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Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Nikolaus Geiler

Wassersparen in Deutschland – ein zweischneidiges Schwert

Rückbau der Ver- und Entsorgungsnetze schwierig

Theoretisch würde es sich also anbieten, dem zurückgehenden Wasserbedarf mit einer Verkleinerung der Rohrdurchmesser in den Trink- und Abwasserleitungen zu begegnen. Aber zum einen sind die Rohrleitungssysteme vierlerorts noch längst nicht abgeschrieben. Und zum anderen ist der Umbau der Ver- und Entsorgungsnetze außerordentlich teuer. Derzeit ist in vielen – finanziell klammen – Kommunen noch nicht einmal die normale Unterhaltung der "unterirdischen Infrastruktur" gewährleistet. Die meisten Wasser- und Abwasserbetriebe müssen sich somit mit verstärkten Rohrnetzspülungen über die Runden retten. Denn der finanzielle Aufwand für die zusätzlichen Rohrnetzspülungen liegt immer noch deutlich unter den Kosten, die durch eine bauliche Anpassung entstehen würden.

Auslastungsgrad: Die Schere öffnet sich

Es ist aber nicht nur der zurückgehende Wasserbedarf, der die Versorgungssysteme an ihre Grenzen führt. Auch die Schere zwischen Niedrig- und Spitzenwasserbedarf öffnet sich immer weiter. Während zu Normalzeiten der Wasserbedarf immer geringer wird, geht in "Jahrhundertsommern" (wie 2003) der Spitzenbedarf steil nach oben – vor allem in Neubau-Siedlungsgebieten, in denen überproportional viele Eigenheimbesitzer Regenwassernutzungsanlagen betreiben. Nach drei oder vier Wochen Trockenzeit sind die meisten Regenwasserzisternen leer und die Brauchwasserversorgung wird via "Noteinspeisung" auf die öffentliche Wasserversorgung umgestellt. Als ökologischer Pferdefuß der Regenwassernutzungsanlagen wird sich bei weiter steigenden Strompreisen auch der vergleichsweise hohe Strombedarf dieser Anlagen erweisen: Während Wasserwerke einen mittleren Stromverbrauch von 0,6 Kilowattstunden pro Kubikmeter Wasser verzeichnen, liegt der Stromverbrauch bei vielen Regenwassernutzungsanlagen deutlich höher.

Die stark schwankenden Durchsatzmengen durch das Leitungsnetz bereiten bei der Auslegung und dem Betrieb des Leitungsnetzes sowie den Förder-, Aufbereitungs- und Speicheranlagen zunehmend Probleme. Das bedeutet, dass die Versorgungsunternehmen die notwendige Infrastruktur bereithalten müssen, ohne die Leitungen verkleinern zu können, obwohl der Wasserverbrauch im Durchschnitt sinkt. Da die Systeme zudem immer weniger am idealen Auslegungspunkt betrieben werden können, verschlechtert sich auch die Umweltbilanz: zum einen bezüglich des Energieaufwands, zum anderen werden die Grundwasserspeicher stärker belastet, wenn die Entnahmemengen stark schwanken.

Unwissen über Wasserbedarf und -kosten

Wer Wasser spart, vermutet, dass er damit auch deutlich Geld spart. Wie zuvor gezeigt, wird dieser Glaube zunehmend zu einem Irrglauben. Hinsichtlich von Kostenaspekten in der Wasserver- und Abwasserentsorgung ist allerdings festzustellen, dass die Mehrzahl der Befragten die Meinung vertritt, dass das Wasser zu teuer ist. Dabei wissen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung gar nicht, wie viel Wasser sie im Jahr benötigt haben und wie hoch ihre jährliche Wasser- und Abwasserrechnung tatsächlich ist. Demzufolge herrscht auch eine weitverbreitete Unkenntnis, wie viel der Kubikmeter Wasser oder Abwasser in der jeweiligen Gemeinde kostet. Im Durchschnitt werden viel zu hohe Kubikmeterpreise vermutet. Tatsächlich muss der Bundesbürger im Schnitt nicht einmal 50 Cent für seinen täglichen Wasserbezug und die hochwertige Reinigung seines Abwassers bezahlen.

Zurück bleibt das diffuse Gefühl, mit Wassersparen etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Und weil den Deutschen das Wassersparen unter allen Umweltschutzaktivitäten offenbar am leichtesten fällt, ist Wassersparen zur Entschuldigung dazu verkommen, sich in anderen Umweltbereichen umso weniger nachhaltig zu verhalten.

"Virtuelles Wasser"

Hiesige Wassersparbemühungen erscheinen noch ambivalenter, wenn man in die Abwägungen den Aspekt unseres "virtuellen Wasserbedarfs" mit einbezieht: Unser hiesiger Wasserbedarf ist minimal im Vergleich zu dem Wasserbedarf, den wir über den Import von biogenen Rohstoffen (zunehmend auch "Biosprit"!) und Lebensmitteln in ungleich wasserärmeren Regionen der Welt "produzieren". Denn unserem realen Tageswasserbedarf von 120 Litern steht ein virtueller Tageswasserbedarf von bis zu 4.000 Litern gegenüber! Unser Import von Tomaten aus Südspanien und den Maghrebländern, von Baumwolle aus der Aralseeregion oder aus Ägypten und von Agrosprit aus Brasilien hat in den Herkunftsländern dieser Produkte einen hohen Wasserbedarf zur Folge. Der summiert sich bei Vegetarieren auf 2.500 Liter pro Einwohner und Tag, bei intensiven Fleischessern auf 4.000 Liter pro Einwohner und Tag. Letzteres liegt daran, dass das importierte Kraftfutter für Vieh (beispielsweise Sojaschrot aus Argentinien) ebenfalls wieder einen hohen Bedarf an Wasser zur Bewässerung benötigt. Deutschland ist hinsichtlich seines virtuellen Wasserbedarfs ein Importland: Selbst der gesamte Niederschlag, der auf Deutschland niederprasselt, würde nicht ausreichen, unseren virtuellen Wasserbedarf zu decken. Hier gilt es also viel dringender anzusetzen, zumal dieses Wasser für uns unsichtbar bleibt und sich die wenigsten über die Verlagerungsproblematik bewusst sind.

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