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Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Jan Iseler
Sven Hövelmann

Porentief rein?

Wasserverschmutzung und Abwassertechnik

Der Betreiber einer industriellen Abwasserbehandlungsanlage kann neben der Erfüllung der gesetzlichen Auflagen erhebliche Kosten bei den Abwassergebühren einsparen, wenn der Grenzwert für Starkverschmutzerzuschläge durch eine bessere Aufbereitungstechnik unterschritten wird. Weitere Einsparpotenziale lassen sich für einen Industriebetrieb erreichen, wenn nach der Abwasseraufbereitung eine Wiederverwendung (Kreislaufschließung) möglich ist, das heißt, ein Abwasserstrom wird mehrfach verwendet, bevor er als Abwasser den Betrieb verlässt.

Neue Abwassertechniken

Auch mit Maßnahmen des produktionsintegrierten Umweltschutzes lassen sich Betriebskosten erheblich reduzieren. Welche Aufbereitungstechniken eingesetzt werden hängt von den Inhaltsstoffen des zu reinigenden Wassers ab. Für Industrieunternehmen ist häufig eine Teilstrombehandlung wirtschaftlich sinnvoll. In Frage kommen Techniken wie der Sequencing Batch Reactor, die Schlaufenreaktor-Technik oder Membranverfahren. Durch eine Schwachstellenanalyse wird der Produktionsschritt ermittelt, bei dem schwer abbaubare Inhaltsstoffe im Abwasser anfallen. Oft handelt es sich um einen sehr kleinen Abwasserteilstrom, der jedoch extrem stark belastet ist. Die genannten Technologien zur Teilstrombehandlung gewinnen aus betriebswirtschaftlicher Sicht zunehmend an Bedeutung.

Kompakte und energiesparende Kläranlagen wie der Strahl-Zonen-Schlaufen-Reaktor des Instituts für Umweltverfahrenstechnik der Universität Bremen sind Verfahren, welche die bisherigen großen Beckentechniken der Kläranlagen ablösen könnten

Mobile Pilotanlage des Strahl-Zonen-Schlaufen-Reaktor (SZR).Mobile Pilotanlage des Strahl-Zonen-Schlaufen-Reaktor (SZR).
Der Strahl-Zonen-Schlaufen-Reaktor wurde bereits in mehreren Industriebereichen erfolgreich erprobt und wird aktuell großtechnisch in der Industrie umgesetzt. Das Verfahrenskonzept eignet sich außerdem zur dezentralen kommunalen Abwasserreinigung. Es zeigt, wie kompakt moderne Kläranlagen gebaut werden können. Mit kompakten Systemen lässt sich das Abwasser in ländlichen Regionen – im Vergleich zu den Betriebskosten für Druckleitungen zu entfernten Kläranlagen – günstiger vor Ort aufbereiten.

Ressource Grundwasser ist nicht unendlich

Zukünftig geht es darum, Verfahrenstechnologien zu entwickeln, die in der Lage sind, pathogene Keime (Krankheitserreger) und vom Menschen verursachte Verunreinigungen wie pharmazeutische Reststoffe betriebssicher aus dem Abwasser zu entfernen. Schon heute wird dies durch die EU-Badegewässerverordnung verlangt. Die EU-Verordnung hat dazu geführt, dass einige Kläranlagen mit Membrantechnik ausgestattet wurden. Durch die höheren Reinigungsanforderungen ist mit einer Steigerung der Abwassergebühren zu rechnen.

Dabei sollten wir uns nochmals vor Augen führen, dass wir Wasser lediglich gebrauchen, also auch das aufbereitete Abwasser zurück in den globalen Wasserkreislauf gelangt. Früher oder später finden sich Antibiotika oder Röntgenkontrastmittel somit im Grundwasser und damit in unserem Trinkwasser.

Durch den Eintrag von immer unterschiedlicheren Verunreinigungen ins Grundwasser müssen neue Aufbereitungstechnologien eingesetzt werden, um auch kommenden Generationen gesundheitlich einwandfreies Trinkwasser in ausreichendem Maße zur Verfügung stellen zu können. Dies zeigt, dass die Ressource Wasser nicht unendlich ist und wir mit ihr auch in Zukunft nachhaltig umgehen müssen.

Literatur

www.wasser-wissen.de (Lexikon mit über 2500 Stichwörtern zum Themenbereich Wasser/Abwasser)

Creative Commons License

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