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Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:

Umwelt und Verbraucher – Angebot und Nach(haltigkeits)frage

Gute Siegel: Gütesiegel

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Das "Wissen" der Verbraucherorgani- sationen bildet oft die Grundlage für Gütesiegel, die Konsumenten direkt am Regal eine nachhaltige Kaufentscheidung ermöglichen sollen. Die mit Hilfe eines Siegels definierten Standards sind zum Teil auch gesetzlich verankert, so sind bei Lebens- mitteln die Begriffe "bio" oder "öko" durch die EG-Öko-Verordnung geschützt. Wer Öko-Produkte herstellt und entsprechend kennzeichnet, muss sich durch eine zugelassene Kontrollstelle zertifizieren lassen. Derzeit nutzen über 3.000 Unternehmen das Bio-Siegel auf knapp 50.800 Produkten (Stand Oktober 2008). Da einzelne ökologische Anbauverbände über strengere Richtlinien verfügen, gibt es neben dem EU-Bio-Siegel noch weitere Siegel, die eine ökologische Produktionsweise garantieren. Hierzu gehören z.B. Demeter, Bioland oder Naturland. So arbeiten Demeterhöfe nach den Vorgaben des biologisch-dynamischen Landbaus und setzen Präparate aus Mineralien und Heilkräutern gemäß der anthroposophischen Lehre von Rudolf Steiner ein. Biolandhöfe hingegen wirtschaften organisch-biologisch, ihre Grundlagen basieren auf den Naturwissenschaften und nicht auf der Anthroposophie.

Das Fairtrade-Siegel des Vereins TransFair e.V. schließlich steht für gerechte Entlohnung der Arbeiter und ethisch einwandfrei produzierte Ware – sehr häufig Hand in Hand mit den Anforderungen ökologischer Produktionsweisen. Mittlerweile sind über 800 Fairtrade zertifizierte Produkte von Kaffee und Tee über Fußbälle bis hin zu Kleidung erhältlich.

Vergleichbare Kennzeichnungen gibt es für beinahe alle Produktgruppen, nicht immer aber beziehen sie sich auf die Produktionsbedingungen. So informiert zum Beispiel das Effizienzklasse-Label (EU-EnergyLabel) über die erwartbaren Stromkosten von Kühlschrank, Waschmaschine & Co. Das Label basiert auf einem EU-Gesetz.

Ökologisch von der Wiege bis zur Bahre?

Die Umweltverträglichkeit von Produkten ist nicht nur abhängig von ihren Produktionsbedingungen und -folgen. Auch Kriterien wie Lebensdauer und Recyclingfähigkeit sowie die Art, wie sie genutzt werden, entscheiden darüber, wie stark ein Produkt die Umwelt belastet. Sogenannte Ökobilanzen oder Lebenszyklusanalysen, etwa die Produktlinienanalyse des Ökoinstituts e.V., geben Aufschluss über diese Parameter. Die Ergebnisse nutzt das Institut unter anderem für seine EcoTopTen-Listen, in denen die nachhaltigsten Produkte verschiedenster Kategorien vorgestellt werden: vom Fahrrad bis zum Fernseher. Unter einer Ökobilanz (engl. Life Cycle Assessment, LCA) versteht man eine systematische Analyse der Umweltwirkungen von Produkten während ihres gesamten Lebenszyklus. Umweltwirkungen sind sämtliche Entnahmen aus der Umwelt (zum Beispiel Erze, Rohöl) sowie Emissionen in die Umwelt (zum Beispiel Abfälle, CO2-Emissionen). Bei einem Fernseher würde man also in Betracht ziehen, welche Materialien zur Produktion verwendet werden, ob dabei Schadstoffe anfallen und wie damit umgegangen wird. Im nächsten Schritt würde analysiert, wie umweltfreundlich der Betrieb des Gerätes ist: Braucht es viel oder wenig Energie, wie hoch ist die Strahlung? Und schließlich spielt eine lange Lebensdauer für die Umweltfreundlichkeit eine Rolle, ebenso, ob die Rohstoffe aus dem Gerät am Ende wieder zu recyceln sind. Während also ein Energiesparsiegel viele Fragen des Verbrauchers offen lässt, weil es zum Beispiel keinen Aufschluss darüber gibt, welche Materialien verwendet wurden, ist die Ökobilanz eine aussagekräftigere Analyse, deren Erstellung mit viel Aufwand verbunden ist.

