

17.
Vgl. Franz Ansprenger, Inkatha Freedom Party: Eine Kraft im demokratischen Südafrika, Bonn 1999.
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