Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Michael Bender
Tobias Schäfer

Seen und Feuchtgebiete

Seen und Feuchtgebiete übernehmen wichtige Grundfunktionen für unsere Ökosysteme, dabei reagieren sie selbst empfindlich auf Veränderungen. Wodurch sind sie charakterisiert und was gefährdet sie?

Grüne Wasserfrösche paaren sich in einem Teich im Meggerwald bei Meggen im Mai 2007. Dabei präsentieren sie sich auf den Seerosenblättern.Wasserfrösche paaren sich in einem Teich mit Seerosenblättern. (© AP)

Seen und Feuchtgebiete sind vom Wasser geprägte Lebensräume, die weltweit in einer großen Vielfalt verbreitet sind und besondere Bedeutung für den Naturhaushalt besitzen.

Die weitaus meisten Seen in Deutschland entstanden während und durch die Eiszeit, als zum Beispiel Gletscherzungen das Gelände ausschürften, oder durch den Schmelzwasserabfluss Senken in der Landschaft entstanden. Von den 10.000 Jahre alten Glazialseen sind heute nur noch etwa 50 Prozent erhalten. Die übrigen sind meist natürlich verlandet oder bei Entwässerungsmaßnahmen der Landwirtschaft ausgetrocknet worden. Eine andere Entstehungsgeschichte haben tektonische Seen wie der Baikalsee, vulkanische Seen wie die Maare der Eifel oder Einbruchseen über Salzstöcken wie der Arendsee in der Altmark. Eine Vielzahl von Seen sind darüber hinaus künstlichen Ursprungs, wie Talsperren, Seen in Tagebaulöchern oder Mühlstaue und Fischteiche, die oft schon seit dem Mittelalter existieren.


Die Ökologie von Seen

Für die ökologische Charakteristik eines Sees sind in erster Linie eine Reihe von abiotischen Faktoren ausschlaggebend. Dazu gehört neben den regionalen Klimabedingungen zunächst die Form des Sees, insbesondere seine Tiefe. Von ihr ist das Schichtungsverhalten des Sees abhängig. Während in flachen Seen der gesamte Wasserkörper durch den Wind ganzjährig durchmischt wird und relativ gleichmäßige Temperaturen herrschen, stellt sich in tieferen Seen im Sommer eine stabile Schichtung des Wassers ein: Vier Grad Celsius kaltes Wasser stellt die Tiefenschicht dar, oberhalb der, nach einer sogenannten Sprungschicht, eine bis zur Seeoberfläche reichende warme Schicht lagert.

Eine wichtige Unterscheidung von Seetypen wird nach der Menge des Nährstoffangebots, der Trophie, vorgenommen. Man unterscheidet oligotroph (nährstoffarm), mesotroph (mittleres Nährstoffangebot), eutroph (nährstoffreich), polytroph (sehr nährstoffreich) und hypertroph (extrem nährstoffreich).

Für die pflanzliche Produktion ist neben dem Nährstoffangebot das Lichtklima ausschlaggebend, wie tief das Licht also ins Wasser vordringen kann. Um einen See zu charakterisieren sind weiterhin die Verweilzeit, also die Wasseraustauschzeit, und die Größe des Einzugsgebiets von Bedeutung. Auch die Art des Zu- und Abstroms, ob der See zum Beispiel grundwassergespeist ist oder über einen oberirdischen Abfluss verfügt, spielt eine Rolle.


Lebenszyklus und Entwicklung

Seen sind einem natürlichen Alterungsprozess unterworfen, der in Richtung auf ihre Verlandung verläuft. Dies geschieht, in Abhängigkeit vor allem vom Nährstoffangebot, in sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit. Seen sind Stoffsenken, das heißt, sie sammeln mehr Einträge an, als Stoffe das System verlassen. Damit sind Seen – wie auch Moore – gewissermaßen das Gedächtnis der Landschaft: In ihren Sedimenten lagern sich die Einträge aus dem Einzugsgebiet und organische Reste aus dem See in Schichten ab.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür ist der Laacher Seetuff: Nach dem Ausbruch eines Vulkans in der Eifel vor 13.000 Jahren breitete sich eine Staubwolke weit nach Nordosten aus und legte sich über die Landschaft. Heute kann daher in ganz Nordostdeutschland bis ins südöstliche Schweden in jedem See eine ein bis mehrere Zentimeter dicke Staubschicht in den Sedimenten erbohrt werden. Diese bietet auch einen Anhaltspunkt für die Datierung der Sedimente.

Vielfalt der Lebensgemeinschaften

Am Anfang des Nahrungsnetzes in einem See steht das im Freiwasser schwebende oder als Aufwuchs auf größeren Pflanzen und Steinen haftende Phytoplankton (Algen). Demgegenüber bilden die planktischen Tiere das Zooplankton, das wiederum die Nahrungsgrundlage für planktonfressende Fische darstellt. Weitere wichtige Organismengruppen sind die am Seegrund lebende sogenannte benthische Wirbellosenfauna sowie die Makrophyten, die größeren Pflanzen, zu denen höhere Pflanzen und Armleuchteralgen gehören. In den Uferbereichen der Seen reicht die Röhrichtzone bis ans Land, anschließend folgen die Schwimmblattzone und die Laichkrautzone. Diese drei bilden zusammen das "Gelege", das insbesondere als Laich- und Aufwuchsbereich für Fische und Amphibien sowie für Wasservögel von großer Bedeutung ist.

Gefährdung der Seeökologie

Eine der wichtigsten Gefährdungsursachen von Seen ist der durch menschliche Aktivitäten verstärkte Nährstoffeintrag, die Eutrophierung, die einen See quasi im Zeitraffertempo altern lässt. Hauptursachen sind unzureichend gereinigte kommunale Abwässer und überschüssige Nährstoffe (Düngemittel) aus der intensiven Landwirtschaft. Das erhöhte Nährstoffangebot führt zu einer gesteigerten pflanzlichen Produktion, die im Falle sogenannter Algenblüten zum "Umkippen" eines Sees führen kann: Bei der Massenvermehrung von Algen in der obersten Wasserschicht werden die übrigen Pflanzen beschattet und wachsen nur noch vermindert, somit wird die Sauerstoffabgabe in tiefere Wasserschichten unterbunden.

Die abgestorbenen Algen sinken zum Gewässergrund, die Abbauprozesse zehren den Sauerstoff auf und es kommt zur Bildung von Faulschlamm. Besonders problematisch ist, dass einmal zugeführte Nährstoffe (vor allem Phosphor) aus dem Seesediment erneut gelöst werden und der Nahrungskette im See erneut zur Verfügung stehen. Daneben gefährdet auch der Verbau der Ufer die Seenökosysteme.

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