Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Michael Bender
Tobias Schäfer

Seen und Feuchtgebiete

Grenzübergreifende Schutzmaßnahmen

Zu den wichtigsten Ansätzen, Seen effizient zu schützen, gehört die Verhinderung eines zu hohen Nährstoffeintrags. Dabei spielt die Behandlung kommunaler Abwässer, die zum Teil über Ringkanalisationen von mehreren See-Anrainern gesammelt werden, eine zentrale Rolle. Darüber hinaus sind viele Seen bereits Teil des europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000. Die Wasserrahmenrichtlinie formuliert die ambitionierte Zielstellung, dass die Seen in der EU bis zum Jahr 2015 einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen sollen, der nur geringfügig von einem natürlichen Referenzzustand abweicht.

Die Vielfalt an Feuchtgebieten

Unter Feuchtgebieten versteht man eine große Bandbreite unterschiedlicher, maßgeblich vom Wasser geprägter Lebensräume. Sie reicht vom nährstoffreichen, hochproduktiven Marschland an den Küsten bis hin zu sehr nährstoffarmen, nur vom Regenwasser gespeisten Hochmooren in den Gebirgen. Eine sehr weitgehende Definition des Begriffs Feuchtgebiete liefert die Ramsar-Konvention, ein wichtiges internationales Abkommen über Feuchtgebiete: "Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich oder künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß-, Brack- oder Salzwasser sind, einschließlich solcher Meeresgebiete, die eine Tiefe von sechs Metern bei Niedrigwasser nicht übersteigen."

Wichtige Funktionen

Libellen paaren sich auf dem Fluss Koeroes in der ungarischen Szarvas-Region, etwa 150 km von Budapest entfernt. Von den 5680 weltweit bekannten Libellen-Arten treten in Mitteleuropa etwa 85 auf. (© AP)

Ihre ökologische Bedeutung erlangen die Feuchtgebiete durch ihre hohe Produktivität bei der Erzeugung pflanzlicher Biomasse (die nährstoffarmen Hochmoore ausgenommen) und ihre große Artenvielfalt. Derartige Regionen machen etwa sechs Prozent der Landoberfläche der Erde aus. Feuchtgebiete sind wichtige Rast- und Überwinterungsplätze vieler Zugvogelarten, vor allem von Wat- und Wasservögeln. Zu den Funktionen von Feuchtgebieten im Naturhaushalt gehören Wasserspeicherung und Grundwasseranreicherung, Wasserreinigung und die Nähr- Schad- und Sinkstoffrückhaltung. Die Gebiete schützen Flussufer, verhindern Bodenerosion und tragen auch zur Stabilisierung der örtlichen Klimabedingungen bei.

Eine besondere ökologische Bedeutung kommt den Bach- und Flussauen zu. Auen sind die Überschwemmungsbereiche der Fließgewässer, die in unterschiedlicher Häufigkeit und Dauer von Wasser überflutet sind. Sie umfassen ein buntes Mosaik an verschiedenen feuchten, zum Teil aber auch sehr trockenen Lebensräumen. Da sie die Landschaft wie ein Adernsystem durchziehen, sind die Auen wichtige Ausbreitungskorridore und Rückzugsareale für eine immense Anzahl von Tier- und Pflanzenarten. Ihre größten Teile sind jedoch heute durch Deiche vom Überflutungsregime der Flüsse abgeschnitten. Die Quervernetzung zwischen dem Fluss und den unterschiedlichen Auenlebensräumen, die vor allem für viele Fischarten von entscheidender Bedeutung ist, ist dadurch dauerhaft unterbunden. An der Elbe etwa werden heute nur noch 20 Prozent der ursprünglich vorhandenen Auen überflutet.

Spezieller Fall: Moore

Einen eigenen Typus von Feuchtgebieten stellen die Moore dar. Moore sind nasse terrestrische Lebensräume, in denen eine nur unvollständige Zersetzung des abgestorbenen Pflanzenmaterials stattfindet. Unter Wassersättigung kommt es zu einer ständigen Akkumulation von Torf, die das Moor allmählich wachsen lässt. Eine hauptsächliche Unterscheidung wird zwischen grundwassergespeisten, mehr oder weniger nährstoffreichen Niedermooren und regengespeisten, nährstoffarmen Hochmooren getroffen. Hochmoore, deren Vegetation in erster Linie aus Torfmoosen besteht, haben keinen Kontakt zum Grundwasser und wachsen mit ihrem Wasserkörper pfannkuchenartig in die Höhe.

Besonders gefährdet und schützenswert

Feuchtgebiete gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde. Zu großen Anteilen sind sie bereits durch Entwässerung zerstört worden, insbesondere in Westeuropa und den USA. Dort wird der Anteil der seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verloren gegangenen Gebiete auf 53 Prozent geschätzt (Alaska ausgenommen), im besonders betroffenen Kalifornien sogar auf über 91 Prozent.

Aufgrund ihrer Bedeutung und Gefährdung stehen Feuchtgebiete unter besonderem Schutz. In Deutschland gehören sie zu den gesetzlich geschützten Biotopen und spielen auf europäischer Ebene eine wichtige Rolle im Schutzgebietssystem Natura 2000. Auch in der Wasserrahmenrichtlinie der EU zählt der Erhalt beziehungsweise die Verbesserung des Zustands der Feuchtgebiete zu den Zielen. Unter der Ramsar-Konvention sind Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung unter Schutz gestellt.


Literatur und Links

Schwoerbel, Jürgen und Brendelberger, Heinz: Einführung in die Limnologie. 9. Auflage, Heidelberg 2005.

Frimmel, Fritz H. (Hrsg.): Wasser und Gewässer. Ein Handbuch. Stuttgart, 1999.

www.wikipedia.de, Stichworte See, Feuchtgebiet, Moor

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