Konsum für eine bessere Welt

Neben den Verbraucherzentralen gibt es auch private Anbieter von ökologischen Produkttests und Hilfestellungen zu nachhaltigem Konsumverhalten. Die Zeitschrift "Öko-Test" etwa ist ein monatlich erscheinendes Verbrauchermagazin, das unter dem Motto "Richtig gut leben" über Verbraucherthemen aus ökologischer Perspektive informiert. Babynahrung, Autoreifen oder ökologisch ausgerichtete Geldanlage – jede Ausgabe enthält rund zehn vergleichende Produkttests.

Im Internet gibt es seit einigen Jahren die unabhängige Konsumentenplattform "Utopia – das Internetportal für strategischen Konsum", das Angebot wird von der Utopia AG betrieben. Das Team verfolgt das Ziel, die Gesellschaft möglichst umfassend zu informieren. Daneben bietet das Netzwerk mittlerweile rund 37.000 selbsternannten "Utopisten" Raum für einen offenen Diskurs zu ökologischen Themen. Mit dem Portal soll auch Unternehmen gezeigt werden, dass es sich lohnt, für diese größer werdende Verbrauchergruppe zu produzieren.

Kaufen oder Nichtkaufen, das ist die Grundsatzfrage!

Das Umweltbewusstsein vieler Verbraucher wächst, 2008 ermittelte eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamts, dass 91 Prozent der Bundesbürger den Umweltschutz für wichtig halten - Tendenz steigend. Niedrigste Verkaufspreise verschleiern die realen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Kosten der Herstellung eines Produktes beziehungsweise können diesen Kosten gar nicht entsprechen – das wird für immer mehr Menschen unübersehbar. Das Leitbild eines nachhaltigen, verantwortlichen Konsums ist zunehmend in den Köpfen der Konsumenten verankert. Berichte über fairen Handel und Globalisierungskritiker haben die Debatte über die Konsumgesellschaft neu belebt. Neben den Boykott ist als neue Form der politischen Meinungsäußerung außerhalb des parlamentarischen Systems der "buycott" getreten – die politisch, ethisch und ökologisch motivierte Entscheidung für bestimmte Produkte. Damit folgen Verbraucher vermehrt dem Appell vieler Nichtregierungsorganisationen, ihre Macht einzusetzen: zum Schutz der Umwelt und zum Schutz derer, die am anderen Ende der Welt Konsumgüter produzieren.



Literatur

Janning, F. (2005): Konjunkturen der Konsumentenmacht. Politische Gelegenheitsstrukturen in der deutschen Verbraucherschutzpolitik. In: Unterschätzte Verbrauchermacht. Potenziale und Perspektiven der neuen Verbraucherbewegung. Neue Soziale Bewegungen, 18. Jg., Heft 4/2005. Stuttgart: Lucius & Lucius. S. 30-40

Lamla, J., A. Klein (2005): Verbraucherpolitik als Querschnittsaufgabe profilieren! Ein Interview mit Edda Müller. Neue Soziale Bewegungen, 18. Jg., Heft 4/2005. Stuttgart: Lucius & Lucius. S. 98-105

Stolle, D., M. Micheletti (2005): Warum werden Käufer zu "politischen Verbrauchern"? In: Unterschätzte Verbrauchermacht. Potenziale und Perspektiven der neuen Verbraucherbewegung. Neue Soziale Bewegungen, 18. Jg., Heft 4/2005. Stuttgart: Lucius & Lucius. S. 41-52

www.bmelv.de
www.oekolandbau.de
www.utopia.de
www.verbraucher.org
www.vzbv.de

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