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Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Martin Glöckle

Regenwälder weiterhin in Not

Auswirkungen der Waldzerstörung

Die Folgen der beschriebenen Zerstörungswut sind von ungeheuerem Ausmaß. Obwohl die tropischen Regenwälder nur 6 Prozent der Landoberfläche einnehmen, lebt in ihnen die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten, darunter stark bedrohte Arten wie Orang Utans, Tiger und Waldnashorn. Diese sind durch die Abholzungen akut vom Aussterben bedroht.

Wälder sind für die lokalen und globalen Wasserkreisläufe unersetzlich. Allein der Amazonasregenwald dient als Reservoir für 16 Prozent des Süßwassers der Erde. Durch die Zerstörung der Wälder ist nicht nur vielerorts die Wasserversorgung gefährdet, es breiten sich wüstenähnliche Verhältnisse auch in Regionen aus, in denen sie aufgrund klimatischer Verhältnisse nicht vorkommen sollten, etwa in Elfenbeinküste. Diese vom Menschen gemachten Wüsten sind unfruchtbar und die Böden so stark geschädigt, dass Pflanzen dort kaum wieder wachsen können.

Für über 60 Millionen Menschen weltweit sind Wälder Lebens- und Wirtschaftsraum. Die Abholzung der Wälder nimmt ihnen alles, was sie zum Leben brauchen: Nahrungsmittel wie Früchte, Pilze, Tiere sowie Bau- und Brennmaterial. Seit 1985 verloren in Brasilien weit über 5 Millionen Menschen ihr Land unter Zwang. Die Vereinten Nationen erwarten in den nächsten Jahren die Vertreibung von 5 Millionen Indigenen von ihrem angestammten Land in West-Kalimantan, wo Platz für Palmölplantagen geschaffen werden soll.

Gummibaum Plantage in Kambodscha. Foto: APGummibaum Plantage in Kambodscha. Foto: AP
Da die Plantagen keinen Lebensraum für Mensch und Tier bieten, drohen der Bevölkerung Armut und Hunger. Im Bemühen, dem Klimawandel durch Agrotreibstoffe Einhalt zu gebieten, wird das Problem im Gegenteil noch verschärft. Indem die Waldfläche oder die Regenerationsfähigkeit des Waldes verkleinert wird, beeinträchtigt die Abholzung die Fähigkeit des Ökosystems, CO2 aufzunehmen. Ein Fünftel der durch Menschen verursachten CO2-Belastung stammt aus Waldzerstörung. Schon deshalb ist Indonesien nach den USA und China der drittgrößte CO2-Produzent der Erde. Wird ein Hektar Torfregenwald trockengelegt und brandgerodet, wird dabei eine so große Menge CO2 ausgestoßen, wie sie von darauf angebautem Palmöl erst nach 420 Jahren kompensiert werden kann.

Internationale Maßnahmen zur Rettung der Wälder

Viele Maßnahmen, die zum Schutz der Wälder ins Leben gerufen wurden, haben sich als wenig hilfreich erwiesen. Aktuell erarbeitet auf internationaler Ebene ein runder Tisch Standards für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palmoil, RSPO). Allerdings werden bei diesen Beratungen Vertreter der betroffenen Bevölkerung kaum angehört. Die Verhandlungen über die Standards liegen nahezu ausschließlich in den Händen großer Unternehmen, die bisher wenig Rücksicht auf die lokale Bevölkerung und ökologische Belange nahmen. Die Zukunft der Wälder Indonesiens und Malaysias hängt weniger von den Standards eines solchen Nachhaltigkeitssiegels ab, als vielmehr von der Entscheidung der Europäischen Union (EU), ob und in welchem Umfang den Treibstoffen zukünftig "Biosprit" beigemischt werden soll.

Mit dem Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC) für Holz und Holzprodukte wird versucht, nachhaltige Waldbewirtschaftung zu fördern und die bisherigen Abholzungsmethoden einzudämmen. Allerdings gibt es auch gegen den FSC Proteste aus den Ländern des Südens, da die betroffene Bevölkerung oftmals unzureichend beteiligt wird, Plantagen zertifiziert, auf den Flächen Pestizide eingesetzt oder gar Menschen vertrieben werden.

Die EU versucht im Rahmen des so genannten FLEGT-Prozesses (Forest Law Enforcement, Governance and Trade), durch freiwillige bilaterale Abkommen mit holzproduzierenden Ländern wie Ghana, Malaysia, Kamerun, Indonesien usw. die legale Holzproduktion zu fördern und illegale Ware vom europäischen Markt auszuschließen. Über ein Nachweissystem und die Ausgabe von Lizenzen soll so der illegale Holzhandel eingedämmt werden. Diese Verhandlungen stecken noch in den Kinderschuhen und Erfolge sind daher noch nicht abzusehen, zumal es mit wichtigen Holzexporteuren wie China und Russland keine direkten Verhandlungen gibt.

Teilbereich internationaler Konferenzen

Während der Klimakonferenz 2007 auf Bali wurde beschlossen, in das nächste Klimaprotokoll ab 2013 auch den Waldschutz einzubeziehen. Im bis 2012 gültigen Kyoto-Protokoll sind Wälder nicht berücksichtigt. Waldreiche Länder sollen in Zukunft finanzielle Kompensationen dafür erhalten, dass sie ihren Wald schützen. In diesem System, das über den Emissionshandel finanziert werden soll, verkaufen also Waldbesitzer Zertifikate und garantieren über das erhaltene Geld den Schutz des Waldes. Erste Pilotprojekte dieses Systems wurden bereits gestartet, und bei Erfolg wird dieser Mechanismus in das nächste Klimaprotokoll aufgenommen werden.

Die Biodiversitätskonferenz 2008 in Bonn, auf die viele Umweltorganisationen gesetzt hatten, hat für den Waldschutz keinen Durchbruch gebracht. Einige Staaten kündigten zwar an, ihre Schutzgebietszonen für Wälder deutlich auszuweiten. So versprach etwa die deutsche Regierung, 500 Millionen Euro bis 2012 und von da an jährlich bereitzustellen, um solche Schutzgebiete zu finanzieren. Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung und der mangelnden Bekämpfung der Zerstörungsursachen, bleibt dies aber ein Tropfen auf den heißen Stein. Welchen Stellenwert Waldschutz in Deutschland selbst tatsächlich hat, dokumentiert der Anteil der Schutzfläche in den eigenen Wäldern: Es sind unter 2 Prozent.

